Taraniel und der schlafende Krieger-4
von
Anariel, die Nomadin
1
2
3
4
Nur zehn Minuten später zog sich die Prinzessin langsam aus dem Brunnen heraus und blickte sich wachsam um. Doch von Faoris und ihren Trollen war nichts mehr zu sehen, oder zu hören. Vorsichtig zog sich Taraniel ganz aus dem Brunnen heraus und lauschte angespannt, aber die Hexe schien wirklich fort zu sein.
Augenblicke später näherte sie sich langsam dem schlafendem Krieger, Lushian, der im Moment alles andere tat als zu schlafen. Faoris hatte den Mann nicht wieder versteinern lassen und nun atmete er und war ganz lebendig. Nun offenbarte sich, dass sein langes haar nicht nur sehr fein war, sondern auch sehr hell, fast schon Elfenbeinfarben.
Aber es schien ihm nicht wirklich gut zu gehen, denn er hatte die mandelförmigen Augen geschlossen und atmete schwer, geradeso als hätte er Schmerzen. Dann, von einem Moment zum andern, ganz plötzlich, sprangen die Augen des Mannes auf und Taraniel erstarrte einen Augenblick lang erschrocken. Nur einen Moment später fixierten sie die hellen Augen des Kriegers und weiteten sich erstaunt. Eine weitere lange Sekunde verstrich, dann sprang Schimmer in einem gewagten Satz von Taraniels Schulter und sauste auf Lushian zu, wobei man kaum sah, dass die Echse ihren einen Vorderlauf nicht benutzte. Mit einem zweiten Satz landete Schimmer auf der Brust des Kriegers, dessen Blick sich sogleich seiner tierischen Freundin zuwandte. “Schimmer,” meinte er leise mit rauer Stimme, “oh mein süßes Schimmerchen. Es tut mir leid, es tut mir so schrecklich leid….” Seine Stimme verlor sich und Taraniel, die mittlerweile auch näher getreten war, konnte Tränen im Augenwinkel des Kriegers schimmern sehen. Verlegen biss sich die Prinzessin auf die Lippen, dann jedoch fasste sie sich ein Herz und sprach den Mann leise an. “Hallo Lushian.” Ihre Stimme zitterte ein klein wenig.
Erneut wandten sich die Augen des Mannes ihr zu, Hoffnung blitzte darin auf wie ein helles Licht. Und Taraniel erkannte, das an dem Mann etwas anders war. Sie hatte auch eine Idee, was das sein könnte, verlor aber vorerst kein Wort darüber.
“Wer, “flüsterte der Krieger heiser, “seid ihr?”
Ein Lächeln stahl sich auf Taraniels Gesicht. Es klang so viel Hoffnung in der Stimme des Mannes wieder, aber auch Schmerz. Das Lächeln auf dem Gesicht der Prinzessin wurde weicher, als sie noch näher an den Mann herantrat.
“Mein Name ist Taraniel Maraines, siebte Tochter einer siebten Tochter und jüngste Prinzessin des Reiches Schehelan. Mein Vater ist Tauron Arden Maraines, Hochkönig dieses Reiches.” Noch während sie sprach klickte die Fessel am rechten Bein des Mannes. Erstaunt und verwirrt hielt die Prinzessin inne. Etwas in dem Ding hatte sich ganz eindeutig bewegt, aber noch umschloss die Fessel fest Lushians Bein. Irritiert runzelte Taraniel die Stirn, wandte sich dann aber wieder dem Mann zu, der geduldig geschwiegen hatte. “Ich weiß von Schimmer, wie ich dich womöglich aus dem Stein befreien kann, Lushian. Und eine der Aufgaben dabei ist, dich mindestens dreimal bei deinen Namen anzusprechen. Also Lushian, ich hoffe doch sehr, dass du wirklich so heißt.” Ein schräges Lächeln huschte über das Gesicht der Prinzessin. Der Mann lächelte leicht.
“Ja,” meinte er leise, “ das ist mein Name.”
Taraniels runzelte irritiert die Stirn, denn ein weiteres, metallisches Klicken war erklungen. Diesmal von der Fessel am linken Bein des Mannes.
“Was..?” Taraniel klang verwirrt. Sie blickte den Krieger fragend an, doch dieser verzog nur schweigend das Gesicht. Wohl um anzuzeigen, dass er ihr nicht antworten konnte.
