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Kategorien > Kurzgeschichte > Blind Date

Treffen vorm Wienerwald

von Maria Zeller

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Treffen vorm Wienerwald

Er klang nett. Nicht aufregend oder erotisch, aber nett. Ein paar Wochen zuvor hatte Volker eine Bekanntschaftsanzeige im Kölner Stadt-Anzeiger aufgegeben und ich hatte ihm mit einem netten Briefchen darauf geantwortet indem ich auch meine Telefonnummer verraten habe. Nun hatte er tatsächlich zurückgerufen.
Wir verabredeten uns in Köln am Ring vorm Wienerwald. Am folgenden Dienstag um 19 Uhr.
Laut seiner Anzeige war Volker groß und attraktiv, dunkelblond mit vollem Haar. Er hatte ein abgeschlossenes Studium, war ein paar Jahre älter als ich und schien gebildet. Und er war nett. Was will man (frau) mehr?
Da ich ein wenig außerhalb von Köln wohnte, jedoch in der Stadt arbeitete, beschloss ich, vom Büro aus dorthin zu fahren. Schon um 17:30 Uhr begann ich, mich auf der Toilette umzuziehen und zu schminken. Alles sollte stimmen, wenn Volker mich zum ersten Mal sah. Ich gestattete mir, meine Gedanken schweifen zu lassen und sah mich mit einem sensationell aussehenden und gebildeten, eloquenten Mann an einem Strand in der Karibik liegen. Die neidischen Blicke konnte ich fast spüren während ich meine Haare bearbeitete.
Mit dem Ergebnis zufrieden und ziemlich aufgeregt steuerte ich mein Auto gegen 18:30 Uhr Richtung Kölner Ringe. Natürlich gab es keinen Parkplatz in der Nähe aber dafür vom Ring aus einen ziemlich guten Blick auf die Litfaßsäule vor dem Wienerwald, wo wir uns verabredet hatten. Beim ersten Entlangfahren war sie noch ziemlich verwaist, aber ich war ja auch früh unterwegs.
Beim zweiten Umrunden des Blocks war Volker immer noch nicht da – sollte er mich etwa versetzen?? Das wäre ja wohl extrem unfair, wir sollten uns doch wenigstens eine Chance geben…
Bei der dritten Schleife – der Parkplatz war jetzt eher zweitrangig, ich war schon an einigen vorbeigefahren – stand jemand an die Litfaßsäule gelehnt. Völlig verkrampft, kein bisschen lässig. Ich erstarrte. Der sah ja aus wie Rübezahl! Die Haare standen wild von seinem Kopf ab und er hatte einen Vollbart! Ich musste wohl unwillkürlich auf die Bremse getreten sein, denn sein Kopf wandte sich in meine Richtung nachdem mein Hintermann mich anhupte.
Ruckartig stieg ich aufs Gas und mein Auto machte einen Satz. Wie peinlich, er hatte mich auf jeden Fall entdeckt.
Noch während ich den Ring entlangraste, überschlugen sich meine Gedanken. Ich hatte mir doch mal geschworen, jede Verabredung durchzustehen, egal wie schrecklich der Typ war. Das ist einfach nur höflich. Ich wollte es ja umgekehrt auch nicht, dass jemand Reißaus nimmt oder gar nicht auftaucht. Das war eine meiner Prinzipien!
Egal, die Vorstellung, eine höfliche halbe Stunde mit Rübezahl zu verbringen ließ mich erschaudern. Das konnte nur schrecklich werden, schien er doch an völliger Selbstüberschätzung zu leiden. Von „attraktiv“ konnte nun wirklich keine Rede sein…
Ich trat aufs Gas und mein Auto schoss auf die Autobahn Richtung Heimat. Natürlich ließ es sich nicht vermeiden, auf einen Frust-BigMac bei McDonalds einzukehren, immerhin hatte ich den ganzen Tag gehungert, damit ich abends auch wirklich unwiderstehlich aussehen würde. Ein wenig polierte es mein Ego auf, dass die Herren, die dort ebenfalls eingekehrt waren, mir den ein oder anderen anerkennenden Blick zuwarfen.
Von Volker habe ich nie wieder etwas gehört.

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