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Kategorien > Familie > Neues Leben

Vater und Sohn

von Dreamgirl130

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Er sah ihn aus dem Café auf sich zukommen.
'Das soll also mein Vater sein', dachte er. Und während dieser Mann immer näher kam, dachte er nach, ob er ihn wirklich kennen lernen wollte. Noch wusste der Mann nicht, dass er auf seinen Sohn traf. Der Junge wusste nicht, wie er es sagen sollte. Sollte er es überhaupt sagen? Immerhin hatte er 19 Jahre verpasst. Er hatte seinen Sohn 19 Jahre im Dunkeln stehen lassen. Sein Sohn wusste nichts über den Vater. Gar nichts.
Nur über seine Vergangenheit wusste er Bescheid.
Dass er gewalttätig gegenüber seiner Freundin gewesen war. Dass er Drogen genommen hatte. Dass er im Gefängnis gewesen war.Und dass seine Freundin eine höllische Angst vor ihm hatte und abgehauen war.
Und diese Freundin wurde vor 19 Jahren ungewollt seine Mutter. Genau von dem Mann, der ihr das Leben zur Hölle gemacht hatte. Sie wollte ihren Sohn vor ihm beschützen, wollte nicht, dass er ihn kennenlernte.
Und jetzt standen sie so kurz davor, sich kennenzulernen. Als Vater und Sohn. Nur noch wenige Meter trennten die beiden und es kam dem Jungen so unendlich lang vor. 'Wie ein halbes Leben', dachte er.
Und plötzlich spürte er einen unbändigen Hass in sich aufsteigen. Darüber, dass er ihn allein gelassen hatte. Dass er einfach zu feige war, zu ihm zu stehen. Dass er ihn nicht mal gesucht hatte. Gleichzeitig war da diese unendliche Traurigkeit und diese riesengroße Angst vor dem, was kommen könnte.
Würde er jetzt seine Familie verraten? Seine Mutter hatte ihn immer gewarnt. Sie hatte so eine Angst um ihren Sohn. Er sah noch immer ihr Gesicht vor Augen, als er ihr sagte, was er vorhatte. Sie war geschockt gewesen, aber darauf hatte er damals keine Rücksicht nehmen können. Er hatte so lange gewartet..."Pass auf dich auf, Nick. Pass bloß gut auf dich auf, hörst du? Bitte!" Das waren die letzten Worte, die er von seiner Mutter hörte. Dann war er gegangen, um sich auf die Suche zu machen.
Das war vor einem halben Jahr. Niemand hatte damit gerechnet, dass der Vater sich blicken lässt.
"Er war jahrelang verschollen", sagte die Frau vom Jugendamt. "Ich wünsche dir, dass du findest, was du suchst. Aber ich kann es dir nicht versichern". Er erhielt alle Hinweise, die auf seine ehemaligen Wohnorte hindeuteten.
Er suchte alles ab bis er schließlich einen bedeutenden Hinweis erhielt, der ihn schließlich hierher führte. Getarnt als Versicherungskaufmann oder sowas (ihm war nichts besseres eingefallen).
Und jetzt? Jetzt kam dieser Mann, der ihm so fremd vorkam, auf ihn zu und gab ihm die Hand.
"Guten Tag, Herr Weber"



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