Traum-Reise
von
Minit
Kälte!! Ich spürte sie klar und unerbärmlich meinen Rücken hinunter
kriechen. Mein Gefühl sagte mir, dass es Abend war. Denn die
Strassenlaternen brannten und die Sterne waren zu sehen. Ich ging auf dem
Bürgersteig entlang. Links neben mir Stand die Schule die ich besuchte. Sie
ist gross, c.a 5-6 Stockwerke hoch und so breit, als ob es 3 Gebäude wären.
Dem Aussehen nach könnte sie eine Alienfabrik oder ein Militärbunker sein.
Doch die einzigen Leute die sich darin tummeln, sind verkiffte Schüler,
gestresste Lehrer, und ein paar wenige Mädchen, da praktisch nur technische
Berufe unterrichtet werden. Ich sah ein bekanntes Gesicht vor mir auf dem
Bürgersteig stehen. Doch woher kannte ich ihn? Den betrunkenen Russen, der
eine hasserfüllte Mine zog? Keine Ahnung. Er hatte eine fast leer getrunkene
Vodkaflasche in der Hand und lallte etwas vor sich hin. Er schaute die
Schule an. Ich begann mit ihm zu reden. Was wir redeten, weiss ich leider
nicht mehr. Nur dass er sich sehr negativ über die Schule äusserte und ich
ihn zu besänftigen versuchte. Ein paar Jungen kamen zu uns und hörten zu.
Auf der anderen Seite der Strasse, wo der Schuleingang mündete, kam ein
Schüler heraus und ging parallel dem Gehsteig entlang. Den Russen und den
konservativ angezogenen Schüler mit Brille trennte nur der 6-7 m breite
Asphalt. Ich weiss nicht mehr was ihn dazu bewegt hatte die Pistole zu
ziehen. Doch er tat es. Er zog einen silbernen Colt mit Sechs Schuss in der
Trommel heraus und wollte anfangen zu schiessen. Ich erschrak und wollte ihn
davon abhalten. Doch er schoss einfach drauflos. In die Richtung des Jungen,
der nichts mit der ganzen Sache zu tun hatte und auf dem Nachhauseweg war.
Der Junge rannte los was das zeug hält. Der Russen traf ihn nicht, doch das
störte ihn nicht wirklich. Er schoss immer noch. Die Kugeln prallten an der
Wand der Schule ab wie Gummibälle und flogen als kleine glühende Steinchen
zurück. Sie zogen einen glühenden Schweif und eine Rauchsäule hinter sich
her. Sie kamen daher geflogen wie Schneebälle, die in hohem bogen geworfen
werden. Nicht sehr schnell und in lang gezogenen Bögen. Die Jungen, die um
uns versammelt waren, rannten erschrocken weg. Sie waren von Panik erfasst,
da niemand von den heissen Kugeln verbrannt werden wollte. Ich versuchte
auszuweichen und schaffte es auch fast. Bis auf die letzte Kugel. Sie flog
mir auf den Kopf und brannte eine kleine Wunde in ihn. Die Wunde begann
sofort zu eitern. Der schmerz und das Gefühl dieser Wunde waren einfach
schrecklich. Der Russe zeigte sich nicht sehr beeindruckt und entschuldigte
sich halblaut. Doch eine Schuld schien er bei sich nicht zu sehen.
---Flash-
Die Wunde war verschwunden, der Schrecken auch. Doch wo war ich? Russland.
Es war Russland in der Spätsommerzeit. Und wieder, Nacht. Ich hatte mich
anscheinend auf einen Trip nach Russland gemacht. Es schien, als ob mich ein
Flugzeug abgeworfen hatte, denn ich war mitten in der Natur zwischen Bäumen
und Gräsern. Vor mir standen zwei Russen. Sie unterhielten sich.
Wahrscheinlich über den Toten der ein paar Bäume weiter an einem Strick
baumelte. Er hatte sich wahrscheinlich aufgehängt. Doch die zwei Russen
schienen ihn fast gar nicht zu bemerken. Ich wusste nicht wo ich hinsollte.
