Unterricht ! ?
von
Sara Anselm
Der Schulgong ertönt, der Unterricht beginnt. Eine gutaussehende Lehrertype eilt schwungvoll ins Klassenzimmer, mit sich schleppend diverse Literatur und das allseits beliebte kleine rote Büchlein. Bei mir schnackelt es sofort:
Wir haben jetzt Geschichte.
Ein jämmerliches Grinsen ziert das Gesicht des Lehrers. Lauernd betrachtet er seine Opfer. Wer wird wohl dieses Mal in die Klauen des Notentigers geraten? Seine Adleraugen streifen die Reihen und treffen - mich.
"Was schaut er denn so hypnotisierend", denke ich, "bin ich heute besonders hübsch?"
"Du!", donnert er durch den Raum, als ich mich anschicke, ihn freundschaftlich anzulächeln.
Häh? Mein Lächeln gefriert und wandelt sich in pures Entsetzen.
"Ja, du!"
Das leise Feixen meiner Nachbarin bestätigt mir die Wahrheit, es gibt kein Entrinnen mehr. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Vakuum. Wohl war ich in der letzten Stunde körperlich, aber offensichtlich nicht geistig anwesend. Mir ist nur noch bekannt, dass ich beim Schiffe versenken gewonnen habe.
Oder, doch! Wir haben Ludwig XIV kennen gelernt. Frankreich, ungewaschene, aber umso mehr parfümierte Gesellschaften, Dekadenz. Wie waren die Zusammenhänge? Was will er bloß hören? Meiner Kehle entrinnt kein Ton. Durch das langsam ungeduldige Schnauben des Lehrers werde ich in die Realität zurück gerufen. Die Patschehändchen einiger Neunmalkluger strecken sich auch schon gen Klassenzimmerdecke.
"Sehr kollegial", denke ich missmutig und versuche verzweifelt, mein Nichtwissen in Form von kunstvollen, hochwissenschaftlichen Sätzen, gespickt mit Fremdwörtern an den Mann bzw. an den Lehrer zu bringen. Klägliche Versuche meinerseits.
Doch die Rettung naht in Form eines genialen und ebenso altbekannten Schülertricks, der nur mit Hilfe sachkundiger Nebensitzer funktioniert. Näheres soll an dieser Stelle nicht erläutert werden, da 90% der Schülerschaft diesen simplen Trick kennt und zu schätzen weiß. Blitzartig weiß ich alles. Na ja, sagen wir mal fast alles. Ich kann mir einen triumphierenden Gesichtsausdruck nicht verkneifen. 1:0
Mein Lehrkörper ist sichtlich angetan und nicht minder erstaunt angesichts meiner unerwarteten geistigen Aufblühung. Ich strahle wie das vielgerühmte Honigkuchenpferd.
Die Hand des Lehrers wühlt in dem kleinen, roten Büchlein. Denkend wedelt er mit dem Schreiberling über der hoffentlich richtigen Seite.
"Gut, eine Zwei", brummelt er.
Mir entfährt ein Freudenquietscher. Seltsam, dass eine Skala mit bloßen Ziffern eine solche Bedeutung in einem Schülerleben gewinnen kann, augenblicklich über die Hochs und Tiefs der Gefühlslage und langfristig über den Erfolg im Leben entscheidet.
Tapfer schluckt er seine Niederlage, das allgemeine Bla Bla beginnt. Dazwischen versucht er uns das Ganze mit verstaubten Sparwitzen schmackhaft zu machen. Schon halbdösend wende ich meinen Blick den Geschehnissen hinter den Fenstern zu und fange an zu träumen...
Die wachsamen Augen des Unterrichtgebenden haben meine geistige Abwesenheit bereits erblickt. An wen ich wohl denke, fragt er unbekümmert mit betont freundlichem Gesicht. Alle lachen und ich werde dummerweise puterrot. Okay, 1:1.
Trotz dieser zugegebenermaßen gekonnten Einlage des Lehrers erscheint mir alles grau und öde...wie die Wolken, die sich gerade vor die ersten zaghaften Strahlen der Frühlingssonne schieben.
