Und sie lebt doch!
von
Harley Jameson
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Sobald sich das Jahr zum Ende neigte, stieg in mir dieses wohlwollende, befriedigende Gefühl auf. Es war wie in einer überdimensionalen Achterbahn, die mir die Eingeweide aussog.
Mit dem Herbst trat nämlich all das Wahnsinnige ein, was ich im Sommer vermisste.
Die Tage wurden länger, die Sonne, mir unglaublich verhasst, stieg nur langsam hinauf und schnell wieder hinab. Manchmal zwang ich sie die Leiter schneller herunterzuklettern, damit all meine sehnlichsten Wünsche in Erfüllung gehen konnten-und hierfür brauchte ich sie!Die Nacht. Schwarz sollte sie sein und vor allem einsam und ruhig. Sie sollte mir als Versteck dienen, damit ich unerkannt blieb und mich sicher fühlen durfte. Man sah bunte Blätter auf dem Asphalt und spürte den kalten Wind um die Nase.Meistens hatte ich nicht genügend Taschentücher bei mir, um mir den Rotz wegzuwischen und insgeheim wollte ich das auch gar nicht. Es gefiel mir verdreckt wie ein elender Hund die Straße entlang zu laufen und gegen jede Moralvorstellung der Gesellschaft zu verstoßen.
Zum ersten Mal an diesem Tag öffnete ich die Tür meines Zimmers einen kleinen Spalt. Es lag am Ende des langen Flures unseres großen Hauses und ich mochte es nicht, wenn jemand zu Nahe heran kam. Sobald ich Schritte vor meine Tür hörte begann ich wütend mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen. Ich wusste immerhin, dass es sie abschrecken würde noch näher heran zu kommen, denn niemand würde freiwillig riskieren, dass sich der einzige Sohn der Familie totschlägt.
Hier oben war niemand. Von unten drang ein kleines Lichtchen zu mir durch. Ich hörte die Stimme einer Nachrichtensprecherin. "Im US-Bundestsaat Vermont kam es zum wiederholten Male innerhalb weniger Tage zu wiederholten Grabschädigungen. Noch immer ist unbekannt, wer für diese Taten verantwortlich ist. Wir bitten um Hinweise aus der Bevölkerung!"
Eigentlich wollte ich es nicht, aber ein kleines Schmunzeln konnte ich mir nicht unterdrücken.
Mir taten meine Augen weh.Ich ertrug das grelle Licht nicht, was von unten in den Flur fiel.
Wie lange war es her, dass ich die 32 Stufen der alten aus Ebenholz gebauten Treppe hinunter gegangen war. So genau weiss ich es nicht. Vielleicht vier Tage. Vielleicht aber auch drei oder erst einen je nach Lust und Laune und über die hatte ich nicht zu entscheiden.
Eine Frau. Eine große, blonde Frau deren optische Attraktivität der einer jungen und begehrten Schönheitskönigin am ehesten glich! Sie war bereits fünfundfünfzig und seit über sechsundzwanzig Jahren verheiratet. Ihre Nachbarn gehen davon aus, dass sie mittlerweile wieder glücklich ist.
Nun stelle ich sie mir vor. Wie sie und mein Dad es sich auf der Couch gemütlich gemacht haben und die Nachrichten verfolgen. So verbringen sie jeden Abend, -aber nicht jeden Abend hören sie von einem Grabschänder, der vielleicht sogar ganz in der Nähe sein könnte.
Heute verfluche ich den Tag meiner Geburt! Warum weiss ich nicht! Sie hat es gesagt, also muss es stimmen.
Ich schloss die Tür wieder, sodass es für mich kaum hörbar war und setze mich auf mein Bett. Es knarrte. Kurz vor neun. Zwei Stunden musste ich also noch warten bevor sie ins Bett gingen. Viel zu lang meiner Einschätzung nach, aber jetzt konnte ich nicht. Sie würden mich sehen und sich wundern, dass ich um diese Uhrzeit noch das Haus verlasse. Das hieß wohl, dass ich mich zusammenreißen musste!
Allmählich fielen mir die Augen zu und ich versuchte krampfhaft dagegen anzukämpfen.Nein, nein, nicht heute dachte ich mir, als ich hörte wie eine Tür laut ins Schloss fiel. Ich war plötzlich hellwach und unglaublich erregt. War es soweit? Konnte es jetzt wieder losgehen?
