Todesengel
von
Jeiy
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Prolog
Todesengel…man konnte ihn wohl wirklich so nennen…
Ja, wenn diese Bezeichnung überhaupt auf jemanden zutraf, dann auf ihn.
Wieder stand er inmitten von Leichen. Dickflüssiges Blut rann an den Überresten der schroffen Mauern herab und sammelte sich auf dem staubigen Grund zu purpurnen Seen.
Er hatte es schon wieder getan. Ungläubig starrte er auf seine roten Hände. Wie Vielen hatte er wohl heute mit diesen Händen das Leben genommen? Hunderten? Tausenden? Er hatte keine Ahnung und vielleicht war es auch besser so…Wissen bedeutete nun mal nicht zwangsläufig auch Glück…
Und dennoch…es war faszinierend! Nicht für ihn, aber für mich. Ich beobachtete ihn schon eine ganze Weile, versteckt hinter einem Felsvorsprung. Er hatte mich nicht bemerkt…nein, für ihn existierte ich gar nicht. All die Jahre hatte ich ihn wie ein Schatten verfolgt und nun war ich es, der ihn wohl am Besten kannte. Ich kannte seine Kampftechnik, seine Methoden und auch die Art und Weise wie er tötete. Ich war bisher der Einzige, der eine Begegnung mit ihm überlebt hatte, der Einzige, der auf dem Schlachtfeld nicht von seinen eisernen Schwingen durchteilt oder seinen mörderischen Krallen durchbohrt wurde und ich war der Einzige, der seine wahren Gefühle kannte.
Ja, seine Gefühle…denn wider Erwartens konnte er fühlen.
Schmerz, Leid, Trauer, Abscheu, Schuld…Empfindungen wie diese sah ich jedes Mal in seinen leuchtend grünen Augen aufflackern, wenn der Schlachtlärm der Stille und das Leben dem Tod gewichen war. Jedes mal, wenn er eine Stadt oder auch ein komplettes Volk ausgelöscht hatte, stand er unbeweglich inmitten der Toten. Genauso wie er es auch heute wieder tat.
Er empfand Mitleid mit ihnen, das wusste ich. Es tat ihm Leid, um jedes Leben, das er genommen hatte. Ich konnte es in seinen stechenden Augen sehen…vieles konnte ich in diesen Augen erkennen, nur eine Erklärung nicht. Nein, ich verstand ihn nicht.
Aus welchem Grund kämpfte er und warum tötete er gegen seinen Willen? Was machte ihn zu dem Todesengel, der er war und warum zerstörte er so bereitwillig seine eigene Seele damit?
Ich wusste es nicht.
Ich kannte ihn vielleicht besser als alle anderen aber verstehen konnte ihn wohl niemand. Möglicherweise würde er auch bis in alle Ewigkeit unverstanden bleiben, doch das war mir egal. Ich konnte ihn nicht seinem Schicksal, diesem grauenhaften, blutigen Schicksal, überlassen, das war mir nicht möglich…
Ich beobachtete, wie er plötzlich seine Flügel anhob. Diese Flügel, die aus unzerbrechlichem Metall zu bestehen schienen und deren Kanten so scharf wie die Schneide eines Schwertes waren. Seine Reise ging also weiter…
Auch ich spreizte meine Schwingen daraufhin etwas. Die schwarzen Federn raschelten leise im Wind.
Wohin er auch reisen würde, ich würde ihm folgen. Das hatte ich geschworen und ich würde einen Weg finden ihn von seinem Schicksal zu befreien. Auch, wenn ich keine Ahnung hatte wie er zu dem Todesengel dieser Welt geworden war, würde ich ihm helfen. Denn immerhin war er mein Bruder…
(Das ist nur der Prolog einer neuen Geschichte, die mir irgendwann mal in den Sinn gekommen ist. Ich hab ehrlich gesagt noch keine Ahnung wie sie weiter gehen soll und ob überhaupt noch etwas daraus wird, aber vielleicht lohnt es sich ja trotzdem sie hier rein zu stellen ^^)
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Kommentare
Jeiy schrieb am 2008-05-05 16:51:13:
Hallo Bonita!
Ist deine Anmerkung zu der Gedankenänderung nun positiv oder negativ zu verstehen? Naja, aber wie auch immer, ich bin echt überrascht wie gut dieser Prolog bisher angekommen ist! Das freut mich wirklich und ich denke, sobald ich wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben finde, werde ich auch an dieser Geschichte etwas mehr herumfeilen ^^
Mfg
Jeiy
Bonita schrieb am 2008-05-01 20:55:52:
Toller Prolog mit einer kleinen Gedankenänderung (siehe letzter Satz). Wirklich gut gelungen! Werde mich gleich daran machen, weiter zu lesen!
