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Kategorien > Essay > Nachdenkliches

Underground Theater, Paris, Frankreich 3.9., 22 Uh

von Celine


Geschichte:
Auf meiner Reise, bei der ich die Chance Paris zu sehen, mir nicht entgehen
lassen wollte, lernte ich vor allem die künstlerische Seite der Stadt
kennen. Ich kam in den frühen Morgenstunden am Bahnhof in Paris an und miete
mich alsbald in ein kleines, etwas schäbiges aber hauptsächlich billigen
Apartment ein. Da war ich nun, endlich in Paris. Wie lange hatte ich schon
von dieser Stadt geträumt, und mir Vorstellungen gemacht, welche sich jetzt
aber in keiner Weise erfüllten. Am meisten interessierten mich die kleinen
Nachtclubs, die verruchten Bars, in welchen man noch auf das klassische
Frankreich traf, wo einen noch die leidenschaftlichen französischen Nutten
begegneten. Wenn ich das Wort Nutten benutze, kann schnell ein falsches
Licht auf diese Etablissements fallen. Ich meine nicht diese, welche
billigen Sex verkaufen, sondern jene, welche einen geheimnisvoll umschwirren
und einen aufzeigen, warum Paris die Stadt der Liebe genannt wurde.
Da ich die Stadt sonst langweilig und ordinär fand, wartete ich den Abend da
und vertrieb mir die Zeit damit, mir die Sehenswürdigkeiten und Spektakels
der Selbigen reinzuziehen und mich von den alltäglichen Geschehen Jener
inspirieren zu lassen, welches sich jedoch kaum von den anderen weltlichen
Großstädten unterschied. Als es endlich dämmerte, und ich fast alles bis
dahin Gesehene mit einen Weinsorte runterspülte, welche mir der Gaston zu
meinen Mahl empfohlen hatte - die Verständigung war trotz meiner fehlen
Sprachkenntnisse in Französisch recht gut gewesen - machte ich mich auf,
das für mich wahre und echte Paris zu sehen. Ich lief durch die Straßen und
Gassen der Stadt, ziellos, und fand recht bald ein solches Etablissement,
von welchen ich anfangs bereits berichtete. Nach wenigen Minuten verließ ich
es aber wieder und mußte mir vergegenwärtigen, daß zu dieser Uhrzeit
sicherlich noch nicht die Szene ihr Aufgebot hat, welche ich erleben wollte.
In einer recht gemütlichen Bar ließ ich mich dann nieder. Ich mußte noch ein
paar Stunden rum bekommen und fing an, mich mit Wein zu besaufen. Je länger
ich in dieser Bar blieb, desto anstoßender wurde die übrige versammelte
Gemeinschaft. Es waren Börsenjuppies, Snobs und Normalos, die sich hier wohl
zu ihren Stammtischtreffen versammelten. Ich paßte nicht hier rein, in diese
Bar, wollte aber auch nicht schon wieder los. Ich verweilte noch eine
weitere halbe Stunde und verließ dann letztlich die Kneipe, welche gar nicht
verrucht und zwielichtig war. Da ich keine Uhr besitze, weiß ich nicht, wie
spät es geworden war, aber ich dachte mir, das es allmählich Zeit sein
müßte, für die Unterhaltung, auf welche ich schon den ganzen Tag gewartet
habe.
Abermals ziellos ging ich durch die Stadt, immer auf der Suche nach
Szenekneipen, nach Meinesgleichen und nach diesem Hauch von Erotik.
Es trübte sich etwas ein und einige dünne Nebelschwaden zogen auf, welche
die Sicht einschränkten und das Licht nur schwerlich durchdringen ließen. Es
bildete sich unweigerlich eine trübe und geheimnisvolle Stimmung. Ich
zündete mir gerade eine Zigarette an, als ich im Licht meines Feuers
unerwartet ein liebliches, sehr schönes Gesicht sah. Da ich mich
erschreckte, erlosch das Feuer für einen Moment. Im nächsten wollte ich es
bereits wieder vor meiner Zigarette haben, das aber nicht passierte. Ich
versuchte es noch mal, aber keine Flamme entzündete sich. Ich machte mir
schon Sorgen, jetzt dazustehen wie ein Trottel, als plötzlich meine Augen
ein grelles und meine Haut ein warmes Licht wahrnahmen. Sie lächelte etwas
und ich bedankte mich mit ein paar Worten, die ich durch meinen heutigen
Stadtbummel lernte. Sie lächelte noch etwas verstärkt, vielleicht habe ich
nicht das gesagt, was ich sagen wollte, oder ich habe die Worte falsch
ausgesprochen, auf jeden Fall hatte sie genug Verständnis, und fing nicht
mit lachen an. Ihre Augen musterten mich kurz und dann sah sie mir ganz
geheimnisvoll in die Meinigen. Ich war faszinierten von diesem Anblick. Ich
erwartet, das sie gleich was sagen würde, und war gespannt auf die Stimme
des wundersam hübschen Geschöpfes. Sie jedoch dreht sich blitzschnell um und
versuchte im Nebel der Nacht zu verschwinden. Was folgt ist ja wohl klar.
