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Kategorien > Kurzgeschichte > Alltägliches

Und die Tage vergehen (Teil 1)

von Columbus

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schon einmal gesehen hatte. Und eigentlich kannte er sie alle und hatte sie alle in seine Nickolson-erinnert-sich-an-jede-Frau Büchse gespeichert. Jede Frau, die er sah, ordnete er in 2 Kategorien ein: Kategorie 1: mit der würde ich gerne mal, Kategorie 2: mit der nicht

Und er war sich sicher, dass das Verhältnis von Kategorie 1 zu Kategorie 2 1:9 war. Das heißt, dass von 10 Frauen 9 von vornherein ausschieden. Sie waren ihm zu dick, zu alt, zu ungepflegt, aber, was für Nickelson letztlich am wichtigsten schien: zu schnippisch. Er konnte es an ihren Mundwinkeln erkennen. Hierfür hatte er ein hundertprozentiges Gespür. Schnippigkeit ist der Anfang vom Ende, sagte er sich immer. Wenn er früher ab und zu Mädels mit nach Hause gebracht hatte, und seine Mutter zu ihm sagte: Ach, die fand ich aber sehr nett, hatte er oft geantwortet: nett ja, aber sie hat so einen schnippischen Zug um die Lippen, wobei er das Wort schnippisch dann so aussprach, wie eine schnippische Frau es nicht hätte besser machen können.

Saucy sagte der Engländer dazu, it’s a saucy girl. Aber schnippisch gefiel Nickolson besser, bei diesem Wort hörte man förmlich schon diese gespielte Arroganz. Aber dieser Blick hier war nicht schnippisch. Nickelson erinnerte sich: Es musste vor etwa 2 Jahren gewesen sein, er hatte abends noch ein paar Bier in einer Kneipe getrunken, wollte gerade bezahlen, als er Sammy getroffen hatte. Sammy hieß eigentlich Samanta, war so alt wie er und war Lehrerin an einer Hauptschule.

Da fahr ich ja lieber mit meinem Bus zehn Stunden im Kreis rum, als mich mit diesen Kids rumzuärgern, hatte Nickolson zu ihr gesagt. Ja, hatte Samanta geantwortet, wenn das so einfach wäre. Und dann hatten sich beide eine Flasche Wein bestellt und dann noch eine und sie erzählten sich Dinge, die sie vorher noch nie jemandem erzählt hatten und landeten letztlich auch in der Kiste.

Ain`t she sweet? hatte Nickolson damals gedacht, ich wusste gar nicht, dass Lehrerinnen so sexy sein können. Toll, hatte Samanta damals gedacht, ich dachte immer, Busfahrer wären immer nur doof und unfreundlich. Und dann waren sie eingeschlafen. Am nächsten Morgen ist Nickel zuerst aufgewacht. Es war Sonntag, 8:37 Uhr, Herbst. Die Sonne schien leicht in sein Schlafzimmer und er freute sich, dass er das große Futonbett hatte.

Er beobachtete Samanta, wie sie neben im lag und noch schlief. Sie lag halb auf der Seite, das Gesicht zu ihm gewandt. Ihr Mund war etwas geöffnet, und etwas Spucke war auf das Kopfkissen gelaufen. Nickel hörte ihren leichten, gleichmäßigen Atem. Sie hatte die Decke bis zum Hals hochgezogen, deshalb konnte er nichts von ihrem Körper sehen. Aber soweit er sich erinnern konnte, und das war nicht besonders viel, hatte sie wunderbar ausgesehen.

Sie sieht wirklich aus wie eine Prinzessin, hatte er sich gesagt, wie eine Prinzessin aus dem Taj Mahal. Wobei er eigentlich keine Ahnung hatte, wie es im Taj Mahal aussah und ob es dort überhaupt Prinzessinnen gab. Sie hatte schwarze, lange Haare, braune Rehaugen, einen schlanken Körper und ….Nickelson zog ihre Decke etwas nach oben, weil er ihre Beine betrachten wollte – nur einen Fuß! Er war wie versteinert. Es war wie bei einem schweren Autounfall: er wollte nicht hingucken, konnte aber den Blick trotzdem nicht davon abwenden. Oh mein Gott, sagte sich Nickolson, ich habe mit einer Einfüßigen geschlafen. Eine Frau mit einem Fuß! Er sah wieder an das Bettende, um Einzelheiten zu erkennen, fürchtete sich aber gleichzeitig vor dem Anblick. Wie konnte ich das gestern bloß übersehen?

