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Kategorien > Psycho > Thriller

Stein um Stein

von Bluff of God

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Stein um Stein

Das war, was ich Ferien nannte! Meer, Sommer, Sonne, Strand und ringsherum nur gut aufgelegte Leute die sich entweder den ganzen Tag in der Sonne braten ließen oder mit viel Anlauf in die Fluten sprangen.
Fehlte noch etwas? Ja, natürlich. Ich sah neben mich auf die Stranddecke und wunderte mich, dass ich sie nicht als erstes aufgezählt hatte. Maria Belgotti. Vor mehreren Tagen hatte ich sie im Dorf kennen gelernt, als sie mir aus einer interkulturellen Differenz geholfen hatte: Ein langhaariger Einheimischer hatte sich mit einem großem Radio an der Strasse platziert und wippte mit dem Kopf zum Takt der brachialen Musik, die aus dem Radio kam. Ich zeigte ihm mit der rechten Hand die in der Szene geläufige Geste, die meine Zugehörigkeit dazu bezeugte, die „Teufelshörner“, oder auch „Mano Cornuto“. Leider war mir die italienische Bedeutung „Ich hab´ deine Frau ge…“ nicht ganz geläufig und der Einheimische reagierte dementsprechend wütend und wollte sogar schon auf mich losgehen, als zu meinem Glück dieses wunderhübsche Mädchen auftauchte und mich rettete, indem sie den Einheimischen über die Bedeutung der „Pommesgabel“ in Deutschland aufklärte. Sie hatte, wie sie mir später erzählte, bei einem Deutschlandaufenthalt ein Konzert besucht und war dort diesem Zeichen oft begegnet, sodass sie seine dortige Bedeutung bald herausgefunden hatte. Als der Einheimische davon erfuhr, zeigte er mir lachend dieselbe Geste und ging davon.
Seitdem hatte ich mich oft mit Maria getroffen und wir hatten Gemeinsamkeiten entdeckt, die ich niemals bei einer so zierlichen und schönen Frau erwartet hätte. So die Vorliebe für laute Musik, viel Alkohol und vor allem für ausgefallene Sexpraktiken, die wohl niemals Einzug in ein herkömmliches Kamasutra-Buch gefunden hätten.
Ich wusste nun, was es hieß, einen Menschen aufrichtig zu lieben.
„Wollen wir schwimmen gehen?“, fragte ich Maria und sah zu ihr herüber. Da fing ich ihren Blick auf, der gehetzt und aufs Äußerste angespannt umherirrte. „Was ist los?“, fragte ich, doch sie hatte sich schnell wieder unter Kontrolle und setzte ihr wunderhübsches Lächeln auf.
„Nichts“, antwortete sie in ihrem fast perfekten Deutsch, das durch seinen leichten Akzent eine durchaus erotische Note bekam, „mir ist nur gerade eingefallen, dass ich eigentlich schon in der Stadt sein müsste und einkaufen, die Läden schließen heute früh!“
Sie war eine verdammt schlechte Lügnerin.
„Bist du noch den ganzen Tag hier?“, fragte sie mich anschließend. Ich hatte kaum bejaht, da drückte sie mir schon einen Kuss auf die Wange, spurtete ohne ein weiteres Wort zu ihrem Auto und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
Ich schüttelte den Kopf über ihre typisch italienische Mentalität und legte mich mit leichtem Stirnrunzeln wieder auf die Decke.

