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Kategorien > Horror > Begegnungen

Todesfluch

von Neunrute

Schon am Tage ihrer Geburt machte Xenia ihrer Mutter Angst. Sie spürte sofort, dass dieses Neugeborene anders war. Mit stechend hellgrünen Augen sah der Säugling ihr geradewegs ins Gesicht, und die Mutter hätte schwören können, das Spott und Abscheu in diesem Blick lagen.
Zunächst ahnte niemand im Dorf etwas von der Hexenkraft, die Xenia von klein auf besaß. Nur ihre Mutter stellte sich manchmal bange Fragen. Zum Beispiel als der kleine Hund plötzlich starb, der Xenia gebissen hatte, oder als das Herz des jungen Lehrers, den Xenia verabscheute, ganz unerwartet stehen blieb. Und es gab noch weitere solcher Ereignisse: Eine Nachbarin, die sich des öfteren über Xenia beschwerte, stürzte die Treppe hinunter und brach sich das Genick. Der Junge von gegenüber, der Xenia wegen ihrer spitzen Nase ausgelacht hatte, wurde von einem Bus überfahren. Eine Klassenkameradin, die schlecht über Xenia redete, wurde nachts in einem Park ermordet. Als aber dann auch noch ihre Schwester, die zu gleichen Teilen das beträchtliche Vermögen der Großmutter erben sollte, kurz nach deren Tod von einem Blitz erschlagen wurde, begannen die Leute, über die Familie zu tuscheln.
Bald wurde Xenia von allen gemieden. Ihre Mutter fürchtete sich sogar vor ihrer eigenen Tochter Xenia war aufsässig und zeigte deutlich, dass sie nichts als Verachtung für ihre Eltern übrig hatte. Aus Angst vor Rache schwieg die Mutter zu allem, was Xenia tat und sagte, und sprach zu niemandem über ihre Befürchtungen.
Nicht so der Vater. Er wich keinem Streit mit Xenia aus und ließ sich immer wieder bis aufs Blut reizen. Eines Abends war es besonders schlimm. Der Mutter wurde angst und bange, als sie sah, mit welchen Blicken Xenia ihren Vater maß. Ekel lag darin, Hass und - auch so etwas wie Hohn.
Dann fixierte Xenia ihren Vater, und auf einmal wurden ihre Augen ganz starr und bekamen einen seltsam fiebrigen Glanz. Der Mutter liefen eisige Schauer über den Rücken. Dann rollten Xenias Augäpfel nach oben, so dass nur noch das rotgeäderte Weiße zu sehen war.
Der Vater schien nichts davon zu bemerken. Er schrie Xenia weiter an, und einen Augenblick später war der Spuk auch schon vorbei. Xenias grellgrüne Augen in dem bleichen Gesicht sahen aus wie immer. Bevor sie das Zimmer verließ, glitt ihr kalter Blick noch einmal gleichgültig über den Vater hinweg.
Am nächsten Tag geriet er in einen Sturm und wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen.
Von da an vermied es die Mutter, ihrer Tochter ins Gesicht zu sehen, und sie war atmete auf, als Xenia ihr kurz darauf mitteilte, dass sie weit weg in eine andere Stadt ziehen würde. Insgeheim hoffte sie, ihre Tochter nie mehr wiederzusehen.
In der Stadt lebte Xenia geraume Zeit ganz unauffällig. Nachts bewachte sie ein einsames Firmengelände, und tagsüber hielt sie sich meistens in ihrer Wohnung auf. Sie mied Menschen und Menschen mieden sie.
Eines Tages jedoch begegnete sie im Park einem kräftigen jungen Mann mit blonden Haaren, der eine unerklärliche, fast magische Anziehungskraft auf sie ausübte. Es war keine Liebe, die sie erfüllte, sondern Gier und maßlose, flammende, unersättliche Leidenschaft.
Auch der junge Mann verfiel ihr vom ersten Augenblick. Doch begnügte er sich nicht mit dem, was sie ihm überließ. Er wollte sie ganz, er begehrte sie mit Leib und Seele. Es dauerte jedoch nicht lange, bis er begriff, dass sie ihm nichts geben konnte als nur ihren Körper, und so trennte er sich schweren Herzens von ihr.
Heißer Zorn trieb Xenia tief in den Wald hinein. Diese innere Glut verzehrte sie. Sie schlug um sich, schrie und tobte in der Einsamkeit des dunklen Tanns. Sie konnte es nicht ertragen, es nicht hinnehmen, es durfte nicht sein, dass er ihr nicht gehorchte, dass er nicht tat, was sie wollte. Es gab nur eine Lösung: Sie musste ihm noch einmal in die Augen schauen. Ihre Entscheidung war gefallen. Langsam wurde sie ruhiger.
Noch am selben Abend lauerte sie ihm vor seiner Werkstatt auf und zerrte ihn mit sich in den Park. Er folgte ihr, denn sie war ihm noch nicht gleichgültig. Sie setzen sich auf die Bank, auf der sie ihren ersten verzehrenden Kuss getauscht hatten.
