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Kategorien > Alltag > Beobachtung

Unter der Brücke

von jannyboy

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Eine Gruppe von jungen Leuten stehen Nachts um eine Feuer. Unter einer Brücke ist ihr zuhause. Sie haben kaputte und zerfranste Kleidung an. Sie wärmen sich am Feuer, welches
friedlich knistert. Sie reden miteinander. Fünf sind es. Hustend und röchelnd stehen sie da.
„Wie lange geht das nun weiter?“ fragt der eine. „Keine Ahnung.“ „Fünf Jahre geht das schon so“ antwortet ein dritter. „Wisst ihr noch? In der Tischlerei?“ „Ja. Wir hatten alle Arbeit. Und Geld.“ „Dann kamen die Kürzungen des Gehalts“ „Dann wurden wir einfach rausgeschmissen“ Alle senken ihre Köpfe.
Ein Haus. Ein großes Haus. Mit Garten. Es ist Nacht. In nur einem Zimmer scheint noch Licht. Ein Mann hockt auf einem Stuhl. Er hat ein Papier mit Zahlen vor sich liegen. Auf dem Papier sind Namen und dahinter Zahlen geschrieben. Er nimmt einen Stift und streicht einen Namen nach dem anderen durch.
Nächster Tag. Die Leute sitzen unter der Brücke. Sie sind mit Zeitungen bedeckt. Einer schnarcht. Ein anderer hustet. Einer weint. Tau liegt auf den Zeitungen. Einer steht auf.
Er geht zum Fluss, der sanft und leise unter der Brücke herrauscht. Er betrachtet sein Spiegelbild. Er hat einen langen Bart. Eine grüne Mütze. Eine blaue und zerfetzte Hose.
Er friert.
Im Haus des Mannes. Ein Wecker klingelt. Er bleibt noch ein bisschen im wolligen Bett liegen, steht dann auf und zieht sich seine Arbeitssachen an. Der Schlips muss sitzen.
Noch schnell die Lederschuhe an. Dann geht er runter, isst ein frisches Brötchen und trinkt einen Kaffee. Er wirft sich einen Mantel um und holt die Zeitung aus dem Briefkasten.
Während er sie liest, geht er zum Auto. Der Chauffeur steigt aus und öffnet ihm die Tür.
Der Man steigt ein. Der Chauffeur steigt ins Auto. Der Chauffeur fährt los.
Unter der Brücke lesen die Obdachlosen Zeitung. Alle lesen die Zeitung von gestern, die die Reichen weggeworfen haben. Sie lesen die Arbeitsangebote. Nach und nach sagt einer nach dem anderen „Nein, nichts da. Zu weit weg.“
Der Chef kommt in der Tischlerei an. Der Chauffeur öffnet ihm die Tür. Der Chef steigt aus.
Vor ihm liegt der riesige Gebäudekomplex. Man hört ein rattern und rumoren, als er eintritt.
Er geht in einen Raum, einen Stock über dem Arbeiterbereich. Er legt seinen Mantel ab und holt einen Zettel raus, den er am Abend zuvor geschrieben hatte. Der Sekretär kam an und begrüßte ihn mit einem „Guten Morgen“.
Der Chef zeigt dem Sekretär den Zettel. Er ist voller roter Striche. Nur noch ein paar Namen stehen dort. Der Chef lächelt und reicht ihm einen anderen Zettel. Darauf stehen andere Namen. Namen, die nicht von Menschen kommen. Zahlennamen. Dahinter wieder Zahlen.
Der Sekretär lächelt.
Drei Monate später. Nachts.
Unter der Brücke stehen Personen. Dreißig sind es. Sie haben kaputte und zerfranste Kleidung an. Sie wärmen sich an den vielen Feuern, welche friedlich knistern. Sie reden miteinander. . Hustend und röchelnd stehen sie da. „Wie lange geht das nun weiter?“ fragt einer. „Keine Ahnung.“ Sagt ein anderer. „Hey ihr“ sagt einer zu einer Gruppe von fünf Personen. „Seit wann sei ihr hier?“
„Seit fünf Jahren“ antwortet einer. Er redet weiter:“ Ihr werdet euch schon einleben. Die ersten Wochen sind immer hart.“ „Aber wir haben Hoffnung, dass wir schnell wieder einen Job kriegen.“ “Das solltet ihr nicht....Warum seid ihr eigentlich rausgeflogen?“ „Vor drei Monaten. Der Chef wollte Maschinen kaufen. Die seien billiger als Menschen. Die Tischlerei sei dann auf dem neusten Stand der Dinge.“ „Die Tischlerei hier in der Stadt?“ „Ja“ „Da kommen wir auch her.“
Am nächsten Morgen.
Ein Politiker geht über die Straße direkt in den Bundestag. Er nimmt Platz und bereitet seine Rede vor.
Ein anderer Mann geht in eine Ausstellung für Wirtschaftstechnologie. Er nimmt neben seiner neusten Erfindung platz.
Der Chef der Tischlerei geht freudig auf den Sekretär zu. „Wir haben eine Glückssträhne. Seit ich die neuen Arbeitsroboter gekauft habe, habe wir 40%% mehr Gewinn!“
Der Politiker geht auf das Rednerpult zu und beginnt seine Rede:“ Werte Damen und Herren.
Die Arbeitslosensituation in unserem Land hat drastische Ausmaße angenommen. Wir müssen etwas unternehmen........“
Eine viertel Stunde später. Ein anderer Politiker betritt die Bühne. „Werte Damen und Herren. Wir haben einen Großen Durchbruch im Bereich der Wirtschaftstechnologie erreicht. Wir haben nun die Weltbeste Maschine gebaut, die es schafft, 25 Personen ersetzen kann. Wir haben schon viele Aufträge, auch aus anderen Ländern, bekommen.“ Lautes Geklatsche erfüllt den Bundestag.
An der Brücke. Die Leute in den zerfransten Sachen lesen Zeitung. Sie husten und keuchen. Einem von ihnen, einem Neuen, fällt der Satz eines Älteren ein „Aber wir haben Hoffnung, dass wir schnell wieder einen Job kriegen.“ “Das solltet ihr nicht....“

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Kommentare

Hedwig schrieb am 2008-05-04 12:00:26:
ich find die Personenübergänge gut, man hät nur vielleicht eine freie zeile lassen sollen...
und meine Güte, dass soll realitätsnah sein, und nicht die realität, mit allem drum und dran.

LG
Jackson schrieb am 2007-03-22 21:00:14:
Tolles Thema und tolles Paradoxon, was da so aufkommt. Fortsetzungsgeschichte
Hättest besser nich durchgehend in der Mitte kurze Sätze nehmen sollen, das nervt auf Dauer nämlich.
Übrigens: Es gibt noch so was wie Hartz 4, auch wenns nich viel is.
Rainer Hohn schrieb am 2006-12-29 20:34:03:
Traurig, aber leider Realität in "Good Old Germany"! Ich hatte jetzt nach über 10 Jahren Glück und habe einen Job gefunden! Beschäftigungsmaßnahmen, Weiterbildungen und Umschulungen haben alles nichts gebracht!
Hexe schrieb am 2006-12-21 22:28:58:
ist schon coll, so die idee....nur die übergänge zu andre Personen haben mir nihct immer so gut gefallen aber sonst ehct gut zu nach denken! lg
floh schrieb am 2006-12-20 17:25:36:
is auch ganz gut, aber ich glaub nicht, dass man so schnell auf der straße landet. ;-)

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