Verlaufen, Prinzessin? (2)
von
Klara H
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Die Tür öffnete sich und Lewis trat ein. „Lewis!“, rief ich entsetzt aus „Hast du denn überhaupt kein Benehmen?“ Er tat so, als hätte er mich nicht gehört und setzte sich neben mich auf das Bett. „Ich wollte mich entschuldigen“, sagte er. „Mein Benehmen heute war nicht immer richtig.“ Er seufzte und fuhr fort: „Es ist nur so, dass du dich manchmal so merkwürdig benimmst. So unmenschlich!“ Ich versuchte die letzte Bemerkung zu überhören. Dann sagte ich: „Wir haben unseren Eltern nun mal Gehorsam zu leisten und ich verstehe nicht, warum du dich so gegen die Regeln sträubst.“ Jetzt musste mein Bruder lachen. „Lassen wir dieses Gespräch!“, sagte er und wechselte das Thema. „Wie ist dein Verlobter so?“ „Er ist charmant, gutaussehend und sehr belesen“, erklärte ich ihm und lächelte dabei selig. „Außerdem ist er so eine Art General der Armee seiner königlichen Majestät in London.“ Lewis nickte und meinte: „So etwas hätte ich mir denken können. Wenn er keinen hohen Stand hätte, dürftest du ihn bestimmt nicht heiraten.“ Ich antwortete nicht. „Aber sag mal“, fuhr Lewis fort „Was denkst du, wie alt er ist?“ Puh! Was er für Fragen stellte! Eine ganze Weile saßen wir schweigend da, während ich überlegte. „Vielleicht so 23?!“ Wieder sagten wir eine ganze Weile lang nichts. Dann stand Lewis von meinem Bett auf. „Ich freue mich für dich. Wirklich!“, meinte er. Er ging bis zur Tür und war schon beinahe aus dem Zimmer, da drehte sich mein Bruder noch einmal um und fügte hinzu: „Aber vielleicht solltest du mal überlegen, was du da zustimmst. Und deine Einstellung solltest du auch noch mal überdenken.“ Damit ging er hinaus und ließ mich alleine im Zimmer zurück.
Zu müde, um genau jetzt über diese Sache zu grübeln, schlief ich sofort ein.
In den folgenden Wochen hielt ich regen Briefkontakt mit Sir Henry, was meine ganze Kreativität auf die Probe stellte. Ständig überlegte ich, wie ich den nächsten Brief anfangen und beenden sollte. So bekam mein Verlobter Briefe, in denen ich ihn mit „Liebster Henry“, „Hochgeschätzter Henry“ oder auch mit „Teuerster Henry“ anredete. Die Ideen bekam ich aus allen möglichen Büchern (Er sollte meine Belesenheit und Kreativität ruhig erkennen).
Allerdings achtete ich sorgsam darauf, dass Lewis von dem Briefkontakt nur das Nötigste mitbekam, denn ich wusste, wie er reagieren würde, wenn er einen Brief sah, auf dem in Schönstschrift „Liebster Henry“ stand: Wütend auf meine Eltern, die mir meinen Verlobten ausgesucht hatten und enttäuscht, weil ich weder meine Meinung, noch mein Verhalten geändert hatte.
Eines Tages bekam ich einen Eilbrief aus London.
Es war ein sonniger Frühlingstag, ich saß im Garten, auf einer Bank unter einer alten Birke, und las ein Buch. Plötzlich kam Kate angerannt. In der linken Hand einen Brief. „Lady Priscilla“, keuchte sie und blieb schwer atmend nur ein kleines Stück vor mir stehen. „Lady Priscilla, ein Eilbrief von Sir Henry. Er ist wieder in London!“ Strahlend klappte ich mein Buch zu und nahm den Brief, möglichst ruhig und würdevoll, entgegen. Rasch öffnete ich ihn und fing an zu lesen.
„Pack sofort meine Sachen, Kate“, forderte ich meine Zofe aus und strahlte dabei. „Ich fahre morgen nach London!“
„Und er hat dich wirklich in sein Haus in London eingeladen? Du reist schon morgen ab?“
Mein Bruder und ich saßen in meinem Zimmer und spielten ein altes Brettspiel. Es war später Abend, meine Konzentration ließ langsam nach und Lewis war kurz vorm gewinnen.