Ich wollte mit den beiden Sprechen. So dass sie mir vielleicht eine Auskunft
gäben könnten. Doch gerade in diesem Moment fuhr ein Mann mit einem
riesigen, blauen Wagen heran. Es war ihr Vater. Er schimpfte und forderte
sie auf ins Auto zu steigen. Ich schaute nur zu und war etwas ängstlich. Den
Mitten in der Nacht, auf einer Waldlichtung, mit einem Toten neben dran, in
einem fremden Land, ist nicht Gerade der Anfang von so einem Trip, den man
sich wünscht. Ich musste die ganze Nacht herum geirrt sein. Und als es
morgen war, kam ich zu einem Haus. Es hatte einen schönen Garten drum herum,
mit Steinmauern und Treppen. Es stand an einem Hügel. Unten zog sich eine
riesiges Feld dahin, rechts neben dran war Wald. Ich traf den Besitzer des
Hauses. Zu meinem Erstaunen war es der Mann mit dem Auto. Ich wollte ihn
fragen, ob er wisse, wo ich eine Bleibe finde. Doch ohne Russischkentnisse
ist das ein etwas schwieriges Unterfangen. Er bemerkte dass ich ein
Ausländer war. Und irgendwie konnten wir uns verständigen. Er bot mir an bei
sich zu bleiben. Ich nahm seinen Vorschlag dankend an. Bei ihm wohnten seine
Frau, die leicht rundlich war und seine zwei Söhne, die ich am Anfang
gesehen hatte. Ich blieb c.a ein Jahr bei ihm. Er zeigte mir, wie man sich
dort selbst versorgen kann. Anhand von Bildern erklärte er mir alles. Sie
pflanzten vieles an. Das meiste war Gemüse. Er zeigte mir seine grösste
Entdeckung. Er hatte herausgefunden, wie man Karotten anpflanzt, die trotz
Ernte nächstes Jahr wieder wuchsen. Ich half ihm beim ernten, beim pflanzen
und bei vielem Anderen. Irgendwann war der Moment da, an dem ich gehen
musste. Ich machte mich wieder auf den Weg. Ich traf nach kurzer Zeit 2
Freunde. Mit denen ging ich die hügelige Landschaft hinab. Wir suchten
irgendetwas, doch ich kann mich leider nicht erinnern was es war. Wir
kriegten Hunger durch die ganze Wanderei. Wir kamen an einem Bauernhof
vorbei, der überhaupt nicht einladend aussah. Er war leicht verfallen und
ein schwarzer bissiger Hund bewachte ihn. Wir gingen vorsichtig an ihm
vorbei und kamen direkt unter dem Haus auf einen Pfad, der über Treppen
steil abwärts führte. Er war mehrfach verzweigt und schmal. Ich sah am Rand
in der Wiese ein Huhn liegen. Es war total enthäutet. Doch alles war noch
dran. Schnabel, Krallen, Augen, einfach alles. Da wir so Hunger hatten,
wollten wir es mitnehmen und essen. Doch auf einmal kam der Hund hinter uns
her und verfolgte uns. Wir rannten was das Zeug hielt. Er kläffte und
knurrte unentwegt. Ich rutschte aus und viel hin. Mein Freund auch. Wir
rappelten uns wieder auf und vielen wieder hin. Doch der Hund erreichte uns
nicht. Wir wanderten nach einer Weile normal weiter. Und auf einmal bot sich
uns ein Anblick, der unbeschreiblich war. Wir hatten gefunden was wir
suchten. Wir standen an der Südseite eines Berges. Vor uns viel er steil ab
und man konnte so weit sehen, wie das Auge reichte. Unten im Tal erstreckten
sich 5 schmale, lange Seen. Dazwischen waren jeweils riesige Hochhäuser und
Strassen. 5 Städte zwischen 5 Seen. Alles glitzerte und war von Eis und
Schnee bedeckt. Wir wanderten zügig weiter. Doch wie ich ankam, weiss ich
nicht mehr.
---Flash---
Ich fand mich in einem Fluss wieder. Der Grund war Braun und das Wasser
total klar. Ich und ein paar andere Freunde, unter anderen mein Freund René,
waren da. Wir gingen Fluss aufwärts in der leichten Strömung des
schienbeinhohen Wassers. Es war Tag und die Sonne erfüllte die Landschaft
mit einem goldbraunen Schimmer, wie an einem Sonnenaufgang im Herbst. Wieder
hatten wir Hunger. Wir brauchten etwas zu Essen. Wir bemerkten, dass der
Fluss sehr bewohnt war. In ihm schwammen Unmengen von mardergrossen,
skurielen Tierchen. Ihr Fell war schwarz-weiss gestreift, wie bei einem
Dachs. Doch sie bewegten sich im Wasser wie Biber. Sie waren wahre
Schwimmkünstler. Wir kamen an einen Teil des Flusses, bei dem sich links ein
langer Weiher erstreckte. Nein, eher ein Ausläufer des Flusses. Rund herum
waren Bäume am Ufer Wunderschöne Laubbäume in einem saftigen Grün. Dahinter
war eine Felswand mit Wald darauf. Die Äste der Laubbäume bewegten sich. Sie
bogen sich und schwangen umher, als ob die Bäume tanzen gelernt hätten. Ich
fragte René, wieso sich die Bäume denn bewegten. Er erklärte mir, dass an
jedem bewegenden Ast ein Silch hinge, und daran ein Haken mit Köder. Die
komischen Dachs-Marder-Biber Tierchen hatten die angebissen und versuchten
verzweifelt zu fliehen. Die Bäume waren natürliche Angelruten. Doch wer
hatte die Silche befestigt? Wir konnten die Tierchen rausfischen und mussten
sie töten. Leichter gesagt als getan. René zeigte mir wies geht:" Nimm sie
in die Hand. Mit der anderen greifst du ihren Kopf und brichst ihnen das
Genick." "Knack" Wer schon mal auf eine Maus getreten, oder einem Fisch das
Genick gebrochen hat, weiss was dieses "Knack" bedeutet. Es ist ein Ton der
sich in seiner Hässlichkeit gar nicht beschreiben lässt. Doch um an Nahrung
zu kommen, war das notwendig. Ich griff also so ein Tierchen. Es wehrte sich
heftig. Doch zu meinem erstaunen war es nicht sehr stark. Nur sehr flink.
