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Kategorien > Fabeln & Märchen > Emotionen

Syrias Traum... Genesis 1

von Bruno Rosetti

In der frühen Zeit, als fantastische Träume die Welt beherrschten , sie in ein glitzerndes Paradies verwandelten und der Erdgeist freundlich über dies alles wachte, hielt es Syrja, des Erdgeists schöne Tochter, nicht mehr aus, verliess ihr langweiliges Himmelsheim und lustwandelte auf Erden.
Dort verliebte sie sich unsterblich in einen Traum, der sie im Innersten traf und ihr die geheimsten Wünsche erfüllte.
Als ihr Vater, der Erdgeist, dies bemerkte, forderte er Syrja zur sofortigen Rückkehr ins Himmelsheim auf.
Doch Syrja dachte nicht daran, sie hatte ihr Glück gefunden und war bereit, darum zu kämpfen.
So schickte der erboste Vater das Wasser, wahre Fluten ergossen sich über die Erde und viele Träume wandelten sich und wurden zu Fischen.
Doch Syrja rettete ihren Traum und blieb bei ihm.
Da sandte der erzürnte Erdgeist Beben, die Welt wandelte sich, gewaltige Erdmassen verschoben sich, es entstanden Berge und Täler, und eine grosse Zahl der Träume wurde zu Gräsern und Bäumen.
Die Liebe Syrjas rettete auch diesmal ihren Traum und das Glück erstrahlte über ihnen.
In wahnsinniger Wut schleuderte der Vater nun Feuer auf die Erde, die Welt ging in Flammen auf, glühende Lavaströme querten in alle Himmelsrichtungen und der übriggebliebene Rest der Träume stieg auf und wurde zu Vögeln.
Nur Syrja und ihrem Traum, dem nunmehr einzigen, übriggebliebenen Traum konnte dies nichts anhaben.
Ihre Liebe hielt stand.
Da verzweifelte der Erdgeist und glaubte seine Tochter für immer an diesen Traum verloren.
Als er so in düsteren Gedanken versunken grübelte, drang ein leises wiehern und Hufgescharre an seine Ohren , sein Schimmel, ein Rappschimmel und als der Erdgeist aufblickte, wusste er, was zu tun war, er tat das, was er eigentlich nie tun wollte, er band das herrliche Tier los und schickte es gen Erde...

..und als das Tier die Welt erreichte kam es zu seltsamen Veränderungen, die Bäume verloren ihr Laub und die Fische schwammen in Schwärmen von den Meeren zu den Flüssen, die Vögel sammelten sich und als Syrja den Schimmel sah, überkam sie eine nie gekannte Sehnsucht, sie wollte ihn besteigen, mit ihm galoppieren, immer weiter...und sie küsste ihren Traum zum Abschied und aus dem letzen Traum wurde der erste Mensch, Adam, der die Vergänglichkeit schon in sich trug, denn es war die Zeit, in Gestalt des Rappschimmels, welche die Welt heimsuchte und als sich Syrja auf den Rücken des Tieres schwang, hatte sie ihren Traum schon vergessen...denn zur Zeit gehört das Vergessen wie der Bruder zur Schwester...

Ja, so war es, so könnte es gewesen sein, damals, am Ende aller Träume, am Anfang des Seins.


Kommentare

noranight@hotmail.com schrieb am 2006-11-26 17:58:30:
Deine Geschichte gefällt mir, - darf ich Genesis 2 und 3 auch lesen?
Hab aber auch viele Fragen an dich: In welchen Traum verliebte sich Syria? Welche geheimsten Wünsche erfültte er ihr? ...
Nora
Judith Voce schrieb:
Hallo Bruno,

Deine Schöpfungsgeschichte gefällt mir, auch die poetischen Bilder, die Du auf sie verwandt hast. Auf dem Rücken der Zeit kehrte also Syria zum Erdgeist zurück und hinterließ ihen Traum: den ersten Menschen. Allerdings: Wo ist des Urmenschen Frau? (Sage jetzt bitte nicht, aus Adams Rippe geschnitten; diese Version finde ich blöd.)

Liebe Grüße, Judith
Rosettich@gmx.de schrieb:
Hi Judith,
mit dem Schimmel kam die Zeit und nur die Zeit konnte die beiden trennen, das ist die Botschaft. Ab dort ging es weiter wie in der biblischen Genesis, mit Adam etc.
Es gibt noch 2 andere Ansätze von mir, Genesis 2 und 3, ich stell sie noch rein, für dich.
Danke für dein Interesse, ich freue mich darüber.
Liebe Grüsse an dich
Bruno
daratheis@web.de schrieb:
Hi Bruno,
diese Mal gefällt mir deine Geschichte außerodentlich gut, die Verbindung zur Bibel stört nicht, weil es in dem Text nur darum geht, und ja so hätte die Schöpfungsgeschichte aussehen können.
Keine Punkte, die mich stören, denn da, wo du sie setzt, sind sie akzeptabel *g (Nur im letzten Abschnitt häufen sie sich wieder ein bisschen).
"verliess" -> verließ
"grosse" -> große
"drang ein leises wiehern " -> ein Wiehern
Ansonsten sehr schön, ohne Rechtschreibfehler, allerdings dürfte es, deinem Ende nach, keine Träume mehr geben und das finde ich ein wenig eigenartig, denn die Menschen träumen doch. Aber darüber lässt sich gewiss lange streiten, deine Geschichte gefällt mir, das ist das wichtigste *g
Ach ja, du schreibst "Syrja" in der Überschrift mit "i", ist das Absicht?

Liebe Grüße, Lanna
Rosettich@gmx.de schrieb:
Hi Lanna,

dir fällt auch alles auf, nein, es war keine Absicht sondern ein Schreibfehler, Syria, Syrja, dagegen schreibe ich nie -ß-, denn dieser Buchstabenkrüppel ist schon tot, er weiss es nur noch nicht.
wiehern, das Wiehern, da hast du wohl Recht, das schenke ich dir *lach
Damals war die ganze Welt voller Träume, dh die Träume hatten Gestalt, waren wirklich...und solche Träume gibt es heute nicht mehr, gell?
Lieb, dass du geschrieben hast, ich habe mich sehr gefreut.
Ich habe auch in eine Liebes-Suicidstory von dir eine Kritik reingeschrieben, habe mich schon gewundert über das dir fremde Genre und zum Schluss bemerkte ich die Namensverwechslung, die Autorin hiess "Janna", sorry.
Lieben Gruss an dich.
Bruno

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