Stimmen in der Stille-1
von
blacknight99
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Stimmen in der Stille
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Die Neptuna schnitt wie ein Pfeil durch die azurblauen Fluten des Ozeans. Gicht tummelte sich um ihren Bug und der Wind blähte die weißen Segel auf, sodass der Mast unter seiner Last ächzend knarzte.
Eine frische Brise wehte über den endlos wirkenden Ozean und trug den Geruch von Salz und dem Schweiß der Matrosen mit sich, doch zwischen diesen Gerüchen war noch ein anderer Duft:
Der Duft von fernen, schwehlenden Feuern, von blanken Klingen, von Angst und von Mut.
Dies war der Geruch des Abenteuers.
Er umspielte die Neptuna und sauste kurz durch die Masttakelagen, doch schon bald verflüchtigte er sich wieder so schnell, wie er gekommen war.
Ich will erzählen, wohin uns dieser Duft führte. Ich will erzählen, wie er uns auf die Insel führte, auf der sich unser aller Schiksal entscheiden sollte.
Ich, ich bin Nicholas James Ryan, aus Irland stammender Zeichner und Illustrator.
Sieben Monate vor diesen tragischen und unerklärlichen Geschehnissen, war ich in Dublin auf die Neptuna, ein britisches Postschiff zugestiegen, das mich in den Westen, in die neue Welt bringen sollte.
Zurückgelassen hatte ich meine Geliebte und unser Kind ,das sie mir erst in einem Brief gestand, als wir bereits Spanien hinter uns hatten und damit alle Hoffnung auf baldige Wiederkehr gestorben war.
Trotz der Wehmut darüber, dass ich meinen Sohn nie aufwachsen sehen würde und ihn in seinen jungen Jahren zeichen können würde, war mein Herz voller Hoffnung und Frohmut.
In der Neuen Welt brauchte man immer Künstler wie mich, wie gerne ließen sich doch die hohen Kolonialherren porträtieren.
Ich würde Geld verdienen und mit schönen Kleidern für meine Frau, Spielsachen für meinen Sohn und einer Menge Geld im Gepäck wiederkehren.
Also übte ich jeden Tag einige Stunden auf dem Schiff, was hätte ich auch anderes tun sollen, und zeichnete Möwen, Wellenberge, die Crew des Schiffes und karibische Inseln, auf die ich nur einen Blick aus der Ferne erhaschen konnte.
Durch die langen Stunden auf Deck war meine ansonsten blasse Haut braungebrannt, meine braunen Haare verfärbten sich immer mehr ins Blonde und durch mangelnde Hygiene fielen mir drei Zähne aus.
Nichtsdesto trotz schien alles so gut zu werden, so schön. Die Welt war voller Hoffnung für mich.
Doch all dies endete an einem Tag. Es war der 17. Juli. 1749.
Lasst mich berichten, von den unheimlichen Ereignissen dieses Tages...spürt die Brise, die Angst und die Dunkelheit, hört die Rufe, hört die Schreie...riecht den Duft des Abenteuers!
*
Der Kohlenstift in meiner Hand fuhr über das Bild. Schraffierte, schattierte und zeichnete Linien und Flächen.
Kritisch begutachtete ich die Zeichnung der Neptuna, die ich gerade aufs Papier meines Zeichenblockes gebracht hatte.
Ein plötzliches Kreischen und Miauen riss mich aus der Zeichenwut.
Verwirrt hob ich meinen nackten Oberkörper an und blickte aus meiner Hängematte, die im dunklen, feuchten Rumpf des Schiffes aufgehängt war.
"Ginger!"rief ich vergnügt, als ich die rote Katze des Kapitäns erblickte, die mit einer Ratte, die sie gerade erledigt hatte, vorbeistolzierte.
Ich wollte mich schon wieder in meine Hängematte legen und mich meiner Zeichnung zuwenden, da öffnete sich plötzlich die Luke zum Rumpf und helles Sonnenlicht fiel in die düsteren Katakomben des Schiffes.
Verärgert über die weitere Ruhestörung legte ich meine Zeichnung beiseite und blinzelte gegen die Sonnenstrahlen an.
