Traumhaft
von
Michael Behofsics
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„Schachtendorf?“ fragte mein Vater.
„Ja, genau!“ stimmte meine Großmutter zu.
„Oder vielleicht Schachtenbaum?“ fragte mein Vater.
„Ja ich glaube so hieß es!“ stimmte meine Großmutter zu.
„Oder Schachtenau? Gibt’s auch.“
„Ja, ich denke das war es! Dort sind sie hingefahren!“ sagte meine Großmutter.
Alles schien so unecht. Ich saß am Esstisch. Links von mir mein Vater, und rechts meine Großmutter. Der leere Teller vor mir. Das geblümte Tischtuch zeugte von Geschmacklosigkeit. Der metallene Behälter in dem das Huhn lag, sah aus wie aus einem Traum. Er war Blau. Ein Blau das mich immer an die 40er oder 50er Jahre erinnerte.
Ich saß da und starrte diese Hühnerkeulen und Hühnerbrüstchen an.
Alles war weit weg. Alles war unecht. Es war so flach, und nichtssagend, aber einfach da.
Es war wie ein Traum, an den man sich nach dem aufwachen noch vage erinnert.
„Vielleicht war es Schachtental? Wäre auch möglich.“ Hörte ich meinen Vater wie von weit weg sagen.
„Ja das war es ganz bestimmt.“ Stimmte meine Großmutter zu.
Aber ich hörte es kaum noch. Die Hühnerkeulen und Brüstchen tanzten Kasatschock neben Lichtblitzen, und ich hörte nur noch statisches Rauschen im takt meines schlagenden Herzens.
Meine Augen fühlten sich an als würden sie aus den Höhlen hervor quellen, und meine Zunge klebte am Gaumen.
Aus dem Reis wurden Schneekörner die sich gegenseitig anzogen und wieder abstießen. Im takt meines Herzschlags schwebten sie ruckartig auf und ab.
Tausend Gedanken schlugen auf mich ein, und keiner ließ sich erfassen.
Ich sah mich wie in Zeitlupe aufstehen und an meinem Vater vorbei zum Flur stolpern.
Ein kurzer blick über die Schulter ließ mich verwirrte blicke auffangen.
Ich stürzte zur Toilette und übergab mich, laut und ausgiebig.
„Himmel! Kindchen was fehlt dir denn? Du bist ja kreidebleich!“ sagte meine Großmutter als ich das Esszimmer wieder betrat.
Ich blickte mich im Zimmer um, und alles war normal. Immer noch unecht und gespielt, traumhaft, geheuchelt, aber normal.
„Ich glaube es war Schachtenfurt!“ sagte mein Vater.
„Ja ich denke du hast recht.“ Stimmte meine Großmutter zu.
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Kommentare
Heiko schrieb am 2006-11-10 12:36:51:
wirklich nicht schlecht
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