Ich versuchte ihm das Genick zu brechen. Ich sah auf einmal nicht mehr gut.
Alles war leicht verschwommen. Es knackte. Doch das Tier bewegte sich
weiter. Ich zog, drückte, machte. Doch alles half nichts. Bis ich bemerkte,
dass es sein Schwanz war, an dem ich herum riss. Ich drehte es um und mein
Blick wurde auch wieder klar. Hinter mir riss René dem aufgeschlitzten
Leichnam schon die Eingeweide heraus. "So nimmt man sie aus", sagte er
stolz. Ich probierte weiter, dass Genick zu brechen. Es knackte wieder und
wieder. Doch das Tier biss mich nur unentwegt mit aller Gewalt in meine
Hand. Immer und immer wieder.
Auf einmal hörte ich ein Geräusch. Ich drehte mich um. Ein Mann, mit wenig
Tierfellen bekleidet und mit Kriegsbemalung im Gesicht, schwang sich an
einer Liane von der Felswand in den Fluss. Er kam mir bekannt vor. Er war
der Anführer des Stammes, wegen welchem wir in diesem Fluss waren. Wir
hatten sie anscheinend gesucht. Er begrüsste mich, nahm mir das Tier ab und
tötete es. Er lud uns zu seinem Stamm ein. Wir lernten das Waldvolk kennen
und verweilten ein paar Tage bei ihnen. Sie grillten mit uns die Tierchen
und zeigten uns wie man Waffen herstellt, und wie man im Wald überlebt. Sie
hatten Speere und andere Waffen. Sie schliefen unter kleinen Schutzkörben,
die sie sich aus Ästen und Blättern zurecht gebastelt hatten. Die Tarnung
war perfekt, ausser es käme ein Wolf oder sonst ein Tier, welches Fährten
aufspüren konnte. Dann ging unsere Reise weiter. Wir gingen weiter Fluss
aufwärts. Da kam aus heiterem Himmel ein Flugzeug. Es landete neben uns und
ein Trupp der Armee sprang heraus. Sie nahmen mich in Gewahrsam und flogen
mich zurück in die Schweiz. Raus aus der wunderschönen Landschaft und zurück
in die Kälte. Das ganze schien nicht böswillig, sondern notwendig zu sein.
Wofür auch immer.
Zurück in der Schweiz ging ich in mein Haus. Es hatte sich viel verändert,
seit dem ich in Russland war. Es mussten etwa 1,5 - 2 Jahre gewesen sein.
Die italienische Grenze zog sich direkt durch unser Haus, besser gesagt
durch die Garage. Man darf nicht vergessen, dass ich im Bodensee-Gebiet
wohne. Ich ging in mein Zimmer und wollte eine DVD anschauen. Da waren 2 die
mich interessierten. Die von Marvel-comics erschaffenen Rächer. Und Noch ein
Film von Superhelden. Doch was ich auch in meinen Player steckte, es kam
immer ein anderer Film. Irgendwann kam mein Bruder herein. Er unterhielt
sich mit mir und sagte schlussendlich, dass ich jemanden besuchen müsste.
Ich stieg in mein Auto in der Garage. Doch ich konnte nicht durch den
normalen Ausgang fahren. Die scheiss Italiener hatten die Garage versiegelt
und hinter unserem Haus eine Riesige Tiefgarage gebaut. Also fuhr ich durch
die Tiefgarage. Ich kam an eine Schranke und musste mein Ticket einstecken.
Der Automat zeigte mir einen Betrag von mehr als 100 Euro an. Ich hatte kein
Geld im Sack und musste auf meine Eltern warten. Doch diese kamen nicht. Ich
suchte den Chef des ganzen auf und fing an mit ihm zu streiten. Er könne
doch nicht einfach meine Garage versiegeln. Und das sei ja unser Haus, etc.
Doch er blieb kalt. Langsam fing das ganze an zu verschwimmen.
Wuuuuuuuuuuuuuuuuuschhhhhh.
Bibiiiiiip, bibiiiiiiip, bibiiiiiiip, bibiiiiiiip.
Da sag ich nur, bis nächsten Mal.
Kommentare
wolf schrieb am 2008-11-20 09:53:48:
nicht nein garnicht übel
Gerhad schrieb am 2007-12-02 17:58:38:
Ich finde die Geschichten sehr schoen und spannend, da man sich in die rolle anderer Personen hinein versetzen kann!!!!:-)
Shila1617@freenet.de schrieb:
Nicht für Ungut, deine Geschichte gefällt mir, aber das Wort >unerbärmlich gibt es nicht. Erbarmungslos ist besser.
:)
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