TodesÄngste
von
AmA
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Prolog
Ich erinnere mich genau.
Es war ein Samstag, nein ein Sonntag, ich höre noch die Glocken läuten, unser Haus stand direkt neben einer Kirche.
Ach, ein kleiner Hinweis an alle, die des Inhalts der folgenden Zeilen nicht kundig sind oder auch nicht den Hauch
einer Ahnung haben:
Dies ist keine fröhliche und glückliche Geschichte mit Happy End. Ooooh nein, das kann nun wirklich keiner behaupten.
Vielmehr ist es eine traurige und trostlose Geschichte mit einem ebenso düsteren Ende. Denn, lasst euch gesagt sein,
der Tod haust auf zu vielen dieser Seiten, mit zu vielen Worten wird er erwähnt und beschrieben und zu oft hat er die
Überhand. Nur selten bleibt Platz für ein wenig Glück. Denn diese Seiten sind rabenschwarz, triefen nur so von Grausamkeit
und endloser Verzweiflung. Wer jedoch bereit ist, über seinen Schultern blanken Schauder ergießen zu lassen, wer bereit ist,
im Angesicht des Todes zu frösteln und wer sich sicher ist, standhaft bleiben zu können. Wer dem Tod als der Fels
in der überaus stürmischen Brandung gegenübertreten will; der möge weiterlesen, begierig aufnehmen, darüber nach-
denken und zu guter Letzt dieses Buch zur Seite legen, ihm zärtlich über den Rücken streichen und mit einem Lächeln
im Gesicht sagen: Gott sie Dank!
1. Kapitel
Nun, ich erinnere mich genau. Wie gesagt, es war Sonntag, und das traurige Klagen der Kirchenglocken wehte in das
kleine Zimmer. Ich saß in diesem Raum, am Fenster, um genau zu sein, und starrte mit leerem Blick auf das Bett.
Ich saß schon eine Weile dort und starrte auf das Bett.Zuerst allein, dann leistete mir der Dorfpfarrer Gesellschaft.
Jetzt stand er mir gegenüber, auf der anderen Seite des Bettes, mit gefalteten Händen und gesektem Blick, so wie
er es immer tat, wenn ich ihm begegnete. Durch unser beider Schweigen entstand eine Stille, eine tiefe, undurchdringliche
Stille- ich erinnere mich, dass ich mich anfühlte, wie in einem Sarg. Nicht das ich damals wusste, wie sich das anfühlte, aber
damals fühlte ich es einfach und vermutete dass es sich so in einem Sarg anfühlte. Heute weiss ich es.
Nun, wo war ich stehen geblieben?
Ach ja... diese Stille. Was geschah dann...?
Plötzlich ertönte ein leises Stöhnen vom Kopfende des Bettes, ein gequälter Unterton war dennoch herauszuhören.
Ich zuckte zusammen, dann fuhr mein Kopf hoch. Ich suchte das vertraute Gesicht unter all den Decken und Kissen.
Als ich es fand, erschrak ich noch ein wenig mehr. Zuvor hatte ich nur im Sarg gelegen, jetzt klappte der Deckel zu.
Ich kann mir den Anblick meiner Mutter nich heute in den Sinn rufe. Nach all den langen Jahren habe ich es nicht vergessen.
Sie sah, um es milde auszudrücke, nicht gut aus. Ihr sonst so glattes Gesicht schlug tiefe Falten, man sah ihr an, dass sie
in kurzer Zeit viel abgenommen hatte An keinem Tag vor diesem hätte ich sie mir so....schwach vorstellen können.
Ihre sonst so selbstbewussten Züge waren gebrochen, der furchtlose Ausdruck, den ich von ihr gewohnt war, war
abgebröckelt wie eine Maske. Übrig geblieben war eine von Schweiß bedeckte, zitternde und käseweiße Grimasse.
Später sagte mir ein weiser Mann und Bekannter:
"Das Wesen und den Charakter eines jeden Menschen und Tieres, kannst du an seinen Augen ablesen. Augen sind aus-
sagekräftiger als eine ärztliche Untersuchung oder ein Steckbrief. Du kannst an einem einzigen Blick den Zustand deines
Gegenübers erfassen: Hat er Angst, ist er glücklich, hatte er einen guten oder schlechten Tag?
Ist er ruhig und besonnen, jähzornig und unbeherrscht? In den Augen spiegelt sich die Seele wieder."
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht so gut LESEN, so wie es später der Fall war. Doch als meine Mutter ihre
Augen öffnete und wild durch ihr vom Schweiss verklebtes Haar an die Decke starrte, da sah ich direkt hinein. Und
trotz meine geringen SEH- Fähigkeit konnte ich Angst, bittere, hoffnungslose Angst spüren.- Ich war erst 5.... damals
war es mehr so, als ginge ihre Angst, dieses hässliche Gefühl, auf mich über- wie gesagt, LESEN konnte ich noch nicht.
Dieser Blick brannte sich in mein Gedächtnis ein wie die Marke eines Ranch- Besitzers sich in das Fleisch der Kuh brennt.
Und es wirkte genau so.
Viele Jahre später führte ich mir dieses Bild vor mein inneres Auge, da konnte ich lesen. Und ich las, dass sie wusste, dass sie
sterben würde. Eines überraschte mich besonders: Die Angst, die ich damals gespürt hatte, die hatte sie nicht etwa
vor dem Tod... nein. Die hatte sie davor, weiter mit ihren Schmerzen leben zu müssen.
Angst vor dem Leben, nicht vor dem Tod.
...
...
...
Habe ich es schon erwähnt? Selbst wenn, ich wiederhole mich gerne noch einmal für all jene, die nicht aufmerksam die letzten
Zeilen gelesen haben:
Damals konnte ich noch nicht LESEN.
Deshlab blieb mir diese Erkenntnis im Auge für lange Zeit verborgen.
Aber nicht für immer...
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Kommentare
A.m.A schrieb am 2010-10-01 16:49:53:
@ karl: ja, das ist eine fortsetzungsgeschichte. Ich wollte erst mal schauen, wie mein Stil so bei den Lesern ankommt, wenn genügend kommentare auftauchen (min.10) werde ich weiterschreiben.
@lila: danke! Und nein, sie ist nicht wahr. Was wohl spätestens in Kapitel 2 klar werden wird, aber ich will ja nichts im Vorraus verraten ;)
lia schrieb am 2010-10-01 14:52:01:
wow coole geschichte ist sie war?
karl1189 schrieb am 2010-10-01 08:25:26:
Hi A.m.A
Ich finde deinen Anfang spannend und fesselnd, aber der Restd
der Geschichte ist zu langgezogen. Aber ich mag deinen Schreibstil,
man hat sofort einen alten Mann am Lagerfeuer vor sich.
Dem Ende nach zu urteilen ist das eine Fortsetzungsgeschichte??
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