Die Farben des Parks verloren bereits an Leuchtkraft. Feiner Nebel dampfte aus dem Gras empor. Der Wind frischte auf. Kälte kroch von allen Seiten auf sie zu.
Er senkte den Kopf und sie schwiegen. Es gab nichts mehr zu sagen.
Aber nur ein Blick in seine blauen Augen würde Xenia genügen. Mit einer langsamen, fast genussvollen Bewegung strich sie sich ihre langen schwarzen Haare aus der Stirn, während sich die eisigen Finger ihrer anderen Hand in seine Schulter krallten. Mit fiebrig glänzenden Augen sah sie ihn unverwandt an. Er hob den Blick, konnte ihn nicht mehr abwenden, konnte sich nicht rühren, kaum noch atmen, wurde starr wie die Beute einer Schlange, verharrte auch dann noch, als er das blutgeäderte Weiße in ihren Augen sah und hörte, wie sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorstieß: "Verflucht zum Tode sollst du sein!"
Danach ließ sie ihn plötzlich los. Er sprang auf und rannte wie gehetzt, nur weg, weit weg von ihr. Er bemerkte nicht die feinen rauchigen Schwaden, die sich an ihn hefteten und sich um seine Gestalt wickelten wie ein leichter Kapuzenmantel, so dass er aussah wie der Tod in Menschengestalt. Aber Xenia bemerkte es und ein böses Glitzern trat in ihre Augen.
Von diesem Augenblick an bewegte sich der junge Mann in diesem unheilvollen Schatten. Der Tod folgte ihm auf seinem Weg nach Hause. Er umgab ihn, als er die einsamen Parkwege entlang hastete, und hielt vergeblich Ausschau nach einem Mörder. Er trieb den jungen Mann über Straßen, aber auch dort bot sich ihm kein Fahrzeug als Mordwaffe an. Er rief Sturm herbei, doch sein Opfer wählte einen Weg, der nicht unter Bäumen entlang führte. Er ließ ein Gewitter aufziehen, aber der junge Mann erreichte noch rechtzeitig das hohe Gebäude, in dem er wohnte. Schnell schloss er die Haustür hinter sich zu, so als ob er den unheimlichen Schatten spüren könnte, der ihn verfolgte.
Dem Tod war es ein Leichtes, selbst dicke Mauern zu durchdringen. Er umfloss den jungen Mann, als dieser die Treppen bis zu seiner Wohnung im obersten Stock hinaufeilte, und ließ ihn straucheln, aber sein Opfer konnte sich gerade noch am Geländer festhalten. Der Tod umklammerte den jungen Mann, als er sich erschöpft in einem Sessel niederließ, er griff ihm ans Herz und drückte zu, aber seine Beute war zu jung und gesund.
Schließlich schlief der junge Mann erschöpft ein. Viele Stunden lauerte der Tod in einer dunklen Zimmerecke. Er schlug nicht zu. Noch nicht. Er hatte sich umgesehen und alles vorbereitet. Geduldig wartete er. Nun da er wusste, wie sein Opfer sterben würde, hatte er Zeit.
Spät in der Nacht blieb eine einsame Gestalt vor dem Haus des jungen Mannes stehen und blickte nach oben. In einem Zimmer brannte noch Licht.
Xenia musste wissen, ob er schon tot war! Sie wusste, sie würde erst wieder Ruhe finden, wenn er seine Strafe bekommen hatte. Sie läutete.
Als der junge Mann ihr nach einiger Zeit die Tür öffnete, spürte sie sofort die modrige Anwesenheit des Todes. Es war wie ein hauchfeiner Geruch süßlicher Fäulnis, der die Luft durchzog.
Der Tod hatte den jungen Mann also noch nicht besiegen können. Aber Xenia wollte nicht mehr länger warten. Sie würde ihrem Verbündeten helfen und sie wusste auch schon, wie. Sie kannte sich hier besser aus als der Tod.
"Geh bitte!", sagte der junge Mann, aber Xenia drängte sich in seine Wohnung. Sie folgte dem feinen Duft der Düsternis und fand den Tod in einer Zimmerecke.
Mit ihren grellgrünen Augen fixierte sie den jungen Mann.
"Spürst du nicht den Gestank von Verwesung, der hier in der Luft liegt?"
Der junge Mann starrte sie an.
"Warum gehst du nicht mit mir auf den Balkon?"
Aber der junge Mann bewegte sich nicht.
Xenia öffnete die Balkontür. "Komm!", lockte sie. "Atme die frische Luft mit mir!"
Der junge Mann rührte sich immer noch nicht.
"Hörst du nicht!" Ungeduldig trat Xenia nach draußen. Sie wusste, wie niedrig das Geländer war. Mit beiden Händen berührte sie es. Gleich würde er darüber stürzen.
Der junge Mann stand immer noch wie angewurzelt mitten im Raum.
Doch es gab etwas, was Xenia nicht wissen konnte, einen Umstand, der nur dem Tod bekannt war, weil er seine Hände dabei mit im Spiel hatte: Der alte Holzbalkon war morsch geworden.
"Wo bleibst du denn?" Wütend stampfte Xenia mit dem Fuß auf.
Ein Knacken, Bersten, Splittern und Krachen erfüllte die Luft. Der Balkon brach ab. Und mit ihm stürzte Xenia in die Tiefe.