Ich fühlte mich wie gefesselt von einem Bann als ich ihr in die Nacht
folgte. Sie lief schnell und bog in Seitenstraßen und immer kleiner
werdenden Gassen ab, das ich bald ich Orientierung verlor und jetzt auf sie
angewiesen war, weil nur sie den Weg zurück zu kennen schien. Sie bog ein
letztes Mal ab und da verlor sich ihre Spur. Ich stand nun in einen
Hinterhof, so wie ich vermutete, es war dunkel und still und ich bekam
Angst, weil Schreie hier scheinbar von der Dunkelheit geschluckt werden,
zudem kommt der Nebel, welcher jedes Geräusch dämpft und nur noch leise und
verstümmelt weiter reisen läßt. Ich schaute mich um, versuchte ruhig zu
bleiben und den Ausgang des Hofes zu finden. Dieser schien weg zu sein, was
nicht möglich sein konnte. Ich wollte noch mal auf mein Feuerzeug zurück
greifen, als mit einen lauten Quietschen und Scheppern eine schwere Eisentür
geöffnet wurde und der Platz auf dem ich mich befand, ein Hinterhof von
einer Fabrikhalle war, mit weißen kalten Licht ausgestrahlt wurde.
Erschrocken sah ich in das Licht und auch gleich die Silhouette eines
stattlichen Mannes. Er trat hinaus und sah mich musternd an. Dann lächelte
er und lachte kurz auf und fragte mich etwas. Ich verstand kein Wort, da es
Französisch war, welches ich nie in der Schule hatte, noch mir vor meiner
Reise aneignete. Ich dachte, daß ich es schon lernen würde, wenn ich dann
durch Paris spazieren ginge. Als sich dann die Möglichkeit ergab, stellte
sich heraus, das ich bloß wenige Tage in Paris sein werde und machte mir
deshalb auch keine weiteren Gedanken wegen der Sprache. Aber zurück zu
meiner Ausgangssituation. Ich schüttelte den Kopf und hob die Arme und
versuchte dem Herrn klar zu machen, das ich der hiesigen Sprache nicht
mächtig bin. Er verstand sofort, ähnlich wie der Gaston heute Abend, und
lachte laut, aber nicht unfreundlich. Mit einer sehr gastfreundlichen und
mir sehr angenehmen Geste weiß er mich in die Halle ein. Als ich näher an
ihn kam, sah ich seine freudig gehobenen Augenbrauen und sein breites,
glückliches Lächeln. Er war nicht so jung wie ich, oder ich nicht so alt wie
er. Vielleicht Anfang oder Mitte Vierzig. Er hatte einen Schnauzer und war
etwas rundlich. Ich sah deutlich seine Lachfalten und kurz in seine
freudigen Augen. Er wirkte durch seine rundliche Figur sehr gemütlich und
war mir gleich sympathisch, obgleich ich heute noch nicht genau sagen kann,
worüber er sich so freute, oder warum er so freundlich zu mir war.
