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Kategorien > Fabeln & Märchen > Gothik Märchen

Taraniel und der schlafende Krieger 5

von Anariel, die Nomadin

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Taraniel zuckte etwas zusammen, genauso wie Lushian. Der Mann starrte die Hexe entgeistert an, als ihm langsam klar wurde, welch ein gemeines Spiel sie mit ihm getrieben hatte.
“Das war eine Falle,” stellte er leise fest, “von Anfang an. All diese Jahre im Stein, dieser Fluch, du wolltest das mich jemand findet und befreit.”
Faoris lachte erneut laut. “Oh, nicht unbedingt, ich habe nur Sorge getragen, dass ich dabei nichts verliere.” Sie kicherte böse. “Was denkst du, wie lange hält das hübsche Ding Folter aus, bevor sie mir sagt, was ich wissen will? Oder glaubst du wirklich, DU könntest sie in deiner Verfassung beschützen, Krieger.” Die Stimme der Frau troff vor Hohn. “Oder wie lange wirst du es ertragen, Lushian, sie leiden zu sehen?” Nun klang die Hexe irgendwie hinterhältig. Ihre kalten, giftgrünen Augen richteten sich auf das Gesicht des Mannes. “Du würdest so gut in mein Armee passen, Krieger. Wärst ihr General, mein Heerführer. Du müsstest dich nur einfach mir unterwerfen und mir erzählen, was ich von dir wissen will. Es wäre so einfach, Lushian, so einfach.” Nun lächelte Faoris sogar, aber wie alles andere an ihr auch, wirkte dieses Lächeln falsch und kalt. Lushian atmete heftig, doch schon schüttelte er den Kopf. Seine Stimme klang bestimmt.
“Niemals! Ich werde dir niemals freiwillig dienen, Faoris.”
Nur Taraniel bemerkte die feine Unsicherheit im Klang der Stimme und auch in der Haltung des Kriegers. Und warum denn auch nicht? Schließlich war die Situation, in der sie sich befanden nicht gerade dazu angetan, sich sicher zu fühlen. Taraniel warf einen Blick in die Runde und zählte. Sieben Trolle und vierzehn gerüstete Krieger Faoris umzingelten die Prinzessin, Schimmer und Lushian. Die Prinzessin hielt inne. Ihr waren die seltsamen Zahlen aufgefallen. Vierzehn Soldaten, sieben Trolle, da war sie schon wieder, die sieben, und wieder dreimal. Wie seltsam, dachte die Prinzessin irritiert.
Dann jedoch wandte sie ihre Aufmerksamkeit lieber wieder der feuerhaarigen Hexe zu, die schon wieder laut lachte. Dieses Lachen war so kalt, fand Taraniel und so schneidend wie Eissplitter. Die Hes fixierte nun wieder die Prinzessin.
“So ein hübsches Mädchen,” säuselte die rothaarige Frau, “was macht so ein hübsches Mädchen um diese Nachtzeit in einem Wald, der als verwunschen gilt?” Sie runzelte die Stirn. “Du bist sicher nicht aus der Gegend, denn die Bauern haben angst vor diesen Wäldern. Gehörst du vielleicht zum fahrenden Volk? Los antworte gefälligst, Kindchen!”
Die giftgrünen Augen der Frau bohrten sich tief in Taraniels dunkelblaue und die Prinzessin erkannte überrascht, dass Faoris nicht wusste, wer Taraniel war. Vielleicht konnte sie das ja auch ausnutzen.
Lushian schien ähnliche Gedanken zu haben.
“Lass Tari in Ruhe,” fauchte er Faoris böse an, “und lass dir ja nicht einfallen ihr zu drohen.” Er funkelte die Hexe wütend an, doch diese lachte nur wieder. Taraniel jedoch blickte den Krieger überrascht an, hatte er ihr doch gerade ohne mit der Wimper zu zucken einen falschen Namen verpasst. Obwohl, der Name Tari gefiel ihr sogar und war sicher eine schöne Abkürzung für Taraniel.
Lushian hingegen zuckt zusammen, gerade so als hätte er eben in der Hitze des Gefechts etwas verraten, dass er nicht hatte preisgeben wollen. Die Prinzessin erkannte, dass der Mann ein recht guter Schauspieler war und das auch glaubhaft herüber brachte. Faoris zumindest schien es ihm abzunehmen, denn ihr Lachen verstummte und ihre Lippen verzogen sich zu einem bösen Grinsen.
