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Kategorien > Aus dem Leben > Überwindung

Umgang mit Schweinehunden

von Juuulie

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Umgang mit Schweinehunden

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als sich unsere Wege zum ersten Mal kreuzten. Genaugenommen kreuzte er an diesem Tag meinen Weg, und das völlig ungefragt. Mein Weg sollte mich nämlich zum wahrscheinlich wichtigsten Augenblick meines rosa-roten Teenagerlebens führen – dem heiß ersehnten Treffen mit David, dem tollsten, beliebtesten und vor allen Dingen süßesten Typen der Schule.
David war von Kopf bis Fuß ein einziger Traum. Jede Pause ging unter den Mädels das Gesabber los, sobald er mit seinem wippenden Gang über den Schulhof schlenderte. Seine niedlichen braunen Locken und die demonstrative Coolnes, die er an den Tag legte, hatten ihn damals in der 8. Klasse geradewegs in mein Herz katapultiert. Dort richtete er sich dann ein und ich hatte schon die Befürchtung, er würde mich nie zur Kenntnis nehmen, als er eines Tages doch die Frage aller Fragen an mich richtete: „Du, sag‘ mal, willst du mit mir ins Kino?“Und wie ich wollte!
Leider passierte es dann auf dem Weg zum Cinestar, wenige Minuten bevor ich in seine Arme sinken sollte, dass mich jemand von hinten ansprang und mir kurzerhand den Weg versperrte.
„Hey, was soll denn das?“
Ich staunte nicht schlecht, als ich in die wässrigen Augen eines überdimensionalen Dackels, dessen Gesicht ein Schweinerüssel zierte, blickte.
„Du wirst nicht ins Kino gehen, du wirst dich nicht mit David treffen und statt dessen sofort wieder nach Hause gehen“, waren die ersten Worte, die mir dieser Schweinehund ins Gesicht warf. „Du bist nämlich schrecklich nervös, hast ekelhafte Schweißränder am Top und deine Frisur ist völlig hinüber.“
Total überrumpelt war ich damals in Selbstzweifeln versunken und trat den Heimweg an, bevor ich den Cinestar erreicht hatte.
Seit jenem Tag ist mir dieser verflixte Schweinehund schon viel zu oft begegnet.
Ob bei Klassenarbeiten, Referaten oder bei der Führerscheinprüfung – sein Auftauchen hatte nie gutes zu verheißen.