Also wandte sie sich erneut den Fesseln zu und nahm sie in genaueren Augenschein. Dabei entdeckte die Prinzessin, dass es insgesamt fünf dieser seltsamen Metallbänder waren, die den Krieger fesselten. Doch nur jenes, das um seinen Hals lag, wies ein Schloss auf, die anderen vier nicht.
Einen Moment lang war Taraniel deshalb verwirrt, dann aber begriff sie langsam. Sie sah wieder dem Krieger in die Augen und wunderte sich erneut über deren helle Farbe. Sie konnte die Farbe nicht wirklich bestimmen im Mondlicht, aber es erschien ihr, als wäre es ein beinahe silbriges Blau. Aber wie gesagt, sie konnte sich nicht sicher sein im Mondlicht.
Aber langsam ergab so manches für die Prinzessin einen Sinn. Hier war Zauberei im Spiel und das hatte wohl seine eigenen Regeln. Die Tatsache, dass Schimmer Lushians Namen nicht mehr mitteilen konnte, das Schweigen des Kriegers, diese seltsamen Schlosslosen Fessel und die Kaverne unter ihnen, in die man wohl nur über den Brunnen kam. Dies alles schien irgendwie zusammen zu hängen, nur wie genau, das blieb Taraniel schleierhaft.
Doch darüber würde sie sich später Gedanken machen, nun war es erst einmal wichtig Lushian aus seiner Lage zu befreien und das ging nur mit dem Schlüssel. Die Prinzessin hoffte sehr, dass es auch der Richtige Schlüssel war. Doch als sie ihn aus der Tasche zog und hochhielt ertönte erneut das metallische Klicken, dieses Mal von der linken Handfessel des Kriegers. Lushians Augen weiteten sich deutlich, doch er gab keinen Laut von sich. Konnte dies wohl auch nicht, so vermutete zumindest die Prinzessin. Sie hoffte, dass der Mann es ihr später würde erklären können.
“Nun,” murmelte sie leise, “es scheint der richtige Schlüssel zu sein und als Prinzessin und Jungfrau habe ich wohl auch das reine Blut.” Mit diesen Worten schnitt sich Taraniel mit ihrem Dolch, den sie immer bei sich hatte, in den Finger und benetzte mit dem hervorquellendem Rot den Schlüssel. Ihr Tun wurde von einem weiterem, metallischem Klicken belohnt. Nun kam es von der rechten Handfessel des Kriegers. Diesmal allerdings entwich dem Mann ein leises Stöhnen und die junge Prinzessin sah erschrocken auf. “Lushian? Was ist denn los? Ist alles in Ordnung?” Taraniels Stimme klang sehr besorgt, doch der Krieger antwortete erst nicht. Nach langen Augenblicken jedoch schien er sich wieder zu fangen. “Weiter,” flüsterte er heiser, “bitte mach weiter.”
Die Prinzessin runzelte die Stirn, dann jedoch seufzte sie lautlos und besah sich erneut die Fessel um Lushians Hals. Die Fessel, die als einzige ein Schloss hatte. Schließlich steckte sie mit einem Schulterzucken den Schlüssel hinein und war dann ehrlich erleichtert, dass dieser auch passte. Sie versuchte instinktiv den Schlüssel zu drehen, was aber nicht zu gehen schien. Dann jedoch zuckte sie erschrocken zurück, denn der Krieger stöhnte erneut schmerzerfüllt auf. Schimmer blickte die Prinzessin ebenso erschrocken an. Doch wieder schien sich Lushian zu fangen, vielleicht ließen ja auch die Schmerzen wieder nach. Schließlich öffnete er wieder die Augen und sah sie mit leicht verschleiertem Blick an. Er erschien der Prinzessin wirklich sehr müde.
“Oh je,” meinte da Taraniel, “ich habe glatt die fünfte Sache, das Rätsel vergessen. Darum ist das passiert.” Zur Antwort nickte der Krieger leicht und die Prinzessin kam wieder näher an den Stein heran und inspizierte alle Seiten. Endlich fand sie die Schrift auf der
1
2
3
4
Kommentare
Mareike schrieb am 2009-01-03 02:02:11:
Wunderschön...
freue mich schon auf den nächsten Teil und bin wie immer gespannt.
LG Mareike
!!! schrieb am 2008-12-31 11:40:38:
Bitte ganz schnell weiterschreiben!!!
LG
Kommentar hinzufügen