The Virus Buch alpha 3
von
Obscurefighter
1
II
Es knallte. Es donnerte. Es war ohrenbetäubend laut.
Ich schreckte hoch und starrte wie gebannt nach vorne. Dann wandte ich meinen Blick zum Bett neben mir. Steven saß auf seiner Bettkante, die Pistole in der Hand und sah sehr ernst drein. Langsam stand er auf und ging zur Tür. Ich erhob mich ebenfalls und zog meine Waffe hervor. Jemand schlug von draußen gegen die Tür. Laut und donnernd. Ich stellte mich hinter Steven, der drohend die Waffe auf die Tür richtete. Er sah über seine Schulter zu mir und frage leise:
"Soll ich aufmachen?"
"Vorsichtig. Ganz vorsichtig."
Da erklang eine laute, panische Stimme hinter der Tür:
"Hilfe! Lasst mich rein! Hilfe!"
Steven wandte sich zu mir um.
"Das ist Marko."
Marko war Stevens bester Freund. Ich deutete auf die Tür.
"Dann mach auf. Schnell."
Steven riss die Tür auf und Marko stolperte rein. Die Tür knallte hinter ihm zu. Schwer atmend stand er vor uns. Seine schwarzen Haare hingen in Stränen herab. Er stützte sich auf seine Knie ab und wischte sich mit der Hand den Angstschweiß von der Stirn.
"Danke. Danke."
Er richtete sich auf und schien erst jetzt zu bemerken, wer ihn da gerettet hatte. Er grinste in die Runde.
"Hi, was macht ihr beiden denn hier?"
"Das Gleiche könnten wir dich auch fragen", brummte Steven. Ich sagte gar nichts. Marko deutete nach draußen.
"Ich laufen schon die ganze Zeit hier rum und suche jemanden, der mir... ah!"
Er knickte seitlich weg und fiel auf den Boden. Erst jetzt sah ich die stark blutene Wunde an seinem rechten Bein.
"Verdammt, Marko." Ich hockte mich neben ihn, aber er schob mich weg.
"Ach was, dass sieht schlimmer als es ist."
"Vergiss es. Steven. hilf ihm mal hoch."
Steven brummte etwas, packte Marko aber unter dem Arm und zog ihn hoch. Marko hinkte zu einem der Betten und ließ sich draufsinken. Ich besah mir das Bein mal genauer. Tiefe Schnitt und Bisswunden zeichneten sich ab. Sie waren schon etwas verheilt, die Gefahr einer Infektion bestand aber immer noch. Ich richtete mich auf und wandte mich an Steven.
"Gibt es hier einen Verbandskisten?"
"Ja, im Hauptraum. Warte, ich hol ihn."
"Nein, du bleibst hier. Ich mach das."
"Aber..."
"Kein aber, sonst aber ich dir was zurück."
Völlig verdutzt starrte er mich an. Doch ich zog meine Pistole und ging zu Tür. Ich wartete nicht darauf, dass die Junge etwas sagten, sondern verließ den Raum einfach.
Es war dunkel und still. Ich fingerte etwas nervös an meiner Waffe herum und entsicherte sie endlich. Ich atmete tief ein und aus.
"Also gut, Josi, beruhige dich und erinnere dich an das, was du im Waffenkurz gelernt hast."
Ich schüttelte mich und ging ein paar Schritte nach vorne. Die Waffe hielt ich vor mir. Bei jedem Geräusch zuckte ich zusammen. Ich ging leicht in die Hocke und schlich zum Hauptraum der Polizeistation.
Der Mond schien schon durch das Fenster und tauchte den Raum in ein gespentisches Licht. Ich richtete mich auf und sah mich um. Da vorne an der Wand hing der weiße Kasten, von dem das rote Kreuz nur so hervorsprang. Ich rannte durch den Raum und riss ihn von der Wand.
"So, dass hätten wir. Jetzt nichts wie zurück zu den Jungs."