Ich musste wohl eingeschlafen sein, denn als ich mich wieder von der Decke erhob, war es anscheinend schon Abend und der Strand wurde von der untergehenden Sonne in ein blutrotes Licht getränkt. Ich sah mich um, doch Maria war nirgends zu entdecken. Mein nächster Blick fiel auf mein Handy, und tatsächlich fand ich dort eine Nachricht von Maria:
„Wir müssen reden! Ich bin am Rand des Waldes, oben bei den Klippen. Ich habe etwas sehr Dummes getan… Pass auf, der Weg ist steinig.“
Was sollte das denn heißen? Beunruhigt schrieb ich eine kurze Antwort: „Ich komme“, packte meine Sachen zusammen und fuhr, ganz entgegen meiner eigentlichen Überzeugung, dass Eile ein Synonym für einen schnellen Tod war, so schnell ich konnte die Strasse zu den Klippen hinauf.
Der Weg dauerte in Wirklichkeit vielleicht nur 5 Minuten, mir kam er jedoch wie eine halbe Ewigkeit vor. Jetzt begann ich auch ernsthaft darüber nachzudenken, warum Maria heute so gehetzt ausgesehen hatte, was eigentlich gar nicht ihrer Art entsprach. Nervös schaltete ich den Radio an und eine massive Gitarrenwand drang auf mich ein, während der Sänger mir „There is a stone in your chest, instead of a heart!“ entgegenbrüllte. Genervt schaltete ich den Radio wieder aus.
Endlich kam der Wald in Sicht. Mittlerweile war die Sonne komplett hinterm Meer versunken und nur der Mond beleuchtete den Wald. Ich stieg aus dem Auto und begann ihn in Richtung der Klippen zu durchqueren. Auf halbem Weg fiel mir etwas ein: Maria hatte nicht geschrieben, wo genau am Rand des Waldes sie sein werde; allzu klein war er ja nicht. Kaum hatte ich das gedacht, ließ mich der Vibrationsalarm meines Handys zusammenfahren. Eine weitere Sms von Maria.
„Ich bin bei dem großen Baum, bei dem wir vorgestern Abend waren!“
Ich stutzte. Das seltsame war diesmal nicht der Inhalt der Sms, sondert die Sprache, auf der sie verfasst war. Italienisch. Maria redete grundsätzlich nur Deutsch mit mir…
Plötzlich wurde mir mulmig zumute und die Bäume um mich herum erschienen kalt und grau zu werden, als wären sie steinerne Titanen, die mit ihren langen Ästen, wie mit Armen nach mir griffen. So schnell ich konnte, rannte ich zu dem Baum, der nicht weit von meinem jetzigen Standpunkt entfernt war. Es war eine große Eiche, sehr untypisch für den mediterranen Raum ragte sie unglaublich hoch nach oben und stand dort so gerade und unbewegt, als würde kein Wetter sie je berühren können.
Keuchend blieb ich vor dem Baum stehen und hielt mir die stechenden Seiten. Es dauerte ein wenig, bis ich wieder zu Atem kam, dann sah ich mich um. Ich hätte es besser nicht getan.
Vor mir hing, trotz dem fahlen Mondlicht genau zu erkennen, ein nackter, lebloser Frauenkörper an einem dicken Seil kopfüber von einem der Äste herab. Ihr ehemals makelloser Körper war mit Blessuren übersäht und als ein Mondstrahl auf ihr Gesicht fiel, erkannte ich den Ausdruck von unsagbaren Schmerzen und Leid in ihren Zügen.
Das schlimmste war jedoch war der große schwarze Stein in ihrem Mund, der ihre Züge noch mehr verzerrte und das ganze Bild endgültig in ein Horrorszenario verwandelte.
Ich fiel ohne einen Laut von mir zu geben, vor dem baumelnden Leichnam auf die Knie. Ein riesiger Kloß setzte sich in meiner Kehle fest. Als ich schluckte um ihn loszuwerden, war das anscheinend zu viel für meinen Magen und ich musste mich heftig übergeben. Ich schämte mich, mich vor der Toten übergeben zu müssen, doch ich konnte nicht damit aufhören, bis mein gesamter Mageninhalt auf dem Waldboden verteilt war.
Mit allem Mut sah ich zu der Toten auf. Ihr kalter Blick aus eisblauen Augen traf mich wie eine Ohrfeige. Vor mir verschwamm der Waldboden zu einem matschigen Braun und in meinen Ohren ertönte ein leises Pfeifen, bevor ich endgültig das Bewusstsein verlor.
Als ich wieder zu mir kam, stand ich am Rand der Klippe und sah dem fallenden Körper Marias nach, der nach einem kurzen Flug mit einem lauten Krachen, das übermäßig von den Klippen widerhallte, auf dem Meer auftraf. Ich spürte etwas Kaltes in meiner Hand. Es war der schwarze Stein. Wie ein Eisbrocken fing er an, mir meine Wärme zu entziehen. Schnell steckte ich ihn in meine Hosentasche und machte mich

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