Als ich den Raum hinter der schweren Eisentür betrat, stellte ich gleich
fest, daß diese nur ein Vorraum von dieser Halle sein muß. Mir fiel gleich
eine weitere Tür auf, die wohl in das Halleninnere führt. Hinter mir knallte
die Eisentür mit ein lautes Scheppern zu. Ich sah mich flüchtig um. Ein
kleiner Tisch, ein Stuhl, ein Aschenbecher, ein paar volle und leere und
halbvolle Weinflaschen, ein aufgeschlagenes Buch auf den Tisch, der
Aschenbecher gefüllt mit Kippen. Die Wände es Raumes waren teilweise in Weiß
gestrichen und teilweise mit Putz verschönert. Dieser Teil war jedoch der
Kleinere. Von der Decke hingen 4 Leuchtstoffröhren runter, zu je ein Paar,
und überfluteten den Raum mit weißem Licht. An der zweiten Tür hing ein
Poster mit einer französischen Aufschrift. Ich betrachtete die wirren Farben
auf dem Selbigen und die verzerrten geometrischen Figuren. Unter der
französischen Schrift stand "BALSCHOJ", was mir sehr russisch klang, aber in
normalen Buchstaben geschrieben war. Davor stand "Theatergruppe", was ich
erst jetzt sah. Der Mann schritt an mir vorbei und setzte sich auf den Stuhl
bei dem Tisch und sah mich auffordernd an. Ich ging hin und er zeigte mir
eine kleine Preisliste, die neben französisch auch in deutsch war. Ich gab
ihn das Geld für eine einzelte Eintrittskarte, neben dieser gab es noch
welche für Paare und Gruppen, was nicht viel war und unmöglich eine
Theatergruppe überleben lassen kann, da ich mir jetzt sicher war, endlich
auf die von mir gesuchte Kunstszene getroffen zu sein. Er bedankte sich,
schenkte mir ein Glas Wein ein, das er auf einer Box neben dem Stuhl holte,
zahlte das Geld in eine Kassette ein, die ebenfalls dort war und ich bot
ihm, überwältigt von dieser kostenlosen Fremdenfreundlichkeit eine meiner
Zigaretten an. Er nahm dankend an, und so tranken wir erstmal und rauchten.
Als ich alles verzerrt hatte stand er auf und öffnete mir die Tür und winkte
mich wieder mit dieser freundlichen und zuvorkommenden Geste hinein. Der
Raum, der sich mir nun bot und erst hinter einen schwarzen Vorhang sich mir
zeigte, war der Kontrast zum Vorigen. Groß, dunkel und leer. Es mußte wohl
die Halle sein, oder ein Teil von dieser, denn an den Wänden waren kleine
Lampen, oder eine Lichterkette angebracht, die nicht nur die Grenzen des
Raumes verdeutlichten, sondern auch den dunklen Ort etwas erhellten. Ich
gewöhnte mich langsam an die Dunkelheit und entdeckte nun auch noch andere
Leute, die auf Stühlen saßen und ihre Köpfe teilweise zu mir und teilweise
zu einen dunkelblauen Vorhang wendeten, hinter dem wohl die Bühne sein
mußte. Es waren nicht viel da, viele Stühle waren noch frei, aber es stellte
sich bald heraus, das ich der letzte war, der neu zu den cirka 25 oder 30
Leuten kam. Ich stand noch immer am Eingang und wollte gerade mir einen
Stuhl in den hinteren Reihen suchen, als sie plötzlich wieder so unerwartet
aus der Dunkelheit auftauchten, wie zuvor auf der Straße. Sie sah mich mit
einen zufriedenen Lächeln an und leise und ruhig sagte: "Komm." Ihre Stimme
hätte nicht anders sein können. Im Vorraum hatte ich unsere Begegnung schon
wieder ganz vergessen und war nun froh, daß sie mir auf diese Weise noch mal
in das Gedächtnis zurückgerufen wurde. Als ich sie jetzt sprechen hörte
ergriff mich eine Verliebtheit, die ich zu finden in dieser Stadt suchte.
Sie hatte eine schön weibliche Stimme, zart aber nicht kindlich, unterlegt
von einer kleinen Unsicherheit, um nicht allzu bestimmend zu klingen. Ich
denke nicht, daß sie unsicher war, da sie mich doch hierher geführt hatte.