Kommentare

Yvi971990@aol.com schrieb:
Eine schaurige geschichte. Da hat xenia wohl noch ihre Strafe bekommen. Nur wer weiß wird sie aus der hölle wieder kommen ????? Ob du eine fortsetzung machst musst du endscheiden. ich fand sie sehr unterhaltsam vielleicht möchtest du ja mal meine Lesen du findest sie unter Spannung sie heißt "Bei Nacht und Nebel" ohne " "
wäre schön wenn du auch da dein kommentar mit abgeben würdest.

Yvi
Lisa_salwiczek@yahoo.de schrieb:
hey,echt ne suuuuuuuuupertolle geschichte. hast talent. genial
313131 schrieb:
Die Geschichte ist wirklich gut. sie hat mich vom Anfang bis zum ende gefesselt, und das ist selten bei mir.
Zum Glück ist deine Geschichte auch nicht zu lange geworden.
katzenfreundin.claudia@t-online.de schrieb:
Tolle Geschichte - vom Anfang bis zum Ende.
Ghostmaster schrieb:
Das Leben ist ein Spiel. Und Xenia hat ihre Strafe bekommen. Wer ist der nächste?

Mal ernsthaf die Geschichte ist sehr gut.
loewin17@gmx.at schrieb:
hey die geschichte ist echt gruselig!ur supi! weiter so!
alex_fochler@yahoo.de schrieb:
Hey deine geschichte ist echt super!!ich fand sie spannend und am ende löst sie sich gut auf!!! Meine Geschichte ist noch in arbeit ddu kannst sie unter Abenteuer finden sie heißt "ein ausschnitt aus `Himmel oder Hölle´" es ist ein ausschnitt aus meinem Buch...
Aeluin@web.de schrieb:
^^...was nicht alles dabei rauskommt,wenn man seinen Namen suchen lässt...darf ich mich vorstellen?...Xenia....*funkel*
jasmin.klink@web.de schrieb:
hii !! die history is cool aba vll n bissl langweilig un imma sau herumgeschrieben aba sonst klasse *löl*
webmistress@denise-michelle.de schrieb:
Wow, nicht schlecht! Gefällt mir sehr!
Kommentatorin schrieb:
Naja, die Geschichte hat mich echt nicht umgehauen, gegruselt habe ich mich Null und auch ansonsten, war sie mir zu fantastisch. Der Schreibstil war für meinen Geschmack auch etwas zu plump. Ich gehe davon aus, dass du noch sehr jung bist, wenn ich damit richtig liege, dann wirds bestimmt noch besser.
nati-girl-12@hotmail.de schrieb:
eY echT geilE geSchiChtE vOll GruseliG
alSo Ich FibD siE einfaCh nur geiL!!

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