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Kategorien > Beziehungen > Liebe

Take me anywhere - Kapitel 2

von Nelly

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Ich zog den Schlüssel aus meiner Hosentasche und betrachtete nochmals das große Altbauhaus, in dessen oberste Etage die große WG war.
Den Schlüssel hatte ich schon bekommen, als all meine Möbel vor zwei Tagen hierher geschafft wurden. Das war vielleicht ein Aufwand.
Und ich hatte auch Angst, dass ich den Leuten, die schon in der WG wohnten auf die Nerven gehen würde. Doch da Semesterferien waren, waren vier von den Fünfen nicht da.
Ich habe nur Max kennen gelernt.
Einen zwanghaft ordentlichen Rechtwissenschaftenstudenten im vierten Semester. Als ich mich vorgestellt hatte trug er ein Hemd mit sauberer Bügelfalte und Jeans, die auch so aussahen, als wären sie gebügelt worden. Ich hoffe nur, dass er nichts gegen ein bisschen Chaos hatte, dass ich automatisch mit in die Wohnung bringen würde.
Ich war nicht dreckig oder so. Ich saugte jeden Tag mein Zimmer, aber mit der Ordnung hatte ich es nicht so. Hier und da lag eben mal Zeug rum. Auch, wenn alles noch in Maßen war. Einen richtigen Saustall hatte ich nie.
Dennoch hoffte ich, dass ich in diesem Thema mit Max nicht anecken würde. Sonst wirkte er ganz sympathisch. Ein wenig reserviert, vielleicht auch ein bisschen schnöselhaft. Aber höflich und freundlich.
Er hatte mir erzählt, dass die anderen Mitbewohner entweder bei ihren Eltern, im Urlaub oder über’s Wochenende feiern waren.
Das störte mich nicht. So konnten ich, meine Familie und meine Möbel ihnen wenigstens nicht im Weg herumstehen.
Die Wohnung hatte ich nur über eine Kontaktanzeige bekommen. Das Mädchen der WG, Helena, schrieb Mails mit mir, während ich noch in Amerika war, aber schon die Zusage der Uni Hamburg bekommen hatte und mich somit auf Zimmersuche machte.
Helena und ich hatten geschrieben, alles Finanzielle und Organisatorische über Telefon ausgemacht und schon war alles geklärt. Dass das so einfach geht hätte ich nicht gedacht.
Aber so kam es, dass ich Helena nur durch’s Telefon, Max persönlich und die anderen noch gar nicht kannte. Nicht, dass es nötig gewesen wäre, aber angenehm.
Ich steckte den Schlüssel ins Schloss der Haustür und sah schon vor mir die vielen Stufen. Bis ganz nach oben. Aber das war nun mal der Preis der schönen Aussicht.
Ich hievte meinen Koffer Stufe für Stufe hoch, und merkte wie mir noch wärmer wurde. Schließlich stellte ich das Monstrum von Gepäck mit einem Knall auf den Fliesenboden ab und betrachtete die weiße Flügeltür, in der in jeder Seite eine Milchglasscheibe eingebracht war. Dahinter konnte man leicht Bewegungen wahrnehmen.
Ich atmete nochmals tief durch, fuhr mir mit dem Handrücken über Stirn und Wange und steckte den Schlüssel erneut ins Schloss, den Koffer schon wieder in der Hand, als die Tür von innen aufgerissen wurde.
Ein blondes Mädchen, mit aalglatten Haaren, wie ich sie niemals haben werde und braunen Rehaugen stand vor mir. Sie war in etwa so groß wie ich. Vielleicht ein paar Millimeter kleiner und sie schaute mich überrascht an: „Kann ich dir hel…“ Dann brach sie hab. „Ah, du bist bestimmt Milana“
Ich nickte: „Ja, meine Möbel sind schon hier, und… dürfte ich vielleicht erstmal rein kommen?“
„Oh, ja. Klar“ Sie trat beiseite und ich nahm meinen Koffer wieder hoch und zerrte ihn hinter mir her.
Die Wohnung hatte sich kein bisschen verändert. Warum denn auch? Doch erst jetzt hatte sie den Nerv dazu sich umzuschauen. Der Flur war lang und schmal, ohne eine Biegung. Davon gingen acht Türen ab. Drei von jeder Längsseite und an der Stirnseite jeweils zwei.
Sie hatte das Zimmer genau gegenüber der Badtür bekommen. Wem die zwei anliegenden Zimmer gehörten wusste sie nicht.
„Das mit den Möbeln hatte mir Max schon erzählt“ erklärte Helena und lächelte breit. „Ich bin übrigens Helena“
„Ja, das dachte ich mir schon“
„Die anderen sind in der Küche. Also, das heißt alle bis auf Mo. Der ist noch unterwegs“ plapperte sie weiter und ich nickte wieder nur.
„Wenn du willst kannst du dich zu uns setzen“
„Ich möchte erstmal gerne die restlichen Sachen auspacken“
„Ja, klar“ nickte Helena hastig. „Dann: Herzlich Willkommen“
„Danke“ Mit diesen Worten drehte ich mich um und ich hörte auch wie Helena sich umdrehte und mit tippelnden Schritten in die Küche ging.
Mein Zimmer sah fast haargenau aus, wie das, das ich in Mannheim hatte. Eine großer robuster Schrank, eine kleine Kommode, ein weitere Schrank für meine Klamotten, und ein Board für meine Bücher.
Nur mein Schreibtisch war ein anderer. Und auch mein Bett hatte sich geändert. Doch die weiße Tagesdecke mit den hellblauen Kissen zierte es immer noch.
Sogar meine drei Zimmerpflanzen, denen ich aktive Sterbehilfe leistete waren mit nach Hamburg gekommen. Und auch die weißen, mit blauen, kleinen Blumen verzierten Gardinen aus IKEA waren mitgekommen.
Ich seufzte und ließ mich auf den blauen Schreibtischstuhl sinken und schaute mich um. Der Spiegel an der Wand reflektierte das letzte Sonnenlicht des Tages und warf einen goldenen Schimmer auf das Bett.
Mit einen Seufzen erhob ich mich und räumte die letzten Sachen aus meinem Koffer in die passenden Schränke. Den Laptop stellte ich auf meinen Schreibtisch, ebenso wie meine Handtasche.
Den Koffer verstaute ich mit etwas Kraftaufwand und viel Strecken des Körpers auf dem großen Schrank in dem alle meine Jacken und Blusen hingen.
Jetzt war alles ordentlich, alles was ich besitze war in diesem Zimmer, in dieser Wohnung, in dieser Stadt.
Ich war also wirklich angekommen.

