Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Humor > dumm gelaufen

The Harder They Come...

von Bob

1 2 3

[size=18][b]The Harder They Come...[/b][/size]


Die Bäder-Allee erstreckte sich ruhig in einem verregnetem Sonntagnachmittag, als ein grüner Bus einbog, um gemütlich die baumumrahmte Strasse entlangzufahren. Längs der Tür entlang prangte aufdringlich ein kunterbunt ausgemalter Slogan: "Der dumme August - Miete mich: 0173/234859".
Der Fahrer, gleichzeitig auch eigener Chef und Angestellter in einem, hatte sich schon in Schale geworfen und ihm fehlte nur noch seine rote Perücke, die neben ihm zerknautscht auf dem Beifahrersitz lag, in dessen Mulde ein ebenso zerknautschtes Softpack Marlboro lagerte. Der dumme August streckte seine zittrigen Finger aus, und steckte sich, ohne von der Strasse abzusehen, in meditativer Ruhe eine Zigarette an.
Ein Kindergeburtstag war angesagt. Neun von zehn Aufträgen waren Kindergeburtstage. Einer von zehn war eine etwas gehobenere Gesellschaft, die den dummen August als Gag einsetzten, wie ein extra unpassendes Geschenk zum Geburtstag, ein humorvoller Witz, der entweder von großer Freundschaft oder genau dem Gegenteil zeugt. Diese Veranstaltungen waren die reinste Demütigung. Der Auftritt von sich aus war schon zum Scheitern verurteilt, warteten doch alle Anwesenden nur auf einen Patzer, eine verirrte Kugel beim Jonglieren, die im besten Fall ein Teil des Buffets vom Tisch befreite, oder gar die Suppe über ein paar Gäste vergoss.
Kinder waren dem dummen August schon lieber. Aber besser nicht zu alt, da ab einem gewissen Zeitpunkt zynische Eigenschaften, besonders unter Jungs, hervortraten. Die allseits bekannte Zeichnung einer Rotznase, die dem Weihnachtsmann den falschen Bart vom Kinn zog.

Der dumme August fuhr nicht schnell, sondern rollte gemütlich die lange Strasse entlang, während die Regentropfen stumpf auf die Windschutzscheibe prasselten. Es war mehr ein ruhiges Nieseln, weswegen der Clown sich nicht um die Scheibenwischer bemühte, deren eklig schmieriges Geräusch er nicht ausstehen konnte. Leise, wie aus dem Hintergrund, dudelte das Radio vor sich hin, [i]The Man in Me[/i] von Bob Dylan.
Beiläufig wagte er einen Blick in den Rückspiegel, um sein geschminktes Gesicht zu überprüfen. Das Gesicht war fast komplett mit weißer Schminke überdeckt, dabei kaschierte die Farbe leider nicht komplett seinen drei Tage Bart, sondern brachte unregelmäßig schwarze Stoppeln zum Vorschein. [i]Mist[/i], dachte der Clown als er seine Nase betrachtete. Er muss sich wohl unbewusst gekratzt haben, denn der obligatorisch runde Nasenpunkt lag verwischt über einen Teil des Gesichts. Das sah mehr nach einer blutigen Nase aus, als ein Anzeichen für Lustig-Sein. Seine tiefen und schwarzen Augenränder wollten sich partout nicht unter der Maskerade verstecken, wobei sich der Clown jetzt mehr wie das Klischee-Bild eines Serienkillers vorkam. [i]Scheiß drauf[/i], die Eltern des Geburtstagskindes hatten lange versucht über den Preis zu verhandeln, und der dumme August hatte sich mehr aus Langweile am Gespräch, als aus Geschäftstüchtigkeit, um den Preis senken lassen. [i]Sollen sie doch mal sehen, was sie für ihr Billig-Produkt bekommen[/i].

