Vergangenheitsbewältigung
von
Connek
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Vergangenheitsbewältigung
`Puh, war das eine Nacht´ – viel Grübelei und ein unruhiges Gewälze im Bett. Maria hatte genug von …sich. Sie verspürte nur noch den Drang nach Glückseligkeit und Unangestrengtheit. Oberflächlich betrachtet, konnte sie auf ein Leben zurückblicken, das sie sich gut eingerichtet hatte : Sie war über die Verwirrung der Jugend mit ihren 40 Jahren hinaus, sie hatte einen verlässlichen, allseits beliebten Lebenspartner, sie wohnte in der Großstadt mit allen seinen Vorzügen und Annehmlichkeiten; und sie war unabhängig und frei – wenn sie gewollt hätte, hätte sie allem entfliehen können –auswandern zum Beispiel- alle Wege standen ihr buchstäblich offen. Sie hatte einen gutbezahlten, sozial- bedeutsamen Job, der sie forderte. – Manchmal allerdings , und diese Momente gab es beunruhigender weise immer öfter,
versank sie buchstäblich in einem tiefen Loch aus geregeltem Stumpfsinn.
Sie sollte etwas Entscheidendes tun - komme, was da wolle – am besten sofort – hier und jetzt.
Mit diesem Versprechen sprang sie aus dem Bett und ertappte sich dabei, wie ihr Körper, ihre Glieder automatisch den tagtäglichen Notwendigkeiten folgten: Kaffee aufsetzen, Zähne putzen, Zeitung lesen, Sudoku lösen….
bald waren die ersten morgendlichen Gedanken aus ihrem Gedächtnis wie ausgelöscht, keine Spur, kein Hauch des Erinnerns …
Es blieb nur eine Ahnung von etwas Unbewältigtem.
Sie sitzen sich in dem Café gegenüber. Maria isst hastig ihr Frühstück, ihre Bekannte Sandra vermeidet beim Sprechen den direkten Blickkontakt. `Ob ich zu gierig mein Frühstück verschlinge´, schießt es Maria blitzschnell durch den Kopf. Doch sie redet trotzdem weiter:
„…zum Beispiel bei Berichten oder auch nur Erwähnungen zum Thema Holocaust, da fange ich urplötzlich an zu weinen -- vor Rührung oder Scham, was weiß ich!“ Fragend schaut sie zu Sandra, die etwas erstaunlich Interessantes in ihrem Latte macchiato zu vermuten scheint. „Auch wenn wir Dinge nicht bewusst erinnern können, sind sie doch vorhanden, das nennt man Körperbewusstsein…“ Sandra berichtet ausführlich über ihre Situation auf der Arbeit und ihrem Vorankommen in der Therapie. `Und was hat das jetzt mit mir zu tun´, resigniert lauscht Maria Sandras Bericht. Auf der Rückfahrt im Auto erkennt Maria, dass sie besser ihren Mitmenschen zuhören kann als sich selbst. Mehr noch : Wie oft hinterfragt sie die Motive und Entscheidungen fiktiver Menschen aus Film- und Fernsehen . `Bin ich bescheuert, oder was? Es fällt mir wohl leichter Lösungen für andere zu suchen, zu nicken, Verständnis zu signalisieren, Empathie zu versprühen. -- Scheiße´, denkt Maria. Ihr Körper findet den Weg nach Hause. `Auch Besoffene landen ja gemeinhin immer wieder im heimatlichen Bett.´
`Scheiße`, denkt Maria wieder und legt gegen Mitternacht ihr schweres Haupt auf das speichelaufsaugende Schutzhandtuch über ihrem Kopfkissen --`Puh, das wird wieder eine Nacht´,…. .
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