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Kategorien > Aus dem Leben > Gefühle

Steffen, Ben und ich

von Ane Rev

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Es wird wieder wärmer. Ich habe es heute bei meinem Abendspaziergang gemerkt. Sie haben es ja auch im Radio gebracht. Es ist feucht, trüb und ungemütlich – aber es wird wieder wärmer.
Ich habe nicht an Ihn gedacht, als ich durch die hereinbrechende Nacht , die die Baumwipfel schon gefangen genommen und in ein klares schwarz gehüllt hatte, ging. Auch nicht, als ich in den Himmel schaute und bemerkte, dass dieser noch ganz grau war. Aber als ich um die Ecke bog, stand er da. Einfach so, wie aus dem nichts. Er stand da und sag mich an und wartete bis ich vor ihm stand.
„Ich liebe Dich.“
Ich wusste, was er fühlte und nahm ihn in den Arm. Aber gespürt habe ich ihn nicht.

Ich weiß, er kommt nicht zurück. Aber es hilft mir nicht. Dieses Wissen beseitigt nicht meine Hoffnung, kann nichts dagegen tun, dass er mich anruft „Du fehlst mir.“, kann nicht verhindern, dass er, wenn ich gerade abspüle hinter mich tritt und mir ins Ohr flüstert „Schnecke.“, es ändert nichts daran, dass er sich Abends vor dem Einschlafen an mich kuschelt „Schlaf gut.“.
Wird es aufhören? Sicher. Nur wann?

Steffen hatte bereits nach 7 Wochen eine neue Liebe. Es ist Sonntag Abend und die beiden sind jetzt sicher zusammen. Ich weiß nicht, was sie gerade tun. Ich habe bereits aufgehört, es mir vorzustellen. Ich habe auch schon begriffen, das man Menschen nicht miteinander vergleichen kann. Unsere gemeinsame Zeit wird für immer einzigartig bleiben. Einzigartig schön mit einem traurigen Ende.

Liebe ist seltsam. Wie kann es sein, dass wir für einige Zeit unseren Verstand einfach abschalten und nur noch für den nächsten, gemeinsamen Moment leben?

Ben 18:34
Na Du? Alles klar bei Dir? Was hast schönes gemacht? Lässt Du Deinen Sonntag Abend gemütlich ausklingen?*knuddel* Ben

Inzwischen freue ich mich über seine Nachrichten, anstatt traurig darüber zu sein, dass sie nicht von Steffen sind und daran zu verzweifeln, dass sie auch nie wieder von Steffen sein werden. Ich habe es mir abgewöhnt, weil mich die Zeit eines Besseren belehrt hat.

Die Wunden sind tief. Werden sie schneller heilen, wenn ich einen anderen küsse?

Ich weiß jetzt, ich war Steffens Funken einer zum letzten Mal auflebender Jugend. Noch ein letztes Mal jung, frei, unbeschwert sein, bevor der Rest des Lebens beginnt. Ein letztes Mal Schlitten fahren, zelten, ins Freibad einsteigen und nackt baden gehen und bis drei Uhr Morgens im Auto knutschen. Jetzt ist er für immer ernst geworden, hat sich eine richtige Frau gesucht. Eine zum Heiraten und Kinder kriegen, statt einer die selbst noch halb Kind ist.
War es immer schon klar, dass ich nicht die Eine bin oder hat er es erst herausgefunden als die Zeit verging?
Konnte er so schnell mit mir abschließen, weil ich nie wichtiger war als die Zukunft?

Ich drehe den Radio an. James Morrison.

„You give me something…“

Ben 18:54
Schön, da hattest Du ja einen gemütlichen Tag, bei uns ist das Wetter ewig schlecht, nehm jetzt ein Bad – schade dass Du nicht dabei bis…

„…that makes me scared – alright…“

Morgen hab ich wieder ein Bewerbungsgespräch- drück mir die Daumen!

„…it could be nothing…“

Es muss einfach klappen. Was steht bei Dir nächste Woche so an? *k* Ben

…but I’m willing to give it a try.

Ist wahre, wirkliche Liebe, wenn der andere Dir wichtiger wird, als Du selbst es Dir bist oder kann Liebe nur dann bestehen, wenn man sich immer selbst treu bleibt? Wo liegt der Mittelweg?
Anfangs dachte ich auch, es wäre nichts für immer – doch dann habe ich es vergessen. Wann weiß ich nicht mehr.

Ob Steffen wohl manchmal auch an mich denkt? Vermisst er mich? Denkt er im Schlechten an mich zurück?
Ich würde sofort zu Ihm zurückkommen, wenn er mich darum bitten würde. Er wird es nicht.

Plötzlich liegt er wieder in meinem Bett. Er lächelt mich an und streckt seine Arme aus. „Komm her!“
Er sieht niedlich aus mit seinen müden Augen und den wuscheligen Haaren, die ich nie noch mehr zerwuscheln durfte „Nicht, dass sie dann ausfallen!“ Und einem seiner schwarzen T-Shirts, die er immer trägt, von denen er so viele hat und von denen auch ich immer noch eines hab, dass aber nicht mehr nach Ihm riecht. Seine starken Arme stechen unter dem T-Shirt hervor und sein blasser Teint.

Ich werde mich jetzt zu Ihm legen. Ein letztes Mal. Vielleicht.

Ich drücke mich an Dich, meine Nase an Deiner Wange, meine Schulter an Deiner. Ich nehme Dich in meine Arme, Du bist ein wenig kalt und ich halte Dich ganz fest. Du sagst natürlich nichts, weil Du schon fast eingeschlafen bist. Ich sehe Dich an und bin glücklich und traurig zugleich. Glücklich, weil ich Dich anschaue. Traurig, weil ich weiß, dass Du Morgen schon nicht mehr hier sein wirst.

Ben 19:24
Danke- wenn Du mir die Daumen drückst, wird’s schon klappen. Schlaf gut und träum was schönes! Hug


…But someday I might know my own…

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