Taraniel und der schlafende Krieger
von
Anariel, die Nomadin
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“Ach,” seufzte sie, “ich wünschte, ich wüsste, wie ich dich aus dieser furchtbaren Lage befreien könnte.” Die Stimme der Prinzessin war ganz weich geworden und traurig.
Vorsichtig hob sie die Hand und streichelte sanft über die nun wieder steinerne Wange des Kriegers. Die harten Linien in seinem Gesicht, die ihr schon zuvor aufgefallen waren, kündeten nicht von Härte, was sie erst angenommen hatte, sondern von Schmerz. Sie seufzte erneut, dann blickte sie auf und sah Schimmer, die wieder auf die Brust des Kriegers geklettert war, lange und traurig an. Die Drachenechse sank in sich zusammen, dann wandte sie sich abrupt ab und sprang zu Boden. Dort angekommen sauste sie davon und Taraniel lief dem Wesen erschrocken nach. “Schimmer? Was hast du denn?” Die Stimme der Frau klang erschrocken. Die Prinzessin folgte der Echse, die immer noch nicht antwortete, zu den Resten eines Brunnens, den sie zuvor schlicht übersehen hatte. Die runde, etwa einen Meter hohe Mauer, die den Brunnen einfasste, war aber auch teilweise eingestürzt, gesprungen und von allerlei Schlingpflanzen überwuchert. Schimmer sprang genau auf diesen zerstörten Brunnenrand und sah mit einem unbestimmbaren Blick zu Taraniel zurück. Diese war der Echse gefolgt und stützte sich nun mit beiden Händen auf der brüchigen Brunnenmauer ab. Mit einem scharfen Blick durchbohrte sie die Drachenechse.
“Schimmer,” fragte die Prinzessin nun, “was weißt du?”
Die Echse wand sich unter dem strengem Tonfall und dem abwartendem Blick der jungen Frau. Verlegen blickte sie auf ihre Tatzen hinab, dann wieder zur Prinzessin auf und wieder fort von ihr. Schließlich seufzte Schimmer schwer. “Natürlich gibt es eine Möglichkeit,” rückte das Wesen endlich heraus, “um den Krieger zu befreien. Schließlich hält ihn ja ein Fluch im Stein und ein Fluch kann nur wirksam sein, wenn es eine Möglichkeit gibt ihn zu brechen.” Die Echse sah wieder zu der Prinzessin auf. “Sie, Faoris hat mir sogar gesagt, wie es ginge, aber ich begreife es nicht.” Das Wesen schnaubte unglücklich und Taraniel lehnte sich über den Brunnenrand. Ein Blick in die kreisrunde Öffnung zeigte ihr nur ein tiefes, schwarzes Loch. Der Brunnen war sehr, sehr tief, womöglich sogar ausgetrocknet. Sie sah Schimmer von der Seite her an.
“Du und der Krieger seit Freunde, nicht wahr?” Die Frage der jungen Frau klang eher wie eine Feststellung und nachdem die Echse es bestätigt hatte, nickte die Prinzessin nur nachdenklich. Schließlich wandte Taraniel der Öffnung den Rücken zu und setzte sich halb auf den bröckelnden Rand.
“Warum erzählt dir die Hexe, wie der Fluch zu brechen sei? Hat sie nicht die Sorge, du könntest deinen Kriegerfreund aus dem Stein befreien?” Die Prinzessin wirkte erstaunt.
Schimmer lachte kurz auf und schüttelte dann den Kopf. “Das Feuerhaar hat dafür gesorgt, dass ich ihn nicht befreien kann. Außerdem begreife ich nicht was sie mir da gesagt hat. Ich verstehe es einfach nicht.” Die Echse seufzte erneut und blickte dann traurig in den Brunnen hinab. Taraniel runzelte nachdenklich die Stirn.
“Wie wäre es, Schimmer,” meinte die Prinzessin plötzlich, “wenn du mir erzählst, was sie dir gesagt hat? Schließlich ist die Hexe auch immer noch ein Mensch und Menschen drücken sich manchmal recht rätselhaft aus.” Die Prinzessin lächelte aufmunternd. “Ich bin aber auch ein Mensch, also verstehe ich vielleicht, was du nicht verstanden hast, Schimmer.”
