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Kategorien > Alltag > Nachdenkliches

Stadtgeliebt statt geliebt

von Kevin Scharr

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„Dankeschön! Entschuldigung! Darf ich mal? Verzeihn Sie bitte! Hey, wo lernt man denn so zu fahren? Pass doch auf! Nichts zu danken!“
Hier, im morgendlichen Gedränge von New York ist man auf diese Satzfetzen angewiesen.
Kurz und prägnant.
Denn Zeit hat man nicht.
Zwischen Kaffe, Bagel, Ankleiden und Bahnfahrt nur ein Gedanke:
Rechtzeitig auf Arbeit. Nur nicht zu spät!
Manch einer müsste wahrscheinlich noch ein -Nicht schon wieder!- anfügen.
Ob weiß, gelb, rot, schwarz, käsig, verbrannt, groß, normal, klein, magersüchtig, fettleibig oder einfach nur Georg Bush.
Jeder muss zur Arbeit.
Arbeit gibt es überall (Außer in weiten Teilen Deutschlands).
Nur in New York fängt die Arbeit eben schon damit an, zu eben jener zu gelangen. Gedrängel, Geschubse,Gerenne,Gefluche,Gesichter,Gerüche...
Abseits von all dem Trubel steht die weißhaarige Etna. Kaum einer bemerkt Sie. Nur selten fängt jemand auf was Sie spricht, noch weniger werden diese nichtigen Informationen einer Bettlerin verarbeitet. Eine Außnahme gibt es an diesem Tag. Der 28-jährige Geschäftsmann Finn Mayers bleibt vor ihr stehn und gibt ihr eine Fünf-Dollar-Note. Gewissensbalsam.
Die Dame mit ihrem mobilen Hausstand schaut ihn dankend an.
„Ich liebe dich! Liebst du mich auch?“
„Ja sicher, ist schon gut.“ Er geht weiter, schüttelt den Kopf und schmunzelt.“Leute gibt’s, die gibt’s gar nicht.“
Auf einmal ein Aufschrei hinter ihm. Die Alte ist zusammengeklappt. Tot. Er nimmt sein Geld und geht weiter. Die Menschentraube löst sich langsam. Is eh zu spät. Apropo. Wie spät, oh. in 2 Minuten die Chellester runter. Rennen. Nein dann schwitz ich. Jetzt Glück haben. „Taxi“! Das gibt’s nich. „Zu Meyers&Co bitte.“ 5. Ja,ja, stimmt so.
„Guten Morgen Mister Mayer!“
„Morgen Marta. Danke. Ist das alles an Post? Danke für die Zeitung.“
-Vergewaltigung im Central-, -Schiesserei an der Burdon-High-, -Allan Troyler....Troyler, Troyler
mein Mantel ist von Troyler. Er liest laut vor:
„Allan Troyler, der bekannte Designer, der wegen diverser Drogendelikte aber vor allem wegen seinen ausgefallenen Partys die Presse imme wieder beschäftigte, ist am frühen Morgen tot in seinem Appartment aufgefunden worden. Der 28-jährige hatte gestern noch geäußert das er demnächst seine neuste Kollektion präsentieren würde.
Die Stadt trauert um einen geliebten Mitbürger.“
„Oh Gott, wie furchtbar. Marta seien sie doch so gut und schicken der Familie ein paar Blumen und drücken mein Beileid aus.“
„Ja. Welch Tragödie. Statt geliebt zu werden werden alle Stadtgeliebten ermordet. Welch Unrecht!“
„Nana, jetzt gehen sie erstmal zu Recht wieder an ihre Aufgaben. Und alle sind ja gar nicht tot. Ich bin ja schließlich noch da“. Ein Schmunzeln. Die Arbeit geht los. Und danach?
„Könnt ich mal? Ist da noch frei?
Verzeihung!“

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Kommentare

angelika schrieb am 2006-05-20 13:27:51:
Wie wahr, wie wahr. du hast sehr gut beschrieben was du aussgen wolltest!
sehr gut°!!!!
lg
sternenkind
Leanyka schrieb am 2006-03-31 13:51:24:
Toll geschrieben und auch schön in kurzen Sätzen gefasst, sodass die Hektik, die in der Geschichte herrscht auch
auf den Leser übertragen wird. (Fiel mir so beim lesen auf)
Und sie erzählt auch die nackte Wahrheit, wobei ich gelungen fand, dass die Ignoranz über ,,das alltägliche
Elend" die Menschen in deiner Geschichte begleitet, was in der heutigen Gesellschafft schon leider überhand nimmt.
Freu mich schon auf deine nächste Geschichte.
Gruß Leanyka
LynxX schrieb am 2006-03-29 18:56:31:
Heftig! Und doch so wahr.

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