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Kategorien > Jugend > Drama

Tränen

von Sarah

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Der Himmel war grau und von Wolken bedeckt. Und in diesem Moment begann es zu regnen. Toll, ich war völlig allein und ohne Schirm oder ähnliches auf dem Weg nach Hause. Ich rannte und suchte nach einer Möglichkeit mich unterzustellen. Doch ich fand nichts. Der Weg war nicht mehr weit. Aber ich wollte nicht nach Hause, auf keinen Fall. Zuhause hasste ich es. Es roch nach kaltem Rauch und Alkohol. Überhaupt lagen überall in der kleinen Drei-Zimmer-Wohnung leere Flaschen herum. Es war grässlich. Meinen Vater gab es nicht mehr. Er war vor ungefähr vier Jahren an einer Alkoholvergiftung gestorben, meine Mutter war zwar noch da, aber ich hatte nie ein enges, vertrautes Verhältnis zu ihr gehabt. Ich war ihr schon immer egal gewesen. Sie war fast immer sturzbesoffen und kaum ansprechbar. Die meiste Zeit lümmelte ich in der Stadt rum und bettelte Leute nach Geld an. Was sollte ich auch anderes tun? Ich hatte keine Wahl, ich bekam kaum Taschengeld und wir hatten auch nicht genug zum Leben.
Der Regen wurde weniger und ich schaute auf meine Uhr. Es war bereits 21.00 Uhr deshalb musst ich nach Hause. Ich hatte morgen wieder Schule. Also ging ich den Weg weiter entlang und kam zu unserem Mehrfamilienhaus. Ich lief die Treppe hinauf und schloss auf. Ich ging auf dem schnellsten Wege in mein Reich. Es war zwar wirklich nicht groß, aber das Zimmer hier spiegelte wenigstens etwas meinen Charakter wider. Ich hatte alles schön dekoriert und viele Kerzen und Blumen hingestellt. Wenigstens hier wollte ich es gemütlich haben, was man ja von dem Rest der Wohnung nicht so sagen konnte.
Ich machte mich bettfertig und packte meine Schultasche für Morgen. Dann schaltete ich das Licht aus und machte die Augen zu.
Der Wecker riss mich aus meinem Schlaf. Es war bereits 6.30 Uhr. Ich gähnte erst einmal herzhaft und streckte mich. Anschließend ging ich ins Bad, duschte, putzte meine Zähne und machte mich fertig. Frühstücken tat ich nie. Ich nahm mir immer zwei Brote mit und ja, das musste reichen. Meine Mutter war wahrscheinlich gestern mal wieder betrunken gewesen. Denn sie lag immer noch schnarchend auf dem Sofa umgeben von Flaschen. Ich zog die Tür hinter mir zu und machte mich auf den Weg zur Gern-Berger-Gesamtschule. Hier wurde immer viel gedealt, auch mich hatten schon mehrere Leute angesprochen, aber ich wollte nicht so enden wie meine Eltern. Ich hatte immer abgelehnt.
Es hatte geklingelt und alle Schüler stürmten zu ihren Klassensälen. Ich schlenderte auch zu meinem, wo schon alle Jugendlichen der Klasse 10 davor standen. Ich hatte keine Freunde.
„Guten Morgen, Lilli. Na, ich hoffe auch heute beweist du mal wieder dein Talent,“ begrüßte mich mein Mathelehrer. Ich war seltsamerweise total gut in der Schule, und auch deswegen hatte ich keine Freunde. Hinter meinem Rücken sagten doch sowieso alle Streber zu mir. Aber zum Glück hatte ich die Schule in einem Monat hinter mir.
Der Schultag verlief wie immer ziemlich ereignislos, aber auf dem Heimweg spürte ich, dass heute noch etwas passieren würde. Ich wusste nicht wieso, aber ich hatte dieses Gefühl, es war wie eine Warnung.
