Suche nach oXo
von
Viridiana
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>Suche nach oXo !
> Den ganzen Tag hatte Eva darüber nachgedacht, wie sie an seine Emailadresse kommen könnte. Als sie sich damals getrennt hatten, hatte sie alle Daten über und von ihm gelöscht. Ein klarer Schlussstrich, würde ihr am Besten helfen, ihn und die gemeinsam verbrachte Zeit zu vergessen. So hatte sie es sich jedenfalls gedacht. Doch jetzt, Jahre später, musste sie immer wieder an ihn denken. Dann vor ein paar Tagen, auf der Suche nach Zerstreuung, fand sie etwas, das sie stutzen ließ. Gerade besuchte sie im Internet eine Seite, auf der sie sich vor Jahren angemeldet hatte, da las sie einen älteren Beitrag im Forum, der ihr erst jetzt interessant vor kam. Eva hatte den Text schon früher gelesen, als belanglos abgetan und wieder vergessen. Doch nun, als sie alles noch einmal las und daran dachte, welche Informationen sie im Web über Lars gefunden hatte, wusste sie, der Text kam von ihm! Auch wenn der Eintrag anonym gehalten war, sie war sich sicher eine Nachricht von ihm gefunden zu haben. Schlagartig war es mit ihrer Ruhe vorbei. Wieso hatte sie es nicht damals schon erkannt, das er die Worte an sie getippt hatte? Laut Datum war der Eintrag fast zwei Jahre alt. Zu dem Zeitpunkt war sie mit anderen Dingen beschäftigt gewesen und hatte die Andeutungen im Text nicht wahrgenommen. Nun, als sie die Worte nochmals las, fiel es ihr sofort auf. Trotz Fragestellung ein Ausrufezeichen am Ende des Satzes, als wenn der Schreibende die Antwort auf seine Frage bereits kannte. Der Name vom Server und des Absenders waren Ortsnamen, die, mit ihren neuen Informationen über ihn, auf Lars zutreffen konnten. Oder bildete sie sich das alles ein? Nur Wunschdenken?
Lars! Eva dachte daran, wie sie ihn kennen gelernt hatte. Beide in einer festen Beziehung und auf der Suche nach einer unkomplizierten Abwechslung. Sie hatte eine Kontaktanzeigen für eine Mailfreundschaft aufgegeben. Er hatte sich darauf gemeldet. Einfach nur ein paar Mails austauschen. Eine locker Freundschaft oder ein Flirt vielleicht, aber nichts ernstes.
> Dann Fragen und Antworten, die immer direkter wurden. Mails die immer schneller beantwortet und mit Ungeduld erwartet wurden. Die Hemmschwelle sank wegen der Anonymität sehr schnell. Wünsche und Phantasien wurden ausgetauscht. Dann Panik und schiere Angst vor der Enttäuschung beim Austausch der eigenen Fotos. Unbegründet wie sich schnell herausstellte, denn sie fanden auch am Aussehen des anderen Gefallen. Der nächste Schritt, ein Telefonat. Plötzlich mit einem realen Menschen sprechen. Stück für Stück wurde aus den einzelnen Puzzleteilchen ein lebendiges Wesen. Bis ein Treffen zur Sprache kam. Der erste richtige Streit, weil sie Angst bekam. Angst davor nicht nur ihre damalige Beziehung zu gefährden, sondern den Freund und Liebhaber aus ihrer Phantasiewelt zu verlieren. Sie dachte nicht, das ein Bildnis der Realität standhalten könnte. Er gab auf. Wollte alles beenden. Sie musste sich entscheiden. Was stand zur Wahl? Eine sofortige Beendigung des Kontaktes oder ein Treffen mit dem Risiko auf Antipathie zu stossen. So oder so waren sie an einem Punkt angelangt, an dem die Mailfreundschaft nicht mehr weiter geführt werden konnte. Also willigte sie einer Begegnung mit dem vertrauten Fremden zu!
> Noch am selben Abend, nach dem Treffen mit Lars beendet sie ihr Beziehung zu ihrem Lebensgefährten und zog die Tage danach aus.
Lars und Eva versuchten es fast drei Jahre lang. Eine Fernbeziehung mit Misstrauen, Trennungen und Wiedervereinigungen. Es klappte nicht. Am Ende war klar, sie passten im realen Leben nicht zusammen. Da wo in Geschichten und Filmen ein "happy End" kam , hatte ihr "Happy" ein Ende.
> Das alles lag jetzt fünf Jahr zurück . Sie wusste, er war, wie sie, mittlerweile verheiratet und hatte Kinder. Eva wollte weder eine Ehe zerstören noch Kinder ins Unglück stürzen. Sie wollte keine erneuten Versuch einer Beziehung mit ihm. Auch keine Affäre. Aber was wollte sie? Wieder eine Mailfreundschaft? Könnten sie tatsächlich einfach nur Brieffreunde sein? Über welche Themen würden sie schreiben? Natürlich würden sie es verheimlichen müssen. Kein Partner würde so eine Freundschaft tolerieren. Wäre es also fremdgehen? Wie weit durften ihre Gedanken gesponnen werden? War der Austausch von Phantasien zu viel? Also würden sie den neuen Kontakt von Anfang an einschränken müssen. Wenn Lars darauf nicht eingehen würde, was dann?
> Doch hatte sie nun schon zu weit gedacht. Eva hatte schließlich noch immer keine Idee, wie sie ihn kontaktieren sollte. Eine Nachricht an die alte Mailadresse blieb unbeantwortet. Sicher konnte sie an seine Telefonnummer kommen, aber auch mit einem Anruf konnte sie seine Ehe gefährden. Mit einigen Lügengeschichten konnte sie bestimmt an sämtliche andere Daten kommen, aber sie war keine Stalkerin. Eva würde ihm die Wahl überlassen. Sie würde eine Geschichte schreiben. Eine Story über die Suche nach oXo in der Hoffnung, das er sie liest! Und sich vielleicht bei ihr meldet!
Und Eva würde warten müssen. Vielleicht musste sie auf die Antworten ihres Fragenkataloges ihr restliches Leben warten. Wird es überhaupt das Wunder geben, das er ihre Geschichte findet und liest? Wer weiß ....
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