Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Humor > Seltsames

Tagebücher

von Edzard 667

30.10.03
Ich hasse Tagebücher. Ich habe meines gerade durchgeblättert. Da steht nur Quark. Tagebücher, niemand wird mehr belogen als sie. Warum? Das habe ich mich schon oft gefragt. Es ist kein böswilliger Akt. Man kann sich auch schlecht selbst belügen. Doch steht in meinem Tagebuch nur wirres unverständliches Zeugs. Schlecht verständlich, unstrukturiert.
Manchmal blicke ich selbst nicht mehr durch. Was denke ich nur wenn ich diese Einträge mache? Realität verhält sich zum Bewußtsein wie Licht zu einem schwarzem Loch: wird einfach verschluckt. Hier gelten andere Gesetze. Erlebtes wird mit alten Erfahrungen und Erinnerungen vermischt, verarbeitet und anschließend von so einem Wirrkopf wie mir niedergeschrieben. Man empfindet etwas zu jedem Gedanken. Allein schon der Versuch diese Emotionen in Verbindung mit Ereignissen aufs Papier zu bringen, endet bei mir in schier unüberwindlichem Chaos.
Chaos gehört zu meinem Leben. Ich bin Schüler und beweise meinen Mittmenschen, das ich der Rolle des schlampigen, vergesslichen und immer schlecht gestylten jungen Mannes perfekt beherrsche. Tag ein, Tag aus. Mich zu erkennen ist nicht schwer. Kurze dunkle Haare(mal abgesehen von einer schmalen, längeren, rot gefärbten Strähne, die mir von der Stirn bis zur Schädel Mitte reicht), einem Kinnbart (nur das ich die Mitte weg rasiert habe und nur noch rechts und links was steht), schwarz gekleidet (traditionell mit langem Mantel) und immer irgendwie finster dreinblicke.
Dabei bin ich ein überaus fröhlicher Mensch. Ich stehe Morgens auf und bin schon glücklich. Ich gehöre zu der Sorte Mensch die nach dem erwachen sofort physisch und mental einsatzbereit sind. Meine Stimme klingt nach dem Aufstehen wie immer. Das ist nicht selbstverständlich:
Neulich hatte ich später Schule und bin trotz alledem früh aufgestanden, habe meinen Kaffe getrunken und bin in die Stadt gefahren. Ich beschloß eine Freundin zu besuchen. Es muß so gegen halb neun gewesen sein. Ich schellte Sturm und hoffte das sie keinen Männerbesuch hatte. Nach fünf bis acht mal klingeln wurde ich eingelassen. Ich stieg die drei Etagen hinauf und stand nun vor der Tür. Eine überaus zerknitterte und wüste Marie öffnete. Sie musterte mich von oben bis unten. Ihr angestrengter Blick wirkte als versuche sie durch ein milchig angelaufenes Goldfischglas zu gucken. Mir war sofort klar das sie noch nicht bereit war es mit der Realität aufzunehmen. Es gab dafür deutliche Anzeichen: Ihr verdutzter Blick, ihre schlaffe Körperhaltung und außerdem war sie nur mit einem Slip bekleidet. Freundlich wie ich bin, sagte ich ihr das sie ja halb nackt sei, ich nicht blind und sie doch die Tür solange schließen könnte bis sie sich etwas angezogen hat. Sie blickte an sich herab, sah zu mir, blickte an sich herab (es muß im Hausflur wirklich kalt gewesen sein, das konnte ich nun deutlich sehen) und sah mir noch mal in die Augen bevor der Groschen fiel und die Tür laut zugeschmissen wurde.
Ich stand da im dunklen und sehr zugigem Flur und dachte, das ich meine weiblichen Bekannten jetzt immer früh besuchen werde. Die Tür öffnete sich nach einer Minute und es erklang ein Geräusch als ob eine Kaffeemaschine zu sprechen versuchte. Ich verstand so etwas wie "Brot", vermutete aber das es sich um "n'Morgen" handeln mußte. Sie umarmte mich als wäre nichts geschehen, gab mir einen Kuß auf die Wange.
Ich strich mit der Hand den Tabak von der Couch und setzte mich. Wieder vernahm ich die vermeintliche Kaffeemaschine. Fragend sah mich Marie aus der Küche heraus an. Ich erwiderte den Blick und versuchte noch etwas fragender auszusehen als sie. Sie winkte mit der Teekanne und ich verstand. "Apfeltee" sagte ich laut "und Zucker." Marie setze Wasser auf, kramte im Regal und fand zwei Tassen sowie Teebeutel. Sie stapfte in großen grauen Wollsocken zu mir herüber ließ sich in den Sessel fallen. Sie trug jetzt einen blauen Kapu-Pulli und immer noch das entzückendes rosa Höschen. "Rosa, jetzt weiß ich was ich dir zum Geburtstag schenke." Sie warf ein Kissen nach mir, stand auf und zog sich eine graue Kordhose an. Als der Tee fertig war holte sie noch Kuchen aus dem Kühlschrank.
"Kuchen zum Frühstück? Perfekt." Schon wieder drangen Geräusche aus ihrem Mund. Ich zog die Brauen hoch da ich wieder nichts verstand. Sie winkte ab, griff nach ihrer Tasse und pustete. Nach einigen Schlücken räusperte sie sich, begann zu husten, verschwand im Bad. Ich war schon eine viertel Stunde bei ihr und sie hat noch nicht begonnen zu reden. So kenne ich sie gar nicht. Sie gehört zu denen, die immer was zu erzählen haben. Meist Probleme mit Ex - Freunden oder dergleichen. Solche Menschen brauchen kein Tagebuch. Sie reden so viel das es unsinnig wäre das alles auch noch aufzuschreiben. Außerdem ist Marie viel zu faul.
Als sie aus dem Bad trat, lächelte sie mich an, kam auf mich zu küsste mich noch einmal und sage: Sorry wegen gerade. Ich bin ein Morgenmuffel." "Du mußt dich für nichts entschuldigen". "Doch wegen du weist schon." "Ach das... Ne immer wieder wenn du willst!" Wieder bekam ich ein Kissen ab. Naja, Hauptsache sie hat ihre Stimme wieder.
Tagebücher werden immer wieder belogen. Das ist eine Tatsache und ich habe den Beweis: Sie öffnete zwar die Tür, jedoch hatte sie einen hässlichen Pyjama an und von Maries rosa Höschen kann ich nur träumen.


Kommentare

silent heaven schrieb am 2006-05-23 11:23:40:
die Idee ist nicht schlecht und der Inhalt gut. Ich würde aber den gesamten Text noch mal überarbeiten. Dass er
flüssiger klingt. Die Sätze kommen schnell, alles passiert fix nacheinander, als hättest du den Wunsch, nur eine
bestimmte Länge damit zu erreichen... aber nach einer Überarbeitung wird er bestimmt ganz super
SHADOWSHIVER@web.de schrieb:
super story edzard! gefällt mir! Bacca
Enkelin_von_der_Monroe@web.de schrieb:
hab mich kaputt gelacht... danke für diese kleine, wunderbare geschichte...
Enkelin_von_der_Monroe@web.de schrieb:
wär übrigens schön, wenn du mal wieder eine verfassen würdest
garten@stuhl.de schrieb:
Ja ich kann mich da nur anschliessen. Finde übrigens, du hast es gut hingekriegt, den Leser vom ersten Satz an mitzureissen, oft ist es ja eher so, dass man sich durch die ersten paar Sätze durchbeissen muss...
Tine schrieb:
Sehr geil und so wahr...

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.