Er erinnerte sich nur an die vielen Weinflaschen, an das Lachen, seine gute Laune - klar, dass man da schon mal einen Fuß übersehen konnte. Aber jetzt war er wieder einigermaßen nüchtern, und er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte. Sollte er so tun, als hätte er es nicht gesehen? Einfach so darüber hinwegsehen? Die Decke wieder drüber und sich dann schlafend stellen? Dann hätte Samanta Zeit, sich die Prothese anzuziehen und ihre Hose und Schuhe und würde vielleicht Kaffee machen und er würde so tun, als wäre alles normal. Oh Gott, eine Prothese!

Irgendwo muss die ja hier rumliegen. Nickel schielte aus seiner Position auf den Fußboden, konnte aber nichts entdecken. Nickolson war verwirrt. Er hatte schon einige Frauen hier in seinem Futon-Bett gehabt, und immer waren es Zufallsbekanntschaften, Kneipenbekanntschaften, Grillen-bei-Freunden-Bekanntschaften. Einmal hatte er eine Frau hier, die war in seinem Bus dreimal hin-und her gefahren, bis sie ihm aufgefallen war.

Nickel hatte ihr angeboten, sie mit dem Bus nach Hause zu fahren, aber sie wollte das nicht, weil sie in einer kleinen Sackgasse lebte und er da nicht wenden könnte. Sie hieß Jenny, lebte gerade in Scheidung und hatte irgendwelche Beruhigungstabletten genommen, davon aber zu viel und dann eine Flasche Bier - zack, umgefallen, aufs Bett mit ihr und aus die Maus. Gelaufen war in dieser Nacht natürlich nichts, obwohl Nickelson öfters in Versuchung war, sie anzufassen, aber er ließ es dann doch besser bleiben. Wer weiß, hatte er sich gesagt, vielleicht krieg ich dann noch Ärger weil sie behauptet, dass ich sie vergewaltigt hätte.

Aber das heute war anders. Intensiver und schwieriger und nagte mehr an Nickels Ego, als alle Frauengeschichten vorher. Auf der einen Seite erschien ihm Samanta wie die perfekte Frau: charmant, intelligent, hübsch, liebevoll, sexy, - aber leider nur mit einem Fuß. Nickel fragte sein Kleinhirn, was es davon hielt, dass eine Frau mit nur einem Fuß hier neben ihm im Bett lag und er mit dieser Frau Sex gehabt hatte. Aber sein Kleinhirn antwortete nicht direkt, sondern schickte stattdessen einen hormonalen Cocktail in seine Lendengegend und Nickel streichelte Samantas Rücken, küsste sie und während sie ihn umklammerte und sich ihre Finger in seinen Rücken krallten, dachte er nur: Scheiße mit diesem blöden Fuß.

Ja, das waren die Augen von Samanta, -kein Zweifel. Nickelson sah noch eine Weile in den Rückspiegel und wandte dann den Blick ab. Was sollte er machen? Zu erkennen geben, dass auch er sie erkannt hatte? Oder einfach so tun, als hätte er sie nicht gesehen, einfach weiterfahren, rein in die Bronxx, vielleicht sogar die Sonnenbrille aufsetzen, damit sie seinen Blick nicht sehen konnte. Aber es waren alles die falschen Ideen, um einer Begegnung mit Samanta zu vermeiden, denn sie schob sich langsam zwischen all den Passagieren nach vorne Richtung Fahrer, Richtung Nickolson. Als dieser wieder in den Innenspiegel sah, konnten seine Augen sie nicht mehr finden, weil – ja weil sie jetzt direkt neben ihm stand.

Er lächelte sie an und zeigte hilflos auf das Schild: Nicht mit dem Fahrer sprechen! Es war damals ganz anders gelaufen, als er es sich vorgestellt hatte. Sie lagen beide im Bett, er hielt sie im Arm, ihr Kopf lag halb auf seiner Brust, ihre Hand kraulte sein immer noch dichtes Haupthaar, als sie plötzlich sagte: Du, ich muss dir was sagen. Oh, Gott dachte

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