Ich lief ihr hinterher, sie zeigte mir einen Platz und ich wollte sie
bitten, das sie sich doch mit zu mir setzt, aber da ging sie schon wieder
weg, schaut noch kurz in mein Gesicht, das sicherlich verwundert
dreinschaute, winkte mir mit den Fingern zu und verschwand ganz und gar im
Schwarz des Raumes. Es muß wohl ein weiterer Vorhang gewesen sein. Ich saß
zu meiner Verwunderung an einer Stelle, die ich auch von selbst gewählt
hätte. Hinter mir war niemand weiter, und vor mir hatte ich die verstreut
plazierten Menschen gut in Blick. Hier und da sah ich einige Paar, und sich
küßten oder unterhielten, aber nur sehr leise. Es lief eine
Hintergrundmusik, leise und ruhig. Ich kannte sie nicht. Da es noch dauern
sollte, bis die Gruppe anfing, lehnte ich mich zurück, schloß die Augen und
konzentrierte mich auf die Musik, welche so beruhigend und sanft mich in die
Arme nahm und leicht schaukelte. Ich fühlte mich innerlich Zufrieden und
wäre wohl eingeschlafen, wenn nicht urplötzlich, völlig unerwartet und zum
Erschrecken eines Jeden dort diese Sanftheit mit einen gnadenlosen,
zermürbenden und schrecklich panischen Geräuschcocktail zurissen worden
wäre. Ich blickte mit weit aufgerissenen Augen zu Bühne, von der Dieser kam
und sah, das er zum einem aus dem Geräusch bestand, welches auftritt, wenn
ein großer Vorhang mitsamt seiner Befestigungseinrichtung auf einen
Betonboden knallt, dabei zeitgleich jemand mit aller Kraft in die Saiten
einer E-Gitarre greift und die Highheads eines Schlagzeuges mit voller Wucht
angeschlagen werden. Dazu schrie jemand das Publikum an, und sagte dann laut
und kräftig, das es nun beginnen werde mit diesen Worten: "Laßt uns
beginnen!!". Zu meiner Verwunderung war es deutsch und ich fragte mich, wie
die anderen das wohl verstehen wollen, wenn ich richtig mit der Vermutung
bin, das es Franzosen seinen. Aber man muß diese Worte nicht verstanden
haben, um zu wissen was nun vor sich ging. Ich schaute auf die Bühne und sah
nichts. Alles war schwarz, alles, der ganze Raum, sogar die Lichterkette war
nun aus. Kein Licht, ich sah die Hand vor den Augen nicht. Es passierte auch
nichts weiter. Ich saß in einen völlig schwarzen Raum und verlor bald das
Gefühl, wo oben und unten ist. Ich hätte nun überall sein können, ich selber
hätte nun nicht mehr ich sein können. Ich hielt es bereits für höchst
wahrscheinlich, gleich auf einen Krankenbett irgendwo in Maleisyen
aufzuwachen, oder in einer Psychiatrie, als das Schwarz von der Bühne
aufgezogen wurde und eine schwach beleuchtete Kulisse zum Vorschein kam. Es
waren wirre Farben und verzerrte geometrische Figuren. Die Bühne war mit
vielen schwarzen Umrissen bestückt. Eine weibliche Stimme, aber nicht die
von ihr, sagte einen Namen, den es nicht lohnt hier wiederzugeben. Danach
leuchtete etwas auf der Bühne auf. Es war das Gesicht von einer Person,
welche recht weit hinten saß und wahrscheinlich der Schlagzeuger war. Das
Gesicht wurde von einer blauen Lampe von unter her beleuchtet und warf
einige phantastische Schatten und gab den Typen ein dämonisches Aussehen.
Gleich darauf wurde der zweite Name aufgerufen und der Vorgang wiederholte
sich, es kamen noch drei weitere Namen durch die Lautsprecher und drei
weitere blau angeleuchtete Gesichter zum Vorschein. Außer den Gesichtern war
von den Musikern nichts zu sehen. Die Kulisse wurde nun von anderen, sich
immerzu wechselnden Farben angestrahlt und eine sphärische Musik setzte ein,
wie ich sie bisher nur von Pink Floyd kenne. Aber diese war anders, noch
abgedrehter, noch weiter draußen im All, die Töne zogen sich die Gummi durch
den Raum, sie betteten uns in Gelatine und versetzten mich in einen
lethargischen Zustand, er dem vom meiner anfänglichen Entspannung glich. Ich
schloß diesmal aber nicht die Augen, sondern starrte in die ausdrucklosen
Gesichter der Musiker. Sie starrten vor sich hin, verzogen keine Mine und
bald hatte ich den Eindruck, daß es nur Puppen seien. Der Raum wurde von
allen Seiten in Nebel gehüllt, so daß es mir schwer fiel, dem Geschehnissen
auf der Bühne zu folgen. Dort passierte aber nichts, noch nicht. Als sich
der Nebel wieder legte und, schwerer als Luft, auf den Boden sank, sodaß ich
nun auch meine Beine kaum noch saß, kam Bewegung auf die Bühne. Es hatten
sich mehrere Leute in grauen Anzügen so aufgestellt, als wenn die Zeit
angehalten wurde, als sie gerade liefen. Sie hatten Aktentaschen und
starrten stumpf vor sich hin, ähnlich wie die Band und ich hatte wieder das
Gefühl, das es Puppen seinen. Die Band war im Hintergrund und ich wundere
mich über die plötzliche Größe der Bühne. Die Musik setzte irgendwo zwischen
Nebel legen und Beine suchen aus. Ein Mädchen mit zerrissenen Sachen und
wirren Haaren und einer aufgemalten Träne auf der Wange kam seitlich auf die
Bühne zum Geschehen. Die Kulissenfarbe änderte sich in blutiges Rot und ein
panischer Ton erschallte durch unsere Gespanntheit. Das Mädchen lief
zwischen den Anzugsleuten her und schrie sie an: "Mörder!", jeden von ihnen.