Ich wandte mich um und schreckte zurück. Ohne einen Ton von sich zugeben waren mehrere Zombies hinter mir aufgetaucht. Ich sprang schutzsuchend hinter einen Tisch und atmete tief durch. Jetzt blieb mir nur eine Wahl. Ich musste mein Gelerntes anwenden und mein Leben retten. Auch wenn das hieß diese Viecher zu erschießen. Ich entsicherte die Pistole, ging dann in die Hocke und zielte über die Tischplatte. Ich peilte einen der Zombies an. Sie waren nicht schnell, aber sie hatte mich eingekesselt. Ich musste ein paar von ihnen umschießen und dann rennen. Doch wo sollte ich hinzielen? Steven hatte einem der Dinger in die Brust geschossen und es hatte weitergelebt.
"Komm, Josi, denk nach. Vielleicht in die Brust und in den Kopf. Hab mal gehört, dass das klappen soll."
Ich versuchte es. Zwei Schüssen hallte durch die Station und einer der Zombies kippte nach hinten über. Er blieb regungslos liegen. Ich hatte es geschafft. Ich grinste und erschoss noch einige andere Zombies.
Endlich waren genug weg, sodass ich hinter dem Tisch hervorsprang und zurück rannte. Ich brauchte nicht einmal klopfte, denn Steven stand schon in der Tür. Er sah etwas besorgt aus.
"Alles ok?"
"Ja. Mach die Tür zu."
Er schloss die Tür hinter mir und ich steckte die Waffe weg. Marko lag immer noch auf dem Bett. Er sah mich besorgt an.
"Wir haben Schüsse gehört."
"Ja, da waren einige Zombies. Aber ich glaube, ich habe ein paar erwischt."
"Du?" Steven sah mich ungläubig an. Ich nicke."
"Ja, ein Mädchen kann so etwas. Und jetzt zeig mal dein Bein, Marko."
Widerstandlos, er war wohl ziemlich beeindruckt, legte er das verletzte Bein etwas höher und ließ zu, dass ich es mir genauer besah.
Ich hatte keine Ahnung, was genau ich machen sollte, doch Marko half mir. Er gab mir Tips, keine Anweisungen, wie ich ihm am Besten helfen konnte. Endlich hatte ich es geschafft und schloss den Koffer. Steven hockte auf einem Bett uns gegenüber und hatte die ganze Zeit geschwiegen. Jetzt steckte er das Messer, mit dem er gespielt hatte, weg und wandte sich an Marko.
"Weißt du, was hier los ist?"
Marko machte es sich bequemer. Er sah von mir zu Steven und wieder zurück. Schließlich seufzte er und schüttelte den Kopf.
"Nein. Ich war angeln, mit meinem Dad. Wir waren draußen, weit weg von der Küste. Ich weis nur noch, dass es laut geknallt hat. Oder gerummst. Ich weis nicht mehr so genau."
Er fasste sich an den Kopf und schloss die Augen. Ich hatte Mitleid mit ihm. Also wandte ich mich an Steven.
"Lass wir die Sache gut sein und legen wir uns wieder hin. Morgen sehen wir weiter."
Steven brummte etwas, legte sich dann aber in das Bett, auf dem er hockte und zog sich die Decke über den Kopf. Ich stand auf und zu dem Bett, in dem ich geschlafen hatte. Ich legte mich hin und starrte die Decke an. Steven begann zu schnarchen, aber Marko schien, genau wie ich, wachzuliegen. Eine ganze Weile schwiegen wir.
"Danke, Josi", murmelte Marko. Ich sah ihn nicht an, antwortete aber.
"Kein Problem."
"Was machen wir jetzt?"
"Weis nicht. Wir werden sehen."
"Na gut. Schlaf gut."
"Ja. Du auch."
Ich drehte mich auf die Seite, schloss die Augen und versank endlich wieder im Reich der Träume.
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