Erstaunt blinzelte das Tier die junge Frau an, dann nickte es langsam. “Gut, ich erzähle es dir. Hier irgendwo, in dieser Ruine liegt der Schlüssel, der die Ketten des schlafenden Kriegers öffnet. Aber nur die siebte Tochter einer siebten Tochter kann ihn benutzen und der Schlüssel muss benetzt werden mit reinem Blut. Erst dann öffnet er die Ketten des schlafenden Kriegers. Doch alleine das befreit ihn nicht aus dem Stein, dafür muss man das Rätsel lösen, das in den Stein, auf dem er liegt, geschrieben steht und man muss ihn bei seinem Namen nennen, drei mal.” Schimmer holte tief Luft und sah traurig zur Prinzessin auf. “Aber wo soll ich eine siebte Tochter einer siebten Tochter finden und was hat es mit dem reinen Blut auf sich? Und die Schrift auf dem Stein kann ich nicht lesen. Ich habe diese Ruine durchsucht, von oben bis unten und umgekehrt, aber keinen Schlüssel gefunden.” Die Echse seufzte noch einmal tief und die Prinzessin nickte wieder.
“Nun zumindest seinen Namen wirst du mir sagen können, wo ihr doch Freunde seit, oder Schimmer? Taraniels Stimme klang hoffnungsvoll, doch Schimmer rollte sich nur unglücklich zusammen.
“Nein,” schluchzte die Echse da laut auf, “das kann ich nicht.” Nun rannen zwei glasklare Tränen aus Schimmers Augen. “Drei Jahre, nachdem das Feuerhaar den Fluch gesprochen hatte, da war ich nicht vorsichtig genug. Faoris hat mich beinnahe erwischt, ich entkam ihr nur knapp. Aber sie hat mir seinen Namen von den Lippen genommen und seither kann ich ihn nicht mehr laut aussprechen. Außerdem hat sie das getan.” Mit diesen Worten breitete Schimmer ihre Schwingen aus, die sie bis dahin sorgsam zusammengefaltet gelassen hatte.
Taraniel zog scharf die Luft ein, als sie sah, was die Echse gemeint hatte. Ein langer Riss zog sich durch die rechte Schwinge des Wesens. Zudem schienen einige Knochen gebrochen gewesen zu sein und dann nicht gerade zusammengewachsen zu sein, denn die Schwinge war verkrümmt und taugte so ganz gewiss nicht mehr zum fliegen. Mitfühlend sah die Prinzessin auf die Drachenechse hinab und strich ihr vorsichtig mit den Fingerspitzen über den Rücken. Als das Geschöpf sie ansah, lächelte Taraniel Schimmer aufmunternd an.
“Nun zumindest hast du nun die siebte Tochter einer siebten Tochter gefunden.” Sie lachte leise über den erstaunten Blick der Drachenechse. “Ja, ich bin die siebte Tochter einer siebten Tochter. Und was das reine Blut angeht, nun das müsste wohl entweder das Blut einer Jungfrau oder einer wahren Prinzessin sein, was ich beides bin.” Schimmer fuhr nun ganz aufgeregt zu Taraniel herum, die bestätigend nickte, noch bevor die Echse fragen konnte, ob das tatsächlich so wäre. Doch dann hob Taraniel überrascht den Blick und lauschte angestrengt. Aus der Ferne erklang Wolfsheulen in einer ganz bestimmten Tonfolge, die die Prinzessin schon lange nicht gehört hatte. Aber sie wusste genau, was der Ruf zu bedeuten hatte. Schließlich hatte Graupelz darauf bestanden, dass die junge Prinzessin all die wichtigen Wolfsrufe und Wolfeslieder lernte. Diese spezielle Tonfolge war eine Warnung, etwas Gefährliches nahte. Schimmer sah verwirrt aus und Taraniel lächelte die Echse kurz an.
“Die Wölfe singen eine Warnung,” erklärte sie nun, “etwas kommt und es ist gefährlich.” Die Prinzessin runzelte die Stirn, als sie Hufschlag vernahm. “Sag mal, Schimmer, kann es sein, dass Faoris noch mal hier vorbeikommt?” Schimmer sah die Frau erschrocken an.
“Bisher hat sie das noch nie getan.” Die Echse klang zweifeln.
Doch Taraniel hatte keine Lust das herauszufinden, indem sie weiterhin
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Kommentare
Mareike schrieb am 2008-12-20 23:42:42:
Wunder, wunderschön und sehr spannend.
Schreib bitte schnell weiter.
LG Mareike
!!! schrieb am 2008-12-18 19:41:44:
Schreib bitte ganz schnell weiter!!!!!!!
Anariel schrieb am 2008-12-16 11:28:19:
Oh entschuldigt, jetzt habe ich die Nummer im titel vergessen.
Dies ist der dritte Teil von taraniel und der schlafende Kieger.
Mit Güßen
Anariel
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