Was grinst er denn jetzt schon wieder ? Ach so, Hausaufgaben. Seite so und so viel im Buch. Ich ersehne die große Pause. Denn wie heißt es doch so schön: Ein leerer Bauch studiert nicht gern. Und da die Erlösung: Des Schülers liebste Melodie erklingt: Gong, Gong.
Kommentare
HdR.Fan@gmx.de schrieb:
An sich ist der Stil nicht schlecht, aber die Geschichte etwas belanglos. Was will uns diese Geschichte sagen?
sara_anselm@yahoo.de schrieb:
Es stimmt, besonders inhaltsreich ist diese Geschichte nicht, darum steht sie auch unter "Alltag" ;-)
Es handelt sich nur um eine Momentaufnahme aus einer gewöhnlichen Schulstunde mit den Facetten zwischen Unterrichtsintention und Unterrichtsrealität, nicht mehr und nicht weniger. Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren, als ich selbst noch Schülerin war, geschrieben und wieder "ausgegraben".
engelchen_lain@web.de schrieb:
Hallo Sarah!
Das ist wahrscheinlich eine der schönsten Beschreibungen einer Unterrichtsstunde, die ich je gehört habe, nur deinen Trick hab ich nicht ganz verstanden, weil mir so etwas noch nie passiert ist, es sei denn, ich hatte einen geöffnetes Heft direkt vor der Nase.
Dein 1:1 tat mir fast ein wenig leid, eigentlich hatte ich gehofft, der kleine Herr Lehrer hätte verloren, weil eigentlich verlieren so Leute nie. Wer schon mal zur Schule gegangen ist, kann die Situation auf Jeden nachempfinden... Weil ich meine wie viele Schüler passen denn schon im Unterricht auf??? Ich fand gute Bücher tausendmal interessanter (bevor ich achtzehn wurde und meine Entschuldigungen selber schreiben konnte, danach musste ich es bloß schaffen meine Pflichtstundenzahl irgendwie einzuhalten).
Ein großes Lob an dich! Wirklich super geschrieben... wundervoll... Ich bin begeistert...
Alles Liebe, Lain
shhsh@sajjsjs.de schrieb:
also mir gefällt die geschichte gut, ich musste auch eine schreiben und hab über eine englisch stunde geschrieben...
blid-blind-blind.de schrieb:
Voll scheiße ist deine fuck geschichte
iris.beimdieck@ibb-anzeiger.de schrieb:
Vergiß das Kommentar, welches direkt über mir placiert steht!!!!!! Super und mit viel Humor geschrieben! Obwohl ich schon lange nicht mehr die Schule besuche, hat mir Deine Geschichte sehr gut gefallen.
Übrigens muß eine Geschichte nicht unbedingt einen gedanklichen Hintergrund haben - das haben die wenigsten Romane oder Kurzgeschichten. Schreib' einfach weiter so!
marjamgj@web.de schrieb:
ich fand die story voll funny! ich hab vor 2 tagrn das gleich edurchmachen müssen!!!
hsgdkj@skfd.de schrieb:
ist mir auch passiert
schwarzeRose schrieb:
Hallo, also ich find die Geschichte ansich nicht schlecht, vielleicht hättest du Spannung miteinbringen können... Unterricht kann auch spannend sein - zu mindest für aussenstehende. Ich finds außerdem recht seltsam, in was für einer Art du geschrieben hast. Passt der Schreibstil wirklich so gut zur Schule?!
grüße, blackRose
serenade@fahr-zur-hoelle.org schrieb:
Schreib das besser nächstes Mal in dein Tagebuch!
ich1und2du@toggo.de schrieb:
Wow, geil.
Wenn ich sun geilen Lehrer hätte, wäre ich froh. Du hast die Geschichte nichts schlechter als "sehr gut" ;-) geschrieben. Von dir kann man was lernen.
An alle: bald kommt der erste Teil meiner Geschicht "Tatjana auf der Suche nach ihrer Mutter" auf diese Seite. Nicht verpassen und viele Kommentare abgeben.
Eure 70gramm
ge-anna.schmitt@hotmail.dede schrieb:
Der Anfang ist ihrgendwie langweilig.
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