Diese blieben aber gefühllos stehen und blickten nur vor sich hin. Das
Mädchen drehte sich plötzlich zu uns rum und beschuldigte uns auch als
Mörder. Immer und immer wieder schrie sie uns an .Mir wurde langsam
unheimlich, die Bühne wurde dunkler und nur die Sachen von ihr leuchteten.
Über die Lautsprecher wurden ihre Worte von anderen Stimmen ungeordnet
wiederholt. "Mörder!!, Mörder!! Mörder!! Mörder!!", ich weiß nicht, wie
lange das so ging. Mit einen langen Echo verstummte langsam der letzte
Ausruf und die heller werdende Bühne zeigte nun ein Gebilde, das einen
Fernseher glich. Es saß ein Typ davor. Alles war so aufgebaut, das wir sehen
konnten, was in dem Pappapparat lief. Es waren 2 Menschen. Einer lag am
Boden, der andere hatte ein langes Messer und trieb dieses langsam in den
Körper des anderen. Die Band spielte dazu ein Kinderlied, aber ohne Text.
Der Mensch, der am Boden lag schrie wie am Spieß, der andere lachte und
schon floß das Blut. Erst nur auf der Wunde, dann spritze es dem Mörder ins
Gesicht, Dieser lachte noch mehr und schien das Blut zu trinken, ich
erkannte es nicht genau. Auf jeden Fall gefiel ihn es, daß er damit besudelt
wird. Der Typ vor dem Apparat war regungslos. Die Blutszene ging weiter, der
Schrei klang mir zu echt, als das es nur gespielt sein konnte und auch das
Blut erschien mir sehr echt. Zudem konnte ich nicht erkennen, das das Messer
nicht in den Körper des anderen Steckte. Als dieser sich zu uns wendete und
mit einer ausgestreckten Hand um Hilfe schrie, lief es mir eiskalt über den
Rücken. Ich bekam Panik, aber versuchte mich zu beruhigen und redete mir
ein, das es nur gespielt sein. Der Typ vor dem Gerät drehte sein Gesicht nun
auch zu uns, dann stand er auf und preßte krampfartig seine Lippen zusammen,
während er mit der Hand ein paar Mal gegen seinen Kopf schlug, und sich
benahm wie ein Irrer. Im Pappgerät lief die Szene weiter, das Opfer schien
nun aber tot zu sein und ich hoffte, das es nur gespielt war. Er Typ,
welcher vor dem TV saß und dann vor uns stand schrie laut, die sich
euphorisch in Lautstärke und Geschwindigkeit gesteigerte Kindermusik
übertönen, "Ich darf es nicht sagen!". Dabei schnappt seine Stimme über und
seine Augen quollen heraus. Er brach vor uns mit einem lauten Schrei
zusammen. Die Musik endete schlagartig. Nun war wieder alles dunkel, bis die
Gesichter der Band. Diese spielten wieder die Anfangs gebrachte sphärische
Musik. Diesmal sehr lang. Die Sängerin sagte unregelmäßig einige Worte in
das Mirko und verzog dabei kaum das Gesicht. Es waren Worte wie "Untergang",
"Leben", "Hass", Freundschaft" und so weiter. Ich bemerkte daß auf ein
negatives Wort ein positives folgte. Dieses Wechselspiel endete mit dem dem
Wort "Zeit!". Zerhakt bildete sie einen Satz, der in etwa so lautete: "Zeit
vergeht, Taten vergessen, Schnee, Grass, Laub und Blüten, Schichten drüber,
Entwicklung, Vergessen, Schweigen, Taubheit."
