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Kategorien > Gesellschaftskritik > Gesellschaftskritik

TRANS-FAIR

von Lex Divina

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T R A N S – F A I R
Und es duftet nach Sex. Und da, wo es duftet, da befindet sich das eigene Zuhause.

Er steht unten auf der Straße. Alleine. Es ist so unheimlich still, dass er sogar hört, wie seine warmen Atemzüge in die Dunkelheit entschwinden. Keine streuende Katze miaut, während sie bei der nächtlichen Futtersuche verzweifelt die Mülltonnendeckel umkippt. Kein Hund bellt und knurrt, weil er sich, an sein aus verschimmelten Holzplatten zusammengetrommeltes Häuschen angekettet, nicht den Weg in die Freiheit der schlafenden Nachbarschaft bannen kann. Kein leises Huschen des Windes ist wahrzunehmen, wie er sich an den Fenstern kratzt und an den Fassaden wie ein vom Skorbut befallenes Wild reibt, als er – links, rechts, links, rechts – um die Ecken biegt. Kein einziges Blatt an den Bäumen, die entlang des Straßenrandes wie im Spalier stehende Wachssoldaten den dunklen Wolken entgegenschießen, regt sich. Kein Auto fährt vorbei. Keine Autoreifen quietschen, um die unausweichliche Kollision anzudeuten. Und niemand kann verunglücken. Niemand verliert Blut. Keiner ist bewusstlos und ertrinkt in der eigenen Blutlake. Niemand braucht Hilfe. Keiner schreit nach Hilfe. Und alle Polizisten, die Nachtstreife fahren sollten, sitzen an ihren Schreibtischen auf den Polizeistationen. Und reiben ihre fetten Ärsche gegen die Stuhlsitze. Und trinken Kaffee, der einer Regenpfütze ähnelt. Sie rauchen Zigaretten, durchlöchern mit ihren alkoholdurchtränkten Blicken den Qualm, der sich um ihre aufgedunsenen Hälse wickelt, blinzeln mit ihren wässrigen Augensäcken wie schielende Fische, üben Oralbefriedigung an dicken Zigarren,...


... Heute müssen Schwule, die im naheliegenden Stadtpark ihre Schließmuskeln rund um die Uhr offen herhalten, nicht befürchten, eingesperrt, brutal zusammengeschlagen und einer Reihe von Verhören ausgesetzt zu werden, die mit Psychoficks vergleichbar sind, nach denen man sich auf einem Operationstisch wiederfindet, um einen Reisverschluss an den angerissenen Rektummuskel verpasst zu bekommen, um dann anschließend in horizontaler Lage an den eigenen Worten zu ersticken, die in Anwesenheit eines struwwelpetrigen Psychoheinis Schritt für Schritt den kanzerogenen Zerfall der eigenen Familie entlarven, weswegen sich der zuerst völlig normale Hetero mit hartem und in jedes x-beliebige Loch gleitendem und abspritzendem Schwanz angeblich symbolisch kastrieren und eine Muschi anstelle des Arschlochs wachsen ließ, um sich dadurch zu einem moralisch und ethisch fragwürdigen und äußerst suspekten Homo zurückzuentwickeln, denn heute werden Polizistenärsche an scharfen Sitzkanten wund gerieben, jetzt verschwindet hie und da eine angepisste Polizistenhand zwischen die gespreizten Beine, um die Kupplung in den Rückwärtsgang zu schieben und sich an den beiden Kleingehirnhälften zu kratzen, an denen lästige Haare wachsen, in diesem Moment platzen kleine Wunden an Polizistenlippen auf und Kronen der Polizistenbeißzähne werden ohne zahnärztliche Rücksichtsnahme auf Verluste abgeschmirgelt, weil sie zu intensiv an den Zigarrendildos herumknabbern, heute ist Massenselbstbefriedigung in den Polizistenkreisen angesagt, keine Massenhysterie, auch keine Massenhetzerei, keine blutvergießende Verfolgungsjagd, keine öffentliche Hinrichtung von Kriminellen, denn heute sind die heiligen Inquisitoren die Ketzer, und die Luft ist schwul, und alle Polizisten sind heute schwul, und sind Arschficker, und Arschlecker, und Scheiße(an)schieber, und Wärmebrüder, und Arschkriecher, und sie alle zergehen wie Sahne wegen der juckenden Wärme zwischen ihren Beinen, doch kaum einer ist erregt, aber fast jeder – wenn nicht sogar alle – hat Läuse – nicht nur im und am Kopf, nein, auch zwischen den Achselhaaren, und vor allem am Sack. Ja, am Sack! Und jeder hat sie am Sack! Und sie können sich ins Knie ficken! Und sie können ihm den Buckel runterrutschen! Und sie können ihn alle mal kreuzweise! Ja, genau! Sie können ihm allesamt auf den Sack gehen! ...