„Das gefällt mir nicht!“
„Nie gefällt dir etwas, was mich freut.“
„Wundert dich das?“
„Es enttäuscht mich!“
Gerade wollte Lewis etwas erwidern, als Kate hereinkam und mich und meinen Bruder zu Bett schickte. „Sie brauchen Schlaf!“, erklärte sie mir, als ich mich weigerte. „Sie brechen morgen schon früh auf.“ Also zog ich mich um und legte mich in das große Himmelbett.
Um euch erst einmal auf den neuesten Standpunkt zu bringen: Ja, es stimmt. Der Brief war tatsächlich von Sir Henry, der sich zur Zeit in London aufhielt, und mich einlud, ihn für einige Zeit zu besuchen. Ich freute mich riesig auf London, denn ich war noch nie dort gewesen, hatte aber einiges darüber gehört. Es musste einfach großartig sein!
Am nächsten Morgen wurde ich schon vor Sonnenaufgang von Kate geweckt.
„Was soll das denn, Kate?“, fragte ich sie verschlafen und krabbelte aus dem Bett, jedoch sehr darauf bedacht, nicht umzukippen und aus dem Bett zu fallen. „Wir haben doch noch genügend Zeit. Du hättest mich wenigstens noch ein kleines Bisschen schlafen lassen können.
„Zeit?“, fragte Kate verwundert. „Wie sie nur immer darauf kommen?! Wir müssen noch packen!“ Während sie das sagte, riss sie meine Schranktür auf und holte Berge von Kleidern heraus. „Stopp, stopp, stopp!”, rief ich völlig perplex, verhedderte mich in meiner Decke und fiel kopfüber vom Bett, ohne mich allerdings ernsthaft zu verletzen. Schnell versuchte ich mich wieder aufzurappeln. „Was soll das heißen? Wir müssen noch packen? Wir? Noch packen?“ Kate grinste. Es war das Grinsen, welches ich so verabscheute, weil es mir das Gefühl gab dumm und klein zu sein. Es war ein wissendes Grinsen, was, meiner Meinung nach, absolut nicht zu einer Zofe gehörte.
„Ich komme mit“, erklärte sie in freundlichem Ton „Und wenn sie das packen nennen. Verzeihen Sie mir bitte, aber das“, und sie zeigte auf mein kleines Köfferchen in der Ecke des Zimmers, „Wird wohl kaum reichen. Sie müssen verstehen, Lady Priscilla: Sie verbringen keine drei Tage in London, sondern mindestens drei Wochen!“ „Drei Wochen? Hast du gerade ,drei Wochen’ gesagt?“ Kate nickte und schaute mich verdutzt an. „Aber Lady Rebekka wollte mich doch bald besuchen!“, sagte ich schnell und fügte dann noch hinzu: „Außerdem hatten Lewis und ich schon einiges geplant für die nächste Woche.“
Wieder lächelte Kate. Zwar war es jetzt ein anderes Lächeln, aber es gefiel mir genauso wenig. „Versuchen Sie sich bloß nicht herauszureden!“, meinte sie. „Lady Rebekka wird Sie dann eben in London besuchen. Und Ihr Bruder wird bei dieser Gelegenheit bestimmt gleich mitfahren.“ Sie verstaute den Haufen Kleider in einer Kiste und versuchte sie aus der Tür hinauszutragen. Hastig lief ich ihr hinterher. „Und was ist mit dem Unterricht? Ich sollte ihn auf keinen Fall für so lange Zeit ausfallen lassen!“, stotterte ich. Allmählich konnte Kate gar nicht mehr aufhören zu lächeln. „Als ob das so tragisch für sie wäre!“
Mit diesen Worten ließ sie mich alleine in der Zimmertür stehen, und gab mir überhaupt nicht die Gelegenheit, sie für ihren Tonfall mir gegenüber zu tadeln.
Der Morgen brach an und ich versuchte mich bis zur Abreise vor der Arbeit zu drücken. Doch Kate schaffte es immer wieder, mir eine Arbeit zuzuteilen.
Endlich, nach, wie es mir vorkam, stundenlanger Vorbereitung, wurde die Kutsche beladen und ich durfte einsteigen. Heute, in einem schlichten Kleid in Blautönen. Ich musste noch ein paar Minuten auf Kate und den Kutscher warten, dann fuhren wir los. Ich schaute noch ein letztes
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Kommentare
lu schrieb am 2009-10-26 17:28:23:
Freue mich auf eine Fortsetzung
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