Es dauerte lange, bis sie das fertig hatte, aber die Worte hatten ihre
Wirkung nicht verfehlt. Jedes einzelte schlug ein, genau ins Gewissen, genau
in die eigene Erinnerung und jedes Wort durchsuchte mein eigenes Leben nach
Fehlern und falschen Verhalten.
Als die Bühne wieder heller wurde, waren die Darsteller inzwischen Weg und
ein Mann wischte das Blut zusammen. Er hatte ein Schild um, auf dem Stand:
Mein leben hat einen Sinn. Er sah sehr schwermütig aus und machte seine
Arbeit. Auf den Hintergrund der Bühne wurde zu dieser Szene ein Bild von
diesem Mann projektiert, auf dem man ihm aufgehängt sah. Ein hübsches
Mädchen kam auf die Bühne, zu den Putzenden und schaute uns sehr freundlich
an, auf dem Hintergrund sah man ein Bild, auf dem sie verprügelt in die
Kamera weinte, mit einen Schild, auf dem stand: Schuldig. Ein Paar betrat
die Bühne und stritt sich heftig. Sie schlugen sich und schrieben sich an,
diesmal war es französisch und ich verstand nichts, was aber auch nicht
nötig war. Auf dem Hintergrundbild zeigten sie uns Sequenzen auf einen
Pornofilm, in dem Beide mitspielten.
Die Musik, welche bis jetzt nicht da war, stieg mit einer sehr
melancholischen und ruhigen Melodie ein, das Mädchen, welche uns als Mörder
titulierte, kam von hinten auf die Bühne zwischen den anderen Schauspielern
hervor. Diese versperrten ihr erst den Weg, aber sie kämpfte sich durch. Auf
dem Hintergrund sah man nun uns. Es war ein Bild, auf dem man uns, also das
Publikum in genau diesen Raum sah. Es war heller, so daß man jedes Gesicht
sehen konnte. Das Mädchen hatte nun die Träne nur noch verschmiert im
Gesicht und ihre Sachen waren noch mehr zerrissen, als zu Beginn. Man sah
ihren Körper durch die Löcher im ihrem Hemd und ihrer Hose. Sie hatte eine
schöne helle Haut, die in der Dunkelheit sich deutlich abhob. Die übrigen
Schauspieler verwanden im nun abgedunkelten Hintergrund.
Sie war nun allein auf Bühne, abgesehen von der Band und sagte sehr
ergriffen: "Schmerzen!", worauf sich sic mit roter Farbe über das Gesicht
schmierte und traurig aussah. Sie wiederholte die Worte noch ein paar Mal
und hatte bereits die rote Farbe, oder das Blut, ich hätte es für möglich
gehalten, am ganzen Körper kleben. Die Musik wurde jetzt richtig traurig und
sie ging vor uns auf die Knie und weinte und redete etwas auf französisch.
Jetzt bereute ich es wirklich, die Sprache nicht gelernt zu haben, den ich
denke, das was sie da sagte, war die Aufklärung des Stückes, die Lösung von
allen. Sie gestikulierte zwar und es sah anklagend und kritisierend aus,
aber die genaue Bedeutung dieser Szene sollte mir verborgen bleiben.
Die Musik machte eine Wendung und wurde schneller, rockiger und gehetzter.
