U - Bahn 2
von
Dead Phoenix
Während er so vor ihr schwebte, konnte sie es einfach nicht fassen. Ihr Herz schlug wie wild und sie begann beinah zu hyperventilieren. Ein Elf stand vor ihr... nein, ein toter Elf schwebte vor ihr. Sie begann zu stottern: "W-... was..?"
"Ja, du hast richtig gehört, Leana. Auch du gehörst zu uns." - "Woher... kennst du meinen... meinen Namen?!", brachte die gerade noch heraus. Doch sie hatte kaum fertig gesprochen, als er sie am Arm packte und mitzerrte. Zuerst merkte sie es nicht, aber dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Der Elf hatte aufgehört zu schimmern, er sah jetzt aus als ob er aus Fleisch und BLut bestand. Deswegen konnte er sie auch am Arm packen, ohne durch sie hindurchzugleiten. Leana konnte nicht anders und liess sich von ihm unsanft durch die anderen schaurigen Gestalten mitzerren.
Er führte sie bis zum Krematorium, und dort blieb er stehen. "Mein Name ist Léannius. - Ja, ich weiss, er gleicht deinem Namen. Und das war auch Absicht... aber ich erzähle dir später mehr, meine Liebste.." Er machte eine unauffällige kreisende Handbewegung und plötzlich wurden alle Gestalten von ihrem Lichtschein befreit. Léannius nahm Leanas Hand und legte sie auf seine Handfläche, dann streckte er den Arm waagerecht aus, sodass sie jeder sehen konnte.
"Hört, meine Untertanen, hört!", flüsterte er, doch es klang wie ein Schrei auf dem Friedhofsgelände. sofort verstummten alle Gestalten und blickten zu ihnen hoch. "Ich möchte euch nun die feierliche Neuigkeit überbringen, dass die Suche zu Ende ist! Wir haben es vollbracht!", begann er in normalem Tonfall zu reden.
Während er sprach, fühlte Leana seine warme Hand unter der ihren und ein wohliges Gefühl breitete sich in ihr aus. Es war eine vertraute Geste, die er machte, und sie spürte die Energie, die durch seinen Körper floss. Leana kam sich vor, als ob sie Léannius schon immer kannte.
"... und so werden wir zurückkehren! Folgt mir!", beendete Léannius seine Ansprache. Kaum hatte er aufgehört zu reden begann ein reges Getümmel und Gemurmel. Manchmal hörte Leana auch ein freudiges Aufschreien zwischen all den Stimmen. Léannius wandte sich ihr zu und nahm nun beide ihrer Hände zwischen die seinen. "Nun musst du mir genau zuhören", sagte er sanft, "wir werden jetzt in unsere Zeit zurückkehren, in die Wirklichkeit. Halte dich fest an mir, es wird schnell gehen."
Leana fühlte sich wie berauscht und konnte nicht anders, als ihm zu gehorchen. Er nahm sie in die Arme hielt sie fest an dich gedrückt, und plötzlich begann die Welt um sie herum zu verschwimmen, riesige Wellen vermischten die Farben der sich im Wind wiegenden Bäume und des Nachthimmels. Sie spürte ein Zerren an ihrer Taille, und es war alles so schnel vorbei wie es angefangen hatte.
Leana blinzelte in das Licht, und als sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, bot sich ihr ein atemberaubender Anblick. Sie standen jetzt nicht mehr auf dem Friedhof, sondern auf einem strahlend weissen Marmorboden, der einem riesigen Balkon gehörte. Dessen Geländer war überwachsen mit dicken Schlingpflanzen und Insekten summten in der Luft umher. Sie löste sich aus Léannius' Umklammerung und ging auf das Geländer zu.
Der Anblick war einfach nicht mit Worten beschreibbar.
Nur wenige Meter unter ihr erstreckte sich eine unglaubliche kleine Landschaft, mit Bäumen und sonstigen Pflanzen, die sie noch nie gesehen hatte, mit Vögeln, die 4 Flügel hatten und seltsam kreischten, mit dichten Sträuchern, die reife rote Beeren trugen und Blumen, die selbst die schönsten Orchideen billig aussehen ließen.
"Du warst lange nicht mehr da", flüsterte Léannius ihr ins Ohr, als er hinter ihr stand. Sie drehte sich zu ihm um.
"Erzähl mir, was du mir erzählen wolltest." - "Komm mit", antwortete er und führte sie an der Hand zu einem riesigen schneeweissen Sofa, auf dem große Polster lagen und das eigentlich gar kein Sofa war. Sie wusste nicht, wie sie es beschreiben sollte. "Setz dich hin."
"Nun", begann er mit seiner tiefen, ruhigen Stimme, "du wirst dich wahrscheinlich an nichts mehr erinnern, was ich dir jetzt erzähle. Aber glaube mir einfach, denn warum sollte ich dich anlügen. Also... dein Name ist Léannah, und du warst.. nein... du bist meine Frau." Er nahm wieder ihre Hand in die seine. "Du bist die Königin dieses Reiches, und iich bin der König... du trugst immer die schönsten weissen Kleider aus Samt und Seide, und deine Haare waren die schönsten aller Frauen. Dein anmutiges Gesicht liess jede Schönheit erblassen und deine Augen waren so dunkel wie die Nacht. Du sorgest mit mir für Ruhe und Gelassenheit in unserem Reich, und du liebtest die Kinder jedes Lebewesens, aber auch die Lebewesen selbst. Die Kinder liebten dich, alle liebten dich, aber ich liebte dich am meisten. Und zwar so sehr, dass ich vergass, was Zeit ist."
Léannah, wie sie nun hieß, begann sich während seiner gesprochenen Worte in genau das zu verwandeln, das er erzählte. Sie spürte Seide auf ihrer Haut und die schwarze Schminke verschwand lautlos. Ihre Haare wurden seltsam weiss, leuchtend weiss, so wie die seinen. Auch ihre Ohren spitzten sich zu, was sie erschrak, aber seltsamerweise akzeptierte.
"Du starbtest, und mit dir starb unser ganzes Volk, ohne Ausnahme. Von einem Tag auf den anderen. Ich konnte nicht zulassen, dass unser Volk stirbt, und ich konnte nicht zulassen, dass du stirbst, also fing ich an, dich im Jenseits zu suchen.. und es verschlug uns in dieses seltsame Zeitalter, aus dem wir gerade gekommen sind. doch jetzt ist es vorbei.. unser volk lebt nun wieder, und du lebst, und ich habe im Gefühl, dass wir nun alle unsterblich sind.."
Léannah wusste auf einen Schlag alles wieder. Die Kinder, mit denen sie spielte, die Drachen, auf denen sie in der Luft flog, die Nächte mir Léannius, die Liebe, die unter dem Volk herrschte... und all die anderen Dinge, die sie vergessen hatte. Das war ihr Leben... ihr wirkliches Leben..
Das vorige Dasein war der Tod gewesen, das wusste sie. Es musste einfach so sein. Ein warmes Lächeln huschte ihr über ihre feinen Züge. Sie sah Léannius tief in seine dunklen Augen und verlor sich darin. Und die sanft in sich verhakten Hände verrieten beiden:
Jetzt ist alles gut...
Kommentare
Katharina_Falk-NWM@web.de schrieb:
Romantisch!!!
isiisindahouse@yahoo.de schrieb:
einfach nur geil!:D voll schön!also besser gehts echt net..respekt!;D
linkin_park0241@hotmail.com schrieb:
total schön geschrieben...RESPECT...
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