Die Kippe brannte an Zeige- und Mittelfinger, ein Anzeichen dafür, dass nun das Maximale aus der Zigarette herausgezogen war. Also kurbelte der Clown kurz das Fenster herunter, schnippste die Kippe elegant gegen einen parkenden Mercedes, und steckte sich umgehend eine neue an. [i]Moment...da müsste doch noch[/i]. Mit gelegentlich schnellen Blicken auf die Strasse, kruschte der dumme August unter seinem Sitz zwischen leeren Bierflaschen, zerknüllten Werbeprospekten und leeren McDonalds-Tüten, eine kleine Flasche Jägermeister hervor. Argwöhnisch betrachtete er ihren Inhalt, denn sie war schonmal geöffnet worden, und er wollte sicher gehen, dass sich keine Kippe in den Rest an Schnapps verirrt hatte. [i]Gut, rein.[/i] Er kippte sich das Schlückchen auf einmal in die Kehle, was sofort ein beruhigend warmes Gefühl in seinem Rachen auslöste. Die leere Flasche landete mit einem hellen Klirren wieder an ihrem Ursprungsort.

[i]The Harder They Come[/i] ertönte nun aus dem Radio. August drehte routiniert einen Tick lauter, um sich in die richtige Stimmung zu bringen. Er überlegte, ob er vielleicht noch an einer Tankstelle ein Päckchen Kaugummis erstehen sollte, um den Geruch von Alkohol zu verdecken. [i]Scheiß drauf...scheiß drauf, scheiß drauf, scheiß drauf. Zu wenig bezahlt[/i]. Spontan stellte sich nun eine gute Laune beim dummen August ein, über dessen Grund er sich nicht eindeutig bewusst war. [i]Cause as sure as the sun will shine / I'm gonna get my share now what's mine[/i], sang der Clown spontan und ziemlich euphorisch mit. Er schlug dabei mit der Faust gegen das Dach des Busses, um seine Aussage zu untermauern.

Die gute Laune zerbrach allerdings wieder in enttäuschte Scherben, als er seinen Zielort erblicken konnte. Der Vater des Kindes stand vor der Haustür und signalisierte mit seinem gezückten Handy das Ärgerniss über die Verspätung. Der Clown guckte auf die analoge Uhr auf seinem Armaturenbrett und bemerkte die 30 Minuten Verzug. [i]Pünktlichkeits-Faschist[/i], dachte sich der dumme August und setzte sich lieblos mit einem Handgriff die Perücke auf. Sie hing schief, aber [i]zu wenig bezahlt.[/i]
Er parkte den Bus etwas unglücklich schräg auf dem Bordstein und betrachtete sich das Haus seiner vorläufigen Bestimmung.
[i]Mittelstands-Bonzen.[/i] Zwei Etagen, ein mit Holz umzäunter Vorgarten, Ranken schmückten die Hauswand. Direkt nebendran eine kleine Garage, dessen Tor kindlich bemalt wurde, wohl aus dem Grund, die Nachbarn auf das Vorhandensein eines Nachwuchses aufmerksam zu machen.

Er schaltete das Radio aus, zog den Schlüssel, und bemühte sich um umständlich aus dem Bus heraus. Er war nicht dick, sondern konnte nur einen kleinen Bierbauch präsentieren, auf den er ohne Scham schon ein wenig stolz war. Schwangere brüsten sich doch auch mit ihrer Rundung, warum sollte er das nicht dürfen?
Mit diesen Gedanken drückte er das Schließknöpchen seines Busses herunter (er hasste Zentralverriegelungen) und knallte einen Tick zu laut die Tür zu.

"Hatten wir [i]sie[/i] bestellt?", fragte der Herr des Hauses mit einem vorwurfsvollem Ton nach.

"Ist das eine Fangfrage?", entgegnete der dumme August, wobei er eigentlich lieber ein knappes [i]Mund zu[/i] geantwortet hätte.

"Naja, die Kinder warten schon." Sehr gut, der Meister hatte schon den Schwanz eingezogen, das wird ein leichtes Spiel, dachte sich der Clown.

Meister Vater begleitete ihn durch die Haustür ("Schuhe aus...hm...SIE TRAGEN JA GAR KEINE CLOWNS-SCHUHE!"), und führte ihn durch den Hausflur bis zum hinteren Garten, indem sie einen Pavillon aufgestellt hatten ("Und falls es regnet?"). Der dumme August zog sich nach seinem kurzzeitigen Socken-Intermezzo wieder die Schuhe an, und sondierte erstmal die Lage. Die Geburtstags-Party beherbergte die Eltern des Kindes, und eine handvoll Freunde des kleinen Rackers, wobei er das Alter

1 2 3

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.