LG
Bonita
Jeiy schrieb am 2008-03-10 17:12:08:
Vielen Dank, Tyrth und Sturmkind, es freut mich wirklich, dass diese Geschichte so gut hier ankommt! Ich bin auch gerade dabei an ihr weiter zu schreiben. Also, viel Spaß noch beim lesen ^^
Mfg
Jeiy
Sturmkind schrieb am 2008-03-09 17:23:01:
Sehr schön.. Sehr flüssig und in sich sehr schlüssig geschrieben..
Bisher rundum gelungen.. Lese gerne weiter..
Tyrth schrieb am 2007-10-22 18:39:04:
spannend und sprachlich gut geschriebener Prolog...viele ungebrauchte ideen, hoffe auf Spannende Fortsetzung
Tyrth
Hoffe das meine Geschichte auc gut wird ;)
Jeiy schrieb am 2007-10-22 17:51:44:
@ Anariel:
Ja, mir geht es auch oft genauso wie dir: Mir kommt plötzlich und unerwartet eine neue Idee, die mich sosehr fasziniert, dass ich sie einfach aufschreiben muss! Es kommt zwar schon oft vor, dass ich mit diesen Ideen später wirklich nichts anfangen kann, aber es tut trotzdem einfach gut, seiner kreativität manchmal freien lauf zu lassen ^^
Mich freut es auf jeden Fall, dass dir dieser prolog gefällt und ich glaub diese Geschichte könnte wirklich Gestalt annehmen. Sie gefällt mir und ich glaub neben Licht und Finsternis werd ich auch an ihr weiter herumbasteln ^^
@ Lilly:
Auch an dich ein großes Dankeschön für deinen freundlichen Kommentar! Es ist immer schön, wenn die eigenen geschichten gut ankommen, vielen Dank! ^^
mfg
Jeiy
Lilly schrieb am 2007-10-20 17:48:28:
Super Anfang, wirklich klasse und es wäre schade, wenn du sie nicht weiter schreiben würdest...
Liebe Grüße
Lilly
Anariel schrieb am 2007-10-20 05:09:12:
Huhu Jeiy,
nun dieser Orolog hat mir sehr gut gefallen. ;)
Es kann auf jedenfall nicht schaden, solche in den Sinn gekommenen Geschichten oder Geschichtenteile wo rein zu tun, also meine Meinung dazu.
Ich persönlich sag ja immer , wenn mir solche Geschichten kommen, oder deren Anfänge bzw Teile, das sie mir aus dem Dunkel der Nacht zufliegen, manchmal springen sie einem auch regelrecht an.-grins- Naja da ich meist Nachts schreibe, kann ich das gut sagen.
Auf was ich eigentlich hinauswill:
Ich habe mir angewöhnt solche Geschichten so schnell es geht zu schreiben, ob am Pc oder per Hand. Selbst wenn ich in dem Augenblick noch gar nicht weis, was ich damit anfangen will. Selbst wenn ich im Moment nichts damit anfangen kann, so landen sie in meinem "Ideenfundus" oder, wie ich auch ganz gerne mal sage "Iddenbunker". Früher oder später kommen einem dazu schon noch Ideen. Oft ist es gerade so, das man nur im Moment nix damit anfangen kann und zwei Tage später kommt einem, das diese Idee vielleicht eine tolle vorgeschichte zu einer Storie ist, an der man bereits schreibt., oder eventuell die Fortsetzung sein könnte. So ging es mir schon ab und an, zuletzt bei "Engel der Nacht".
Was ich sagen will: Es lohnt sich alle mal solche Ideen festzuhalten. Seis ein Prolog, ein Teil mittendrin, eine besondere Landschaft, eine Personenbeschreibung, ein ausgewöhnliches Volk, oder einfach nur eine besondere persönlichkeit, eine seltsame Figur, die man am Wegrand aufsammelt und noch gar nicht weis, in welche Geschichte sie nun eigentlich passen will.
Ah ich labere und labere.-lacht-
Wie gesagt, der Prolog gefällt mir schon ausnehmend gut.
Sag, könnte das nicht eine prima Vorgeschichte zu "Licht und Finsternis" abgeben?
Mit lieben spätnächtlichen Grüßen
Anariel
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