Vor unserer Haustür stand ein Krankenwagen, ich fühlte, dass Angst in mir aufstieg und ich begann zu schwitzen. Ich trat ins Haus. Sanitäter kamen mit meiner Mutter auf der Krankenliege die Treppe hinunter. Sofort schossen mir viele Gedanken durch den Kopf. Was wäre, wenn auch noch meine Mutter sterben würde? Ich wäre total allein, keine Verwandten! Verzweifelt fragte ich einen Arzt „Was ist mit meiner Mutter?“ „ Es sieht nicht gut aus. Wahrscheinlich eine Alkoholvergiftung.“ Die Nachbarin hat uns angerufen und berichtet, dass ihre Mutter auf dem Flur liegt. Sie hat sich wahrscheinlich auch noch den Fuß gebrochen. Mit diesen Worten ließ er mich einfach stehen. Wieso waren meine Eltern so? Wieso konnten sie nicht einfach so normal wie andere Eltern auch sein? Ich war verzweifelt und wie in einem Rausch. Ich nahm nichts mehr wahr. Ich bekam Angst. Was wäre, wenn sie nie wieder aufwachen würde. Wenn sie sterben würde. Oh, Gott! Langsam fasste ich wieder klare Gedanken.
„Kann ich bitte mitfahren, es ist meine Mutter?“, bat ich den Fahrer. „ Ja, natürlich. Setz dich schon mal hinten rein!“
Ich tat was er sagte und meine Mutter wurde soeben auch in den Krankenwagen geschoben. Ich zitterte. Mein Rücken war kalt und mein T-Shirt nass geschwitzt. Meine Mutter war - glaube ich - bewusstlos. Die Fahrt ging los. Zwei Leute machten irgendwas an ihr und verarzteten sie. Sie legten ein EKG an. Das Piepsen des Monitors war deutlich zu hören. Doch plötzlich wurde aus dem rhythmischen Piepsen ein hektischer, schneller Piepston. Die Sanitäter reagierten sofort und rissen Spritzen und Ampullen auf, die sie ihr verabreichten. Leider zeigten sie nicht die gewünschte Wirkung. Der Piepston war jetzt lang und hell. Hilfe! dachte ich. „ Was ist los? Sagen sie mir es sofort!!!“, schrie ich. „ Es sieht nicht gut aus, gar nicht gut“. Der Arzt begann jetzt mit der Herzmassage. „Sie wird es vielleicht nicht überleben.“ Ich merkte, wir mir Tränen aus den Augen schossen. Ich hatte zwar nie einen Draht zu ihr gehabt, aber sie war und blieb meine Mutter. Ich hielt es nicht mehr aus und sank hilflos zusammen. Ich konnte nicht anders. Der Mann am Steuer rief jemanden an. Ich wusste nicht wen.
Wir kamen im Krankenhaus an. Mum wurde schnell irgendwo hin gefahren. Ich sollte hier sitzen bleiben. Eine Frau gesellte sich zu mir. „Bist du Lilli?“, fragte sie freundlich. „Ja, bin ich“, sagte ich leise mit weinerlicher Stimme. „Ich soll dich betreuen. Du kannst in nächster Zeit bei mir wohnen.“ Ich nickte stumm. Im Moment war mir alles, aber auch alles egal.
Sie zog mich mit sich und brachte mich zu ihrer Wohnung.
Die Wohnung sah sehr freundlich und hell aus, nicht so wie bei uns. Es roch nach Blumen und es war überall hell. Für einen Moment vergaß ich alles, was geschehen war.
„Schöne Wohnung“. „Danke sehr. Wenn du möchtest, können wir ein bisschen reden. Über das, was passiert ist.“ Ich druckste herum „Ich ...kann... das nicht...“ „Ich will dich ja nicht zwingen, aber es würde dir sicherlich helfen“, antwortete sie. „Ich heiße übrigens Martina Kolwin, und du kannst mich ruhig duzen.“ Ich fing an zu erzählen. „Ich hatte nie Freunde. Ich war eben eher eine Einzelgängerin. Mein Vater ist gestorben, da war ich gerade einmal zwölf...“ Es sprudelte nur so aus mir heraus. Und sie hörte mir einfach zu. Was sonst keiner getan hat. Mir tat es unheimlich gut, dass mich jemand umsorgte.
Doch dann kam der Anruf aus dem Krankenhaus. „Habe ich Lilli am Telefon?“ fragte mich der Mann am Hörer. „ Ja.“ „ Deine Mutter ist leider gestorben.“ Ich dachte, oh nein. Alles was ich mir vorher ausgemalt hatte war eingetroffen. „ Danke.“ Ich legte auf.
Ich hatte zwar meine Mutter verloren, aber dafür eine Freundin dazu gewonnen.
Ich war so nie mehr allein. Wenn ich jemanden brauchte, war immer jemand da. Ich genoss das Leben und an die schrecklichen Ereignisse dachte ich nicht

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