“Tari, also….” die Hexe klang nachdenklich, “ein ungewöhnlicher Name für eine hübsche junge Frau.” Erneut fixierte sie die Prinzessin mit einem kalten Blick. “Das ist doch sicher eine Abkürzung, oder?”
Taraniel verengte nur trotzig die Augen und Faoris grinste wieder.
“Natürlich ist es das.” Sie schüttelte den Kopf als wäre sie verwundert. “Wo also kommst du wohl her? Ein Bauernname ist das nicht. Los Schätzchen, antworte mir schon. Ich weiß dass du sprechen kannst, schließlich hast du Lushian aus dem Fluch befreit, den ich über ihn gesprochen habe und dafür muss man sprechen können.” Sie funkelte die Prinzessin an, dann wandte sie ihren kalten Blick wieder Lushian zu, der immer noch vor Taraniel stand. Wieder schüttelte die Hexe leicht den Kopf, gerade so als sei sie enttäuscht. “Oh Lushian,” ihre Stimme hatte einen ironischen Klang, “so tapfer, so mutig, immer noch. Du hättest so gut in meine Reihen gepasst. So gut hättest du dich gemacht neben Leonard, deinem besten Freund.” Erneut lachte die Hexe laut auf.
Einer der Reiter, ein großer, stattlicher Mann nahm seinen schwarzen Helm ab. Darunter kamen lange dunkle Haare und ein markantes Gesicht zum Vorschein, das man eigentlich als gutaussehend bezeichnen hätte können, wären da nicht die seelenlosen, leeren Augen gewesen. Taraniel sah wie Lushian heftig zusammenzuckte und erkannte, dass dieser Mann wohl Leonard sein musste. Der Fremde blickte den Krieger traurig an und da erkannte die Prinzessin, dass er zwar seine Seele verloren hatte, aber nicht seine Erinnerungen und das was ihn zu dem gemacht hatte, der er einst gewesen war. Aber trotzdem schien ihm etwas zu fehlen. Auf jedem Fall wirkte es so auf die junge Frau. Als wäre etwas in dem dunkelhaarigen Mann erstarrt, erfroren. Sie löste ihren Blick von Leonard und sah Lushian von der Seite her an. Im Gesicht des hellhaarigen Kriegers arbeitete es.
Vorsichtig berührte Taraniel ihn am Arm, damit er sie ansah, was er aber nicht tat. Also schob sie zögernd ihre Hand in die seine und der Mann drückte fest zu und zeigte ihr so wie schrecklich er sich fühlen musste. Lange Momente verharrten die beiden so, dann zog Lushian sie nahe an sich und baute sich erneut vor ihr auf..
“Wenn du an sie heran willst, Faoris,” wandte er sich an die Hexe, “dann musst du erst an mir vorbei!” Lushian klang sehr, sehr bestimmt, doch die Feuerhaarige lachte nur um so lauter, vollführte eine befehlende Geste in die Richtung des Kriegers und begann in einer fremden Sprache zu sprechen. Lushian stöhnte laut auf und sank dann langsam in die Knie, während er seinen Leib umklammerte. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerzen und er krümmte sich zusammen. Schimmer, die kleine Drachenechse kreischte erschrocken auf und huschte zu dem Krieger, voller Angst, doch unfähig irgendetwas zu tun. Ganz offensichtlich wandte Faoris wieder Magie an, diesmal um dem Krieger Schmerzen zuzufügen. Entschlossen zog Taraniel ihren langen Dolch, ohne den sie niemals aus dem Haus ging, sprang zwischen die Hexe und Lushian und teilte einen Hieb in Richtung der Hexe aus. Diese wich der ungezielten Attacke mit Leichtigkeit aus, aber der Hieb zielte auch gar nicht darauf ab Faoris zu verletzen. Er sollte die Hexe lediglich unterbrechen und das gelang Taraniel spätestens mit ihrem Schrei.
“Lass ihn in Ruhe, du Hexe!”
Der laute, gellende Ruf hallte in der Ruine wieder. Faoris unterbrach verblüfft ihren Zauber und starrte die Prinzessin

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