Tränenschmerz
von
Tinchenmaus
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Tränenschmerz
Eine Träne rann im Anblick ihres Spiegelbildes die Wange hinunter- langsam, qualvoll.
Dann die nächste. Ihre Augen nur leer und voller Traurigkeit. Vielleicht auch Furcht. Furcht vor der Zukunft. Eine Zukunft ohne ihn? Gab es das?
„Es geht nicht mehr. Es ist vorbei. Gib mir bitte die Kette.“ Sie war ein Geschenk für ihn zu letztem Weihnachten gewesen. Todessekunden. Und plötzlich…gab es wohl einen Kurzschluss bei ihm im Kopf, er riss wütend die Kette vom Hals, eilte auf den Balkon und sie sammelte die Stücke des Halsschmucks vom Boden auf.
Tu nicht so, als wäre dies die einfachste Situation der Welt…oder die normalste, dachte ein Teil ihres Kopfes. Der andere Teil dachte: „Hoffentlich schreie ich nicht los vor Liebe. Liebe, die in mir steckt und gerade erstickt.“ Doch nein, das war nicht ihr Kopf, sondern ihr Herz. Ihr Herz, das protestierte. Sei leise, Herz! Hör auf damit!
Sie wusste, dass er nicht weinen würde, denn er war stark oder zumindest gab er sich so. Vergleichbar mit einer stählernen Mauer, die undurchdringlich ist- und darum wusste sie nicht, was er ab jetzt fühlen würde.
Im Flur stand ihr Gepäck, sie hatte alles bereits vorbereitet. Das Mädchen konnte nicht leugnen, dass es sich deswegen wie eine falsche Schlange vorkam, doch irgendwas in ihr hatte nach Erlösung geschrien. Erlösung von Schmerz, und das war wahrscheinlich ihr ganzer Körper. Dieser Schmerz machte mit letzterem schon was er wollte und hatte sie unter Kontrolle. Oder wieso weinte sie zum Beispiel jetzt?
Wieso war sie traurig, obgleich sie diesen Typen eigentlich hätte hassen müssen? Mit der Hand wischte sie sich über das Gesicht. Sie hatte doch vorher tausendmal über ihre Entscheidung nachgedacht, warum fiel es ihr nun so schwer… Wieso hielt die Zeit nur an…
Dann schaute sie ihn noch einmal an und er würdigte das Mädchen, das er geliebt haben sollte nicht eines müden Blickes.
„Ich muss gehen. Tschüss“, flüsterte sie und er flüsterte ein „Tschüss“ und sie rannte auf die Straße und brach unter Tränenschmerz zusammen.
Und sie packte den Spiegel, schmetterte ihn mit aller Wucht in tausend Scherben und schrie: “Ich liebe dich!“
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