Ein massiger Hüne stieg die knarzende Treppe in den Rumpf hinab und schloss die Luke hinter sich.
"Little Jim!"begrüßte ich den Hünen. "Was gibt's?"
Der Riese, der auf den ironischen Namen "Little Jim" hörte, trat in den Schein der flackernden Öllampe, die ich neben meiner Hängematte entzündet hatte.
Er war ein Schwarzer mit freundlichen, von langer Arbeit in der Sonne verzerrten Zügen und tiefliegenden, berechnenden Augen.
Er war einst ein Sklave auf den amerikanischen Kaffeeplantagen gewesen. Ich wusste nur, dass er dem Captain einst das Leben gerettet haben musste, worauf dieser ihn freigekauft hatte.
Doch Little Jim war schweigsam und allen Weißen gegenüber feindselig und so berichtete er mir nie von den wahren Umständen seiner Befreiung.
"Der Captain will dich sprechen!"forderte mich Little Jim auf.
Ich sah ihn kurz verwirrt an, da ich mir nicht vorstellen konnte, was Captain Callahan von mir wollte, folgte dem Hünen dann aber in Richtung Luke.
*
Als ich, Little Jim folgend, aus dem Zwielicht des Schiffsrumpfes emporstieg, umfing mich das Rauschen des Wassers, der Geruch nach Salz und das knarzende Schwanken des Schiffes.
Der Himmel war so azuritblau, wie das Wasser, sodass es schwer war, den Horizont wahrzunehmen. Alles schien ein einziger, blauer Kosmos zu sein.
Matrosen liefen geschäftig über das Deck, Befehle wurden gebrüllt, es roch nach Schweß.
Ron Swain, der Schiffsjunge und mit 15 Jahren jüngster Mann an Bord, hangelte sich an einem dicken Hanfseil vom größten der fünf Masten.
"Hey, Mister Ryan!"grüßte er mich lächelnd und winkte mir zu.
Ich erwiderte seinen Gruß und bemerkte, wie ihm Little Jim einen strafenden Blick zuwarf.
Ron senkte den Kopf und machte sich daran, Seile zu ordnen und über einen Haken am Mast zu hängen.
Little Jim lief weiter über das Deck in Richtung eines Aufbaus, der sich am Bug des Schiffes befand und in dem die Kajüte des Kapitäns war.
Immer wieder blickte er hinauf aufs Meer, mit Augen voller Beunruhigung und Anspannung.
Ich ließ kurz meine Augen über das Deck schweifen.
Die Seeleute waren merkwürdig schweigsam und nervös. Bedrückende Stille lag über dem Schiff, wo ansonsten anzügliche Scherze gemacht wurden und oft lautes Lachen schallte.
Doch als Little Jim und ich uns der Kajüte des Kapitäns näherten, hörte ich plötzlich aufgebrachtes Stimmengewirr und wütende Rufe, die aus der Kajüte drangen.
Little Jim klopfte gegen die Tür zur Kajüte-die Stimmen verstummten.
Die Schritte von stiefelbewehrten Füßen ertönten, dann schwang die Tür knarzend auf und entblößte eine gedrungene Gestalt mit großem, schwarzen Hut, die uns nervös anblickte.
"Reinkommen! Schnell! Beide!"forderte uns Captain Callahan mit seiner flüsternden, rauschigen Stimme auf. Er hatte die Angewohnheit, immer so leise zu sprechen. Meistens musste man seine Ohren spitzen und ganz nah an seinen Mund kommen, um seine Worte zu verstehen.
Little Jim und ich betraten den Raum und der Captain schloss die Tür hinter uns, wobei mich sein Blick kurz streifte.
Besorgte, dunkle Augen blickten mich aus dem wettergegerbten, von einem roten Bart umgebenen Gesicht an, dem etwas archaisches zugrunde
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Kommentare
eusebio@gmx.de schrieb am 2008-02-21 19:39:13:
wie bitte, die Kapitänskajüte im Vorschiff, das bei stürmischer See ständig Wasser übernimmt ???
die käpt´nskajüte u.dieQuartiere der Offiziere(Steuerleute) befinden sich bei jedem segler im achterdeck - schließlich ist dort ja auch das ruder
LANDRATTE!!!
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