Die Anzugleute vom Anfang kamen auf die Bühne gelaufen und versammelten sich
um das weinende Mädchen. Diese blickte sie an und machte eine flehende und
bittende Geste und sagte auf französisch: "Nein", soviel verstand ich. Aber
sie sagte noch mehr. Die Anzugsleute schauten auf sie herab und hatten
abermals keinen Ausdruck in ihren Gesichtern. Sie gestikulierten auch nicht,
sondern schauten sie einfach nur an. Einer zog ein Messer aus seinen Koffer,
2 andere hielten sie fest und der Rest stand da und schauten stumpft ins
Publikum. Einer, der Abseits stand, hatte eine Fotokamera in der Hand und
fotografierte sie damit. Die Bilder waren aus dem Hintergrund zu sehen. Die
Musik steigerte sich nun wieder in Euphorie und die Sängerin schrie in das
Mikro. Zeitgleich rammte der Anzugsträger das Messer in den Körper des
Mädchens. Sie knickte den Kopf weg, das Blut lief aus der Wunde, die Musik
stoppte, alles bis auf die Gesichter der Band wurde dunkel und ich war
schockiert, diesmal sicher zu sein, das es nun wirklich ein Mord war. Das
würde auch die anfängliche Beschuldigung erklären. Sie wurde umgebracht, und
wir haben ihr nicht geholfen. Aber wieso wird ihr Mord in das Stück
eingebracht? Bevor die ganzen Fragen auf mein Einstürzen konnten, setzte die
Musik wieder ein. Die Szene auf der Bühne wurde wieder erhellt, im
Hintergrund sah man ein Bild von dem Mädchen und den Anzugleuten wie sie
lachen und ausgelassen feiern, ein weiteres Bild zeigt sie und den, der sie
erstochen hat, wie sie sich küssen, weiter Bilder dieser Art wurden
eingeblendet. Das Mädchen, immer noch in der sterbe Pose, hatte ein Schild
in der hand, auf dem Stand: Ich bin nicht tot! Und zeigte dieses hoch. Dann
sah sie in das Publikum und flüsterte ein fast nicht hörbares: "Bye, bye!",
wobei sie mit den Fingern uns zu winkte, wie es vorhin auch die Eine zu mir
tat. Dennoch war sie es nicht. Die Musik wurde noch mal laut, jeder spielte
noch mal sein Instrument an, danach wurde es dunkel, die Musik versummte,
die Lichter der Bandmitglieder waren aus. Die Lichterkette an der Wand war
aus. Die Bühne hüllte sich wieder in völliges Schwarz, diesmal aber auch der
ganze Raum mit. Keiner wagte es, jetzt was zu sagen. Wir saßen auf unseren
Stühlen und lauschten. Auf der Bühne schienen sich welche zu bewegen, ich
hörte, wie eine Gitarre irgendwo anstieß, es wurde etwas bewegt, Menschen
liefen über die Bühne ,aber ich hörte keine Worte, noch sah ich etwas. Nach
ein paar Minuten war alles still. Ich erwartete, die Schauspieler noch mal
zu sehen, damit sie ihren Applaus bekommen könnten und ich freute mich schon
darauf, den Raum erhellt zu sehen, aber nichts passierte. Nach weiten
wenigen Minuten hörte ich ein Auto wegfahren und ein schwereres,
wahrscheinlich ein Laster. Ich sah mich im Raum um, und hatte das Gefühl
ganz allein zu sein. Ich wagte aber auch nicht zu rufen, denn ich wollte
mich nicht vor allen blamieren. Stehen sie nicht auf der Bühne und erwarten
ihren Applaus? Ich drehte mich noch mal um und entdeckte ein Schild, das
beleuchtet EXIT aussagte. Ich war noch mal ganz leise und versuchte etwas zu
hören, aber es war nichts, kein Geräusch, nichts, also stand ich vorsichtig
auf und taste mich zu diesen Schild hervor.
Ich öffnete die Tür unter den Schild und kam in einen weiten dunklen Raum.
Dort war es deutlich kälter und ich konnte im Mondschein die schwere
Eisentür erkennen. Ich ließ hinaus, sah mich noch mal um, sah nur eine alte
dunkle und große Fabrikhalle und rannte dann weg. Ich versuchte schnell
wieder in mein Apartment zu kommen. All die ganzen Clubs und verruchten
Kneipen waren mir jetzt auch egal, genauso wie die verführerischen
französischen Frauen. Ich lief schnell in die Nacht hinein und war heil
froh, als ich dann endlich in meinem Zimmer auf dem Bett saß und mich wieder
sicher fühlen konnte. Aber warte! Hat da nicht ihre Stimme von der Straße
unten nach mir gerufen?

Kommentare

Cosmo Kramer schrieb am 2006-03-06 15:47:15:
Hi!
Ich will ehrlich sein, ich bin nicht ganz bis zum Ende gekommen aber was ich bis dahin gelesen habe, hat mir echt gut gefallen. Du hast ein recht gutes Gespür für das geschriebene Wort. Nur bei manchen Wörtern solltest du nicht zu umgangsprachlich werden, wie z.B "...reinzuziehen...". Ansonstenm ein paar kleinere Wörter die mir persönlich etwas unpassend erschienen sind, aber das ist rein Objektiv gesehen. (Natürlich zugleich auch Subjektiv :))
Mach weiter so!

Cya Cosmo

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