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Ungewöhnliches Ende einer Wanderung
von
Michael Reißig
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an der Zahl - betreten das Stationsgelände. Ein spannendes Knistern liegt in der Luft. Gespenstisch anmutende Stille legt sich über den Ort des Geschehens. Katarina nimmt die Bediensteten sofort wahr und steuert zielsicher auf einen dieser Ordnungshüter zu.
Mit seiner knusprig braunen Haut und der sportlich schlanken Figur – sieht er besonders gut aus - jener Beamte, der Katarina zur Begrüßung die Hand reicht.
„Gute Tag, Bundespolizei Chemnitz. Das ist kein Kavaliersdelikt! Der Zug musste eine Vollbremsung einleiten. Dieses wird ein Bußgeldverfahren nach sich ziehen!“, klagt der Uniformierte im vorgeschriebenem Amtsdeutsch an. Seine Stimme klingt rauh und eisern, die Gesichtszüge werden immer härter, gefährlich blitzen die stahlblauen Augen. Mit einem zaghaften Lächeln versucht sie ihre innere Aufregung zu verbergen.Tiefe Kummerfalten, die auf ihrer krebsrot gefärbten Stirn liegen, kann sie jedoch nicht kaschieren. Katarina – an sich die Ruhe in Person, ringt heute – wenn auch ungewollt - mit einer Angst, die ihr sonst so wesensfremd ist.
Einer der Polizisten fragt nach dem Personalausweis. Ohne mit den Wimpern zu zucken, fingert sie in ihrem Portmonee, schiebt das Dokument zwischen Daumen und Zeigefinger und überreicht es dem Gesetzeshüter. Dieser beruhigt sich rasch wieder und auch sein Blick verliert sichtlich an Schärfe. Ruhig, besonnen und ausführlich, schildert Katarina den Sachverhalt. Es setzt das übliche Kompetenzgerangel ein: Ein Beamter telefoniert mit einer zuständigen Stelle, die am anderen Ende der Leitung sitzen, wieder mit einer anderen. Die Telefonate ziehen sich endlos in die Länge. Kein Wunder – in diesem Musterländle der Bürokratie - die so seltsame Blüten treibt.
Ein besonders eifriger Ordnungshüter möchte nichts dem Zufall überlassen. Nahezu jeden Meter des Gleisbettes nimmt er akribisch unter die Lupe. Die Gleislatscher hätten ja mit ihren strammen Füssen, das aus hartem Kruppstahl bestehende Heiligtum von Bahnchef Hartmut Mehdorn in Mitleidenschaft ziehen können!
Die Zeit vergeht wie im Fluge. Wie lange werden die uns noch festnageln? Diese Frage stellt sich fast jeder in der Runde. Noch einen Zug verpassen möchte wirklich keiner von uns.
Katarinas freundliche Art, hat auch die beflissendsten Bediensteten nachhaltig überzeugt. Mit einem wohlwollend sanften Händedruck und einem freundlichen „Auf Wiedersehen“ verabschieden sich die Bundespolizisten von Katarina und besiegeln hiermit diesen denkwürdigen Abend. Die Beamten verlassen nun wieder das Bahngelände – sicher mit gemischten Gefühlen.
Nur um Haaresbreite sind wir einer Katastrophe entgangen und gerade noch so mit einem blauen Auge davongekommen. Jetzt heißt es erstmal tief durchatmen. Satte fünf Minuten verbleiben noch bis zur Abfahrt der City-Bahn nach Chemnitz. Der Zug ist pünktlich bis auf die Minute.
Darüber werde ich eine Kurzgeschichte schreiben, scherzt Rolf, den einige ungläubig anstarren, während wir im Abteil Platz nehmen. Keiner will es so richtig glauben, aber es sollte doch wahr werden. Diese Schilderungen, die später einmal einen historischen Wert haben könnten, sollten noch weggehen wie warme Semmeln.
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Kommentare
Jana Walther schrieb am 2008-10-18 19:37:30:
Lieber Michael,
ich hätte mit -viel- gerechnet, was deine -Schreibader- betrifft aber meine Erwartungen werden von diesen Zeilen völlig in den Schatten gestellt. Es ist wundervoll - einfach wundervoll. Ich wünsche dir von Herzen, dass du diesen Weg weiter gehst u. sicherlich noch viele Menschen mit deinen Lektüren begeisterst, Fühl dich umarmt. Jana
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