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Kategorien > Drama > tod

Stimmen

von Dr.Soltberg

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Stimmen. Unzählbare Stimmen. Stimmen flüsterten in ihrem Kopf und die Zeit war reif für Endscheidungen.
Er verließ sie, aber auf eine schreckliche Art. Er hasste es sie weinen zu sehen, doch sie tat es trotz allem. Den nun konnte er sie nicht mehr fange, trösten, lieben.
Sie ließ eine schwere Rose auf das dunkle Holz fallen.
>>Ich sehe dich wieder.<<, flüsterte sie traurig.
Sie verließ den Raum. Sie hasste Abschiede, hatte sie schon immer gehasst. Im strahlenden Sonnenschein rauschten niemals endende Menschenströme an ihr vorbei. Sie ließ sich neben das Gebäude sinken, aus dem sie gekommen war und vergrub das Gesicht in den Händen.
Ihr schöner Körper formte sich zu einer Geste der Verzweifelung.
Niemals hatte sie sich so gefühlt. Allein, hoffnungslos.
Vor ihrem geistigen Bild hielt er ihre Hand. Küsste zärtlich ihre roten Lippen.
Wenn er sie nur halten könnte. Doch sie fiel, während die Stimmen riefen. Sie hatte gezweifelt aber nun weinte sie wieder und sie wusste, dass er es ihr gleich tat. Wo immer er war.
>>Ich sehe dich wieder.<<, murmelte sie. Das Gesicht in den Händen vergraben und in undurchdringliche Dunkelheit gehüllt. Alles an das sie sich klammerte waren Erinnerungen. Sie erinnerte sich an ihn, an sich selber, an die Veränderung, die sie durchgemacht hatte. Und wieder fiel sie zurück in das Stadium aus dem er sie gerettet hatte.
Oh, wie sie Abschiede hasste.
Das Feuer in seinen Augen hatte sich unauslöschlich in ihre Existenz gebrannt. Die Stimmen flüsterten weiter ihre unverständlichen Dialoge. Würde sie wahnsinnig werden? Sie wusste es nicht, es war ihr gleich. Sie hatte sich an der Rose geschnitten, wie es immer geschah. Oder tat es das nicht? Das Blut tropfte auf die heiße Steinpflasterung unter ihr. Die Menschenmassen zogen teilnahmslos weiter. Sie waren in ihrem unerschütterlichen Zyklus gefangen und wagten es nicht ihn zu durchbrechen. Ihr Zyklus war durchbrochen. Hätten sie nicht einfach Einigkeit finden können? Natürlich nicht.
Sie erhob sich. Eine emotionsgeladene Gestalt unter den vielen seelenlosen Hüllen, welche sie umschwärmten. Wie ein riesiger Organismus umschlangen die Massen sie, trugen sie fort. Doch niemals zeigten sie Anteilnahme. Niemals.
Die Stimmen waren noch immer da. Eine kleine Galaxie in ihrem Kopf. Sie verstand sie nicht. Sie verließ ihn, wie er sie verlassen hatte. Sie atmete, lebte. Alle Intensivität war der Welt gewichen. Sie bewegte sich nur auf ihrem einsamen Pfad, begleitet von den Stimmen. Den kalten, namenlosen Wegbegleitern der Leidenden. Langsam verschwand auch ihre Silhouette unter denen der Großstadt. Sie verschwand mit einem letzten Satz auf den sterbenden Lippen.
>>Ich sehe dich auf der anderen Seite.<<
Auf der anderen Seite…

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Kommentare

franke, sina schrieb am 2008-01-14 20:40:50:
Wundervoll. Kalt und doch so nah. Undurchsichtig und doch kann man es nachvollziehen. Mitfuehlen aber doch
nicht wirklich verstehen. Bohrender Schmerz der keine Gefuehle mehr zeigen kann. Ist es das was du sagen
willst? was du mir in so vielen Geschichten von mir sagen willst? Das Liebe nicht wirklich exestiert, dass man
darueber hinweg sehen kann, dass es Gefuele gibt die stearker sind zum Beisoiel Hass und Trauer?
Einfach eine geniale Geschichte und doch macht sie ein bisschen Angst- vor der bedeutung der Liebe.
Herzlichst
Sina
Ps. Danke fuer all die lieben Kommentare, sie sind wirklich etwas besonderes.
Bina schrieb am 2007-10-15 10:06:48:
Wieder ein Meisterwerk des großen Dr. Soltberg!!
Wieder einmal berührt eines deiner Werke so sehr mein Herz das es mir unmöglich ist die passenden Worte zu finden um zu beschreiben wie sehr mir diese Geschichte gefällt.
Ich wage es in keinster Weise diese Geschichte auch nur annähernd zu kritisieren.
Alles Liebe, Bina

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