Vorsichtig schlich ich mich zu meiner Zimmertür, um einen Blick nach unten zu werfen.
Kein Licht! Da war kein Licht! Und ja!Ich hörte ihn schnarchen. Jonathan Greogor der Erste lag in seinem Bett und schlief und konnte sich mir nicht mehr in den Weg stellen.
Mein Zeitpunkt war gekommen!
Sobald die große weiße Tür hinter mir lautlos ins Schloss fiel, ballt ich die Fäuste, um so meiner ansteigenden Freude Ausdruck zu verleihen. Ich gebe zu. Es ist durchaus vorteilhaft am Ende der Stadt zu wohnen, dort wo sich die Leute nicht so gerne aufhalten. Deshalb brauchte ich mich auch nicht zu fürchten von jemanden gesehen zu werden, denn unsere Nachbarn waren nur die Mowtons und die gingen für gewöhnlich bereits um sieben zu Bett.
Meine Schritte wurden hastiger, immer wieder blickte ich mich um, aus Angst jemand könnte mir vielleicht doch noch gefolgt sein. Ich weiss es klingt absurd, aber ich wusste,wenn ich bei ihr war, würe all das verflogen sein. Die Nacht war kalt! Ich beeilte mich, um sie vor Mitternacht zu erreichen! Es war nämlich ihre Lieblingszeit, sagte sie immer.
Heute wollte ich ehrlich sein und meinen Eltern offenbahren , dass wir sie beide hassen. Dass sie sie tiefgrundig aus der Seele heraus gehasst hat, doch ich tat es nicht.Kein Wort kam über meine Lippen, auch jetzt nicht, während mir die Bilder noch einmal durch den Kopf gehen. Da war sie. Klein, strahlend und und immer am Lautesten. Da war ich. Groß und drahtig, meist ruhig und vernarrt in dieses kleine Etwas, was mich mit seiner Geburt zu einem besseren Menschen gemacht hatte. Wir waren in einer Gruppe in den Wald gegangen, wollten es uns in einer Ecke gemütlich machen und vielleicht noch ein paar Vögel schießen, als sie auf einmal weg war. Wo war sie? Hatte ich sie gerade nicht noch im Arm?
"Jonathan! Du bist der beste, beste, beste...."
Ich hörte sie nicht mehr, denn ich sah nur noch wie mir etwas Kleines in die Arme fiel.Sie lächelte nicht, sie blickte mich nicht an, wo war er? Wo war ihr wunderschönes Gesicht, mit dem sie mich immer so verzaubert hatte!WEg, weg, weg!
Ich sah jetzt die Hecke vor mir und war erleichtert, dass allles so reibungslos geklappt hatte.
Der Friedhof war men Lieblingsort!Meist kam es mir so vor, als forderte er mich auf ihn in meine Gewalt zu nehmen und ihn zu MEINEM Friedhof zu machen.
Und ich tat es!Ich tat es in jeder Nacht, in ganz Vermont!
Auf einigen Gräbern brannte eine Kerze, auf dem meiner Schwester Sarah aber nicht. Ich hatte ihr vorgeschlagen hin und wieder mal eine anzuzünden aber sie weigerte sich inständig.
Mein Körper bebte vor Erregung. Schnell ging ich darauf zu und bemerkte abermals, dass ich schon viel schönere Grabsteine gesehen hatte. Warum hatte sie nicht den Schönsten!
Wut stieg in mir auf und zerfraß mich.
Ihrer war braun und langweilig, nicht einmal ein Bild von ihr war auf dem Grabstein zu sehen.
"Sarah Lergus,
geb. 01.03.1978
gest. 17.08.1989"
Das war also alles was sie für ihre Tochter übrig gehabt hatten!Und wie ich sie hasste.
Doch das würde sich jetzt alles ändern. Ich legte meinen Koffer nieder und holte die Schaufel hervor, die ich aus dem Geräteschuppen meines Nachbars gestohlen hatte. Sarah wollte es so.
Sie fühlte sich gut an in meinen Händen und ich begann mich an die Arbeit zu machen. Zuerst fiel es mir leicht, da die Erde von oben
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