... beißen Radiergummikappen von Bleistiften ab, färben sich Fingernägel mit Alkoholfilzstiften, schieben sich Papierknollen unvollendeter Untersuchungsberichte in die Unterhosen, um mit künstlich geschaffenen Beulen zu prallen, starren ihre nie klingenden Handys an, verlieren Spucke zwischen den Computertasten, während sie pornographische Internetseiten observieren und sich an ihren Prügelstöcken einen runterholen. Und kein Telefon klingelt. Und keiner möchte anrufen. Denn keiner will abheben. Und niemand steht auf. Weil keiner irgendwohin muss. Weil alle sitzen. Weil keiner mehr steht, der sich möglicherweise setzen möchte. Und alle Türen sind zu. Und alle Fenster sind zugemauert. Doch aus öffentlichen Toiletten stinkt es trotzdem. Nach Schweiß. Nach Blut. Nach weggeworfenen Tampons. Nach halbvollen und halbleeren Gummis. Nach zerbrochenen Diafragmen. Nach unbiegsamen Spiralen. Nach Nadeln. Nach Gummiarmbändern. Nach Wattestäbchen und -pölsterchen. Nach Sperma. Nach Schwänzen. Harten und weichen, willigen und impotenten, stehenden und hängenden, rasierten und verhaarten, beschnittenen und vorhäutigen, glatzigen und gepiercten, zwei- und eineiigen. Nach Muschis. Frischen und abgenutzten, jungen und verrostet alten, gewaschenen und fast verwesten, trostsuchenden und nymphomanischen, schamlippigen und klitorischen, durchkämmten und durchbohrten, ständig klatschenden und nach Luft holenden. Nach vergessenen Höschen. Und Stringtangas. Und Boxershorts. Und BHs. Und Analkugeln. Und Dildos. Und Vibratoren. Und Analperlen. Und Wasser tröpfelt in die Waschbecken. Und Ohrringe glitzern in den Pissoiren. Telefonnummern und anstößige Graffitos starren von den Wänden. Erwarten. Ziehen an. Lenken vom Alltagstrott ab. Und in die Zwischenwände der Kabinen sind Löcher verschiedener Größen auf verschiedenen Höhen eingebohrt. Und es stinkt nach alter Pisse. Und es riecht nach Kot. Und es stinkt nach Kotze. Und nach Abtreibung. Und die milde Parfumnote nach frischen Ficks bläst die Spinnweben in den Ecken wie Segel auf. Und es duftet nach Sex. Und man fühlt sich wieder, als hätte man ein Zuhause. Und keiner knallt mit Türen. Und kein Vater entleert eine Flasche nach der anderen. Raucht eine Zigarette nach der anderen. Und furzt. Und rülpst. Und frisst. Und scheißt. Und kotzt. Und keine Mutter verbirgt blaue Augen hinter Sonnenbrillen. Und keine Mutter schluckt vierzig Schlaftabletten. Und keine Mutter legt sich mit aufgeschlitzten Pulsadern in eine mit warmem Wasser gefüllte Badewanne. Und keine Schwester ist auf Droge, um auf der Tanzfläche besser abzugehen. Und keine Schwester wird schwanger von ihrem Onkel, ihrem Punkerfreund und ihrem Mathelehrer. Und keine Schwester treibt dreimal mit Hilfe eines das Studium nach zwei Jahren abgebrochenen Veterinärmedizintechnikers ab. Und kein Junge wird verhöhnt, weil er mit Puppen spielt. Weil er Friseur, statt Rennfahrer werden möchte. Kein Junge wird verprügelt, weil er sich an Mamas Kleiderschrank und

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Kommentare

Akroanni@gmail.com schrieb am 2008-06-18 19:01:47:
Huhu, Ich hab den Link zu deiner Geschichte geschickt bekommen, und muss erst einmal sagen: Wow. Dein Text ist sehr verwirrend, sprachlich absolut genial und super durchdacht. Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden, dass es vorallem um die Perversität der Welt geht, und um die eigene Befriedigung, um Anpassung in der Gesellschaft und um die Akzeptanz von Homosexuellen?
Jedenfalls: große Klasse. Aber ich glaube, ich muss die Geschichte noch ein paar Mal lesen, um alles zu verstehen...
Liebe Grüße und großen Respekt... ;)

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