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Kategorien > Dichtung > Schicksal

Spring doch bitte nicht

von Michael Reißig

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Frau, mit der rechten Hand Ronny's Bauch fest umklammert. Wortlos zieht er wie von selbst das linke Bein auf das glatte Geläuf zurück. Beide Frauen können in diesem Moment von ihm ablassen. Da er nicht mit beiden Füßen gleichzeitig auf die schützende Oberfläche aufschlägt und dabei noch wegrutscht, sackt er in Sekundenschnelle in sich zusammen. Und wieder sind die geballten Kräfte der beiden Frauen gefragt, um Ronny aufrichten zu können. Dieses gelingt nur mit größter Mühe, da der Schock immer noch tief in seinem Inneren sitzt. So ganz allmählich kommt er dabei aber wieder zur Besinnung.
Noch völlig verwirrt, ringt er schwer nach Worten: „Wo..., wo wo bin ich eigentlich“,
„ Keine Sorge, Sie haben das rettende Ufer erreicht, versucht Elke mit ihrer einfühlsamen hellen Stimme beruhigend auf Ronny einzuwirken.
„Guten Tag, mein Name ist Petra“, reicht die opulente Frau, mit den hellblonden gekräuselten Haaren und den meerblauen großen Augen, Ronny freundlich die Hand.
„Und ich bin Elke“, stellt sich die schlanke grazile Frau vor und reicht auch ihm taktvoll ihre kleine sensible Hand, die sehr geschmeidig ist und sich sich daher besonders zart anfühlt. „Ich heiße Ronny“, platzt es plötzlich aus ihm heraus. Jetzt ist er wieder voll da. Ronny sieht, wie die in der Luft schwebenden Kristalle, im gelben Licht der Sonne, majestätisch glitzern und er sieht auch wie eine steife kalte Brise ihr wunderbar glänzendes kastanienbraunes Haar umspielt und es flugs über ihre schmalen Schultern wirft. Lachpünktchen glimmen in ihren goldbraunen grün gesprenkelten Mandelaugen auf, während es ihr gleichzeitig gelingt, ein vorsichtiges Grübchenlächeln auf ihre Wangen zu zaubern, die sofort anfangen zu glühen.
Elke versucht Ronny's Gedanken zu lesen und er erwidert ihre galante Geste mit einem verlegenen Lächeln. Ronny, Elke und Petra schauen sich gegenseitig verdutzt in die Augen und schweigen eine ganze Weile bedächtig. Zuerst bricht Ronny die Stille und er beginnt – wenn auch noch etwas beklommen - aus dem Nähkästchen zu plaudern. Die beiden folgen rührend seinen Worten, die er in heller Aufregung über seine breiten Lippen bringt. Elkes Augenlider werden schwerer und auch tiefe Denkfalten legen sich auf ihre Stirn. Ronny versteht es nahezu perfekt, die pure Dramatik in passende Worte zu kleiden. Elke spart nicht mit tröstenden Worten.
„ Ich nehme dich mit meinem Wagen morgen mit in die Diakonie. Ich kenne eine nette Sozialpädagogin, die kann zwar auch nicht immer sofort Lösungen aus dem Hut zaubern, hat aber mit ihrer Beharrlichkeit schon so manchen Berg versetzt.
„Ich nehme dich beim Wort“, antwortet Ronny, der tief durchatmet und dabei ist, sich zu beruhigen.
Jetzt beginnt Elke ihre Leidensgeschichte zu erzählen. Entsetzt stellt Ronny fest, dass Elke ein ähnlich hartes Schicksal zu ertragen hatte. Ein Betrunkener war auf der Autobahn – mangels ausreichenden Sicherheitsabstandes – in das Auto ihres Mannes gerast. Sowohl der Unfallverursacher, als auch ihr Mann, waren noch am selben Tag im Krankenhaus verstorben. Seit Oktober kämpfte sie fast täglich gegen die Tränen und wäre da nicht ihre beste Freundin Petra gewesen, die immer ein offenes Ohr für sie hatte, wäre auch sie garantiert in ein tiefes schwarzes Loch gesackt. Gemeinsam ging es raus - in die Frische der Natur - um wenigstens ein bisschen Abstand von dieser Tragödie zu nehmen, wie an diesem Adventssonntag auch. „Gott hab' Dank - Elke und Petra waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, denkt Ronny in aller Ruhe nach.
Jetzt hat er auch tröstende Worte für Elke parat. „ Du schaffst das schon.“
Elke zögert einige Sekunden und antwortet mit einem verschmitzten Lächeln: „Wir beide gemeinsam, wir, wir schaffen das schon!“
Elke und Ronny ahnen noch nicht, dass sie im Rettungsboot glückseliger Zweisamkeit schippernd - schon vor Ende des darauf folgenden Jahres, im sicheren Hafen der Ehe landen werden. Die seelischen Narben werden zwar nie ganz heilen, doch kann das Glück einer harmonischen Zweisamkeit, so manche dunkle Erinnerung aus dem Gedächtnis verbannen.

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Kommentare

BlueSteel schrieb am 2009-03-02 20:27:37:
sehr nette Geschichte, doch, hat mich wirklich berührt. Du hast auch viele Sätze schön ausgeschmückt und alles gut beschrieben, Meist passende Wörter verwendet, an manchen Stellen hättest du den Satz nochmal lesen sollen und prüfen, ob eins der Wörter nicht doch zu ersetzen ist. Bis auf ein paar Rechtschreibfehler oder verwirrend konstruierte Sätze lässt es sich recht flüssig lesen, ich persönlich finde das Ende zu kitschig, aber das ist Geschmackssache :).

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