Nachdem ich lange geduscht hatte, meine nassen Locken taten was sie wollte und ich schnell in schwarze Shorts und ein rotes T-Shirt geschlüpft war, klopfte ich leise an die angelehnte Küchentür und trat dann ein. Dennoch blieb ich auf der Schwelle stehen.
Um den runden Küchentisch herum saßen Helena und zwei andere Jungs. Max stand an der Spüle und drehte sich um.
Dann herrschte eine Weile langes Schweigen, bis ich mir einen Ruck gab und es brach: „Ich bin Mila. Ich wohne jetzt auch hier“
„Ah, cool“ nickte der mit den blonden, kurzen Haaren und stand als Erster auf um mir die Hand zu geben: „Ich bin Fabi…“ Dann drehte er sich zu Helena um: „Hattest du nicht etwas von einer Milana geredet?“
„Ich mag den Namen nicht. Mila ist mein Spitzname“ beantwortete ich die Frage für Helena und Fabi nickte wissend.
„Hätte man sich auch denken können“ spottete der mit den braunen Locken, welche in etwa aussahen wie meine, nur dass seine dunkler waren. Er zog eine Grimasse in Richtung des Blonden und drehte sich erst dann zu mir: „Ich bin Leon“
„Leo“ verbesserte Fabi ihn.
„Leon“
„Für mich wirst du immer der große Leo bleiben“ zog nun der eine den anderen auf, woraufhin Leon nur die Augen verrollte.
„Wir kennen uns schon“ Die tiefe und markante Stimme von Max würde man überall wieder erkennen.
„Ja“ nickte ich.
„Bist du gut angekommen?“
„Könnte man so sagen“
„Setz dich doch“ schaltete sich jetzt auch Helena mit ein und zog den Stuhl, der neben ihren stand zurück.
„Oh, danke“ Lächelnd setzte

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