Ich hätte es besser wissen sollen und die Einladung zum Bewerbungsgesräch einfach ablehnen sollen. Dann wäre ich jetzt zu Hause. Aber stattdessen bin ich hier und muss gestehen, dass mir allein bei dem Gedanken an das bevorstehende Gespräch ganz mulmig wird. Ich beiße die Zähne zusammen. Heute muss ich es schaffen! Denn ein Ausbildungsplatz, das ist meine Zukunft. Und dieses Gespräch könnte mein Tor zum Erfolg sein.
Würde nur er nicht erscheinen.
Jemand tippt mir auf die Schulter. Ich zucke zusammen, da schiebt sich das Hundevieh auch schon einen Stuhl heran und lässt sich neben mich fallen. Verwunderlich, dass eine so merkwürdige Gestalt überhaupt sitzen kann.
„Kommen wir zur Sache“, plappert der Schweinehund gleich drauflos und zieht einmal kräftig den Rüssel hoch. „‘Tschuldigung, bin erkältet. Also, ich schlage vor, du fährst jetzt wieder nach Hause. Du bekommst den Ausbildungsplatz ohnehin nicht, wozu dann die Zeit vertrödeln? Außerdem bist du unpassend gekleidet, die Hose sitzt viel zu eng.“
Nervös falte ich die Hände zwischen den Knien. „Danke“, murmele ich beleidigt.
Der Schweinehund setzt einen mitleidigen Dackelblick auf. „Mensch, du weißt doch wie ich das meine. Kennst mich ja schon länger“, sagt er aufmunternd.
Ich raffe mein ganzes Selbstbewusstsein zusammen und schaue meinem Schweinehund fest in die Augen: „Pass‘ mal auf, was ich dir jetzt sage. Dieses Bewerbungsgespräch ist mir verdammt wichtig. Deshalb werde ich gleich aufstehen und in den Raum gehen, sobald man mich aufruft. Und du wirst einfach verschwinden. Okay?“
Der Schweinehund sieht ganz schön verstört aus. Gefällt ihm wohl nicht, einmal kein Oberwasser zu haben. „Aber die werden dich auslachen. Weil du nämlich stottern wirst da drin. Wie immer wenn du nervös bist“, startet er einen letzten Angriff.
Ich zucke nur mit den Schultern, versuche, standhaft zu bleiben. Ich kann mir doch nicht jede bedeutungsschwangere Situation meines Lebens von diesem Fabelwesen verderben lassen!
Das sieht der Schweinehund wohl ähnlich, denn er renkt ein: „Okay, nenn mir fünf Argumente, hier zu bleiben!“
Da muss ich nicht lange grübeln. „Na das liegt doch auf der Hand. Ich habe die Chance auf einen Ausblidungsplatz. Das bedeutet ein sicheres Gehalt und einen Plan für die Zukunft.“, beginne ich aufzuzählen.
Natürlich, wie hätte es auch anders sein können, muss dieser verflixte Schweinehund sogleich seine Meinung kundtun.
Was ich denn mit soviel Geld wolle?
Darüber mache ich mir wenig Sorgen. Geld ausgeben hat mir noch nie Probleme bereitet.
Geld allein mache aber auch nicht glücklich.
Er geht mir schon wieder tierisch auf die Nerven mit seiner Klugscheißerei. Woher wissen denn Schweinehunde überhaupt von Finanzplanung?
„Weißt du was? Ich investiere dann in plastische Chirurgie“, kontere ich. „Damit du nicht länger mit diesem Rüssel im Gesicht herumlaufen musst.“
Der Schweinehund zuckt nur seine pelzigen Schultern, ist anscheinend nicht sonderlich beeindruckt. Wie immer! Warum sind Schweinehunde denn nie beleidigt?
„Wir sind erst bei drei Argumenten. Fällt dir nichts mehr ein?“, fragt mein Schweinehund nun scheinheilig.
Ein Ausbildungsplatz, Geld, Zunkunft – was könnte noch fehlen? Spaß!
„Ich hätte sicher viel Spaß an der Arbeit.“
„Arbeit und Spaß sind zwei Begriffe, die sich schon in ihren Grundsätzen widersprechen“, philosophiert der Schweinehund und ich überlege mir, dass er ein ganz schön langweiliges Leben haben muss. Was in aller Welt könnte ihn sonst dazu bewegen, bei jeder Prüfungssituation, die ich bewältigen muss, Unruhe zu stiften?
„Ich würde bestimmt ein interessanteres Leben führen als du!“, platze ich heraus.
Fünf Argumente. Wenn jetzt mein Name aufgerufen wird, dann gehe ich da einfach rein. Ganz egal, ob ein Schweinehund neben mir sitzt oder nicht.
„Okay, du hast deine Argumente zusammengekratzt“, gibt die Opposition zähneknirschend zu. „Willst du meine hören? Nun, wahrscheinlich nicht. Aber ich verrate sie dir trotzdem. Du solltest nach Hause gehen, weil du es dort viel schöner hättest als hier. Du könntest auf einem flauschigen Sofa sitzen, anstatt, wie hier, auf einem schäbigen Holzstuhl. Du müsstest keine nervigen Fragen beantworten, sondern könntest gemütlich fernsehen. Zu Hause ist niemand, der dich vernichtend anstarren würde. Niemand, der hinter deinem Rücken in sein Fäustchen lachen würde. Du müsstest weder verlegen sein, noch nervös, könntest dich einfach entspannen..."
Rasend vor Wut stürze ich mich auf den Schweinehund. Ich quetsche seinen hässlichen Rüssel in meine Faust, würde ihn am liebsten abreißen, so wütend bin ich. „Weißt du was?“, schreie ich den Schweinehund an. „Deine ganzen Argumente sind mir piep-egal. Das einzige was zählt, ist, dass ich da reingehen will. Ja, ich will es! Und ich werde es auch machen, egal was du dazu sagst!“
Als wenn man vom Teufel spricht! Genau in dem Moment tritt ein älterer Herr in Jacket und Anzug auf mich zu. „Fräulein Tum?“, fragt er freundlich und schüttelt mir die Hand. „Mein Name ist Biel,

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Kommentare

cars schrieb am 2008-01-25 00:19:15:
Ich finde deine Geschichte toll weil ich auch gerne mal meinen Schweinehund anschreien möchte um ihm zu sagen lass lass mich in ruh aber oft ist er noch lauter als ich. liebe Grüße, cars
zOe schrieb am 2008-01-23 21:44:39:
das ist toll! ich liebe diese geschichte, sie ist ja so etwas von wahr... vielen dank für diese tolle story, ich denke, noch mancher mensch kann sich darin wiedererkennen und etwas davon mitnehmen. ich bin beeindruckt...
liebe grüsse, zoe

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