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Kategorien > Aus dem Leben > meine Familie und ich

Tschuldigung

von Fräulein Fletterming

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Eigentlich müsste man sich entschuldigen.
Ohne Kinder ist man voller Illusionen. Über Kinder und deren Erziehung.
So auch ich.
Also bevor ich meinen ersten Sohn geboren hab.
Mein Patenkind hatte seine Mutter voll im Griff. Zähne putzen, Nägel schneiden, Haare kämmen…alles nein. Großes Geschrei.
Meine Freundin, die Mutter, hatte aufgegeben. „Ich mach das, wenn sie schläft“, war ihre Lösung zum Problem.
„Das würds bei mir nicht geben…also, wenn das mein Kind wäre…“sagte ich völlig verständnislos.
Wars aber nicht…und ein Jahr später hatte ich ein Eigenes. Viele Vorsätze fest verankert.
„Jetzt werde ich allen Mal zeigen, wie man das macht“, war mein Gedanke.
Schon bei der Geburt hatte mein Sohn das Kommando. Starsinnigerweise hat er sich damals erst unter Androhung eines Kaiserschnittes auf den Weg in die Freiheit gemacht.
Und so sollte es auch weitergehen.
Zähneputzen, Haarekämmen, Nägelschneiden…nur unter größtem Protest.
Mein Sohn war und ist wie ein Feldwebel.
Erst habe ich mich total gefreut, als er seine ersten Worte sprechen konnte. Nun freue ich mich, wenn ich mal kein : Maaaamaaa ! höre. Nachts quasi..
Also, um die Nerven zu behalten, fand ich mich schnell damit ab, die Dinge ohne große Kontrollverluste seitens meines Sohnes zu erledigen.
So gewöhnte ich mir gezwungenermaßen ein paar Vorsätze ab, die ich, noch kinderlos, für elementär hielt.
Man ist bemüht, den Kompromiss zu leben.
Soweit so gut mit einem Kind.
Das zweite ließ nicht lange auf sich warten.
Wieder guter Dinge, das zwei Kinder nur eins dabei sind.
Wieder Vorsätze. Wieder nix.
Mit jedem Kind müsste einem ein weiterer Arm wachsen. Von den Nervensträngen mal abgesehen.
Ich kann mich nun nicht beklagen. Beide gesund und Munter. Vor allem Munter.
Ade gute Vorsätze, ade Ordnung, willkommen Chaos.
Und wie das mit der Chaostheorie so ist, weiß man nie, was kommt. Und so habe ich nur noch den Vorsatz des Tages: Keine Verletzten, keine Schäden an fremdem Eigentum, keinen Vergessen und wenigstens ein Stück Obst am Tag.
Also will ich mich entschuldigen.
Und der noch kinderlosen Freundin voller guter Vorsätze einen kleinen Einblick in meinen
Mutteralltag zu geben, der ganz und gar nicht so abläuft, wie ich mir das vorgestellt habe.
Und trotzdem würde ich es wieder genauso machen.

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