Verlaufen, Prinzessin? (5)
von
Klara H
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„Allerdings!“, erwiderte ich und versuchte den Schrecken auf meinem Gesicht zu verbergen. „Sehr tragisch!“
„Ein Kleid, von wie vielen?“, fragte der Stallbursche und sein Lächeln wurde breiter, seine Augen jedoch sahen mich plötzlich mit eisiger Kälte und Verachtung an.
So etwas ließ ich mir nicht bieten. Nicht von so jemandem wie ihm!
„Mehr als du je besitzen wirst!“, antwortete ich so herablassend, wie ich nur konnte. „Meinst du wirklich mir würden Kleider stehen?“ Erst jetzt nahm ich den beißenden Spott in seiner Stimme wahr. Beleidigt und in meiner Würde verletzt, machte ich auf dem Absatz kehrt und marschierte davon. Sein raues Gelächter klang mir noch lange in den Ohren.
Was hatte ich damit erreicht?
Ein Blick aus dem Fenster sagte mir, dass es schon reichlich spät war und ich beeilte mich, in mein Gemach zu gelangen.
Die nächsten Tage verliefen recht ereignislos. Lady Rebekka reiste früher als geplant ab, Lewis wollte erst in ein paar Wochen kommen und Sir Henry gab sich alle Mühe möglichst oft beim Dinner zu erscheinen.
Es wurde von Tag zu Tag kälter, und mir wurde von Tag zu Tag langweiliger, da ich immer seltener raus durfte. Meinen Traum, nach London zu fahren, hatte ich schon fast aufgegeben.
„Können wir nicht endlich Feuer machen? Ich bekomme noch eine Erkältung!“
Ich saß mit Kate in meinem Zimmer und hatte richtig schlechte Laune (obwohl ich mein bestes Kleid anhatte – Kate hatte das große Loch geschickt wieder zusammengenäht-). Kate war einfach nicht im Stande, Holz aufzulegen und dieses dann anzuzünden. Was war denn daran schwer?!
„Es müsste bald jemand kommen“, erklärte meine Zofe. „Ich lasse Sie kurz alleine und bringe die Wäsche hinunter!“
Ich gewährte es ihr und setzte mich vor den langen Spiegel. Während ich meine Haare kämmte, kam plötzlich die Person zur Tür herein, die ich als Letztes sehen wollte. Mit dieser Narbe erkannte man ihn einfach immer!
„Du?“, fragte ich verdattert. Der namenlose Blonde lächelte und sagte: „Ja Prinzessin, ich! Nur mit Stall ausmisten und kleine Mädchen ärgern kommt man nicht weit; ich mache hier alle möglichen Arbeiten.“ Gerade als ich etwas erwidern wollte, kam Kate ins Zimmer gestolpert. „Ich habe die Wäsche vergessen!“, erklärte sie mit hochrotem Gesicht und kurz bevor sie wieder hinausging, fügte sie noch hinzu: „Ach ja, Freddie; du sollst nachher noch in die Küche runter und irgendetwas helfen.“ Dann verließ sie das Zimmer.
„Freddie?!“, sagte ich spöttisch. „So, so...“ Zum ersten Mal schien er verwirrt, fasste sich aber schon kurz danach wieder. „Ja, Freddie, das ist mein Name... Was dagegen?“ Ich gab ihm keine Antwort, was ihn offenbar nicht sehr störte, denn er sprach schon weiter. „Ich sehe, dein Kleid ist wieder ganz“, sagte er und zeigte dabei auf die kleine Naht, während er das Holz im Ofen stapelte. Ich sagte nichts. Was hätte ich auch erwidern können? Nun gut, es war nicht ganz so tragisch gewesen, wie befürchtet...- dennoch- Kein Grund sich so darüber lustig zu machen! Ich hatte sowieso schon viel zu lange mit diesem Bediensteten geredet.
Freddie zündete das Holz an und stand dann vom Boden auf.
„Ich muss dann mal unseren netten Plausch hier unterbrechen. Die Geschäfte in London habe schließlich nicht ewig auf!“, meinte er und verließ das Zimmer, wobei er vergaß, die Tür zu schließen.
Einen Moment lang überlegte ich, dann fasste ich einen Entschluss. Ich rannte aus dem Zimmer und den Gang entlang . „Freddie!“
Freddie blieb stehen und drehte sich um. „Was ist denn jetzt schon wieder los?“, fragte er mit gelangweilter Miene. Keuchend blieb ich einige Meter vor ihm stehen. „Nimmst du mich mit nach London?“
„Bitte was?“ Verblüfft schaute er mich an und zog seine rechte Augenbraue hoch. „Könntest du das bitte noch einmal wiederholen?“ Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und vergaß für einen Moment meinen Stolz. Flehend sah ich ihm in die Augen. „Bitte, nimm mich mit nach London!“
Erst grinste er, dann erstarrte seine Miene und er antwortete ernst: „Das werde ich ganz bestimmt nicht tun!“ „Bitte!“ Allmählich fing ich an zu wimmern. Doch Freddies Blick blieb kalt und er schüttelte resolut den Kopf. Jetzt musste ich zu etwas anderen Mitteln greifen!
Ich richtete mich auf, sodass ich in sein Gesicht sah. Adrett klimperte ich mit den Wimpern. Plötzlich lächelte Freddie. „Was im Auge, Prinzessin?“ Mit diesen Worten drehte er sich um und schritt gemächlich den Gang entlang, während er eine fröhliche Melodie pfiff. Ich, jedoch, blieb einfach mit offenem Mund und entsetzter Miene mitten im Flur stehen. Na warte!
Ich beschloss, dass ich dieses Verhalten nicht einfach so genehmigen konnte und entschied, Freddie dafür zu bestrafen. Bei jeder noch so kleinen Arbeit, die Kate nicht konnte oder, die zu anstrengend für meine Zofe war, ließ ich den „blonden Stallburschen“ holen. Zufälligerweise traf diese Beschreibung nur auf Freddie zu. Die große Überraschung jedoch war, dass ihn diese Arbeiten für mich nicht provozierten –im Gegenteil: Er schien nach und nach Gefallen an diesen Arbeiten zu finden. Er wusste, warum ich ihm diese Arbeiten zuschob –diese Verzweiflungstat war ja auch offensichtlich. Aber wie sonst sollte ich ihn für seine Frechheit büßen lassen.
Genau dieses Wissen war auch der Grund, warum Freddie von Tag zu Tag breiter grinste.
Mitte Herbst kam Lewis dann endlich auf dem Landhaus der Burns an. Sein Verhalten hatte er überhaupt nicht geändert, allerdings hatte er seine Haare ein Stück wachsen lassen, so dass sie ihm nun bis zum Kinn reichten.
Ich war gerade in meinem Zimmer gewesen und hatte verträumt aus dem Fenster gesehen, als die Kutsche vorfuhr und ich nach unten rannte, um Lewis zu begrüßen. Freddie, der gerade den Boden im Gang vor meinem Zimmer putzte, rief mir noch zu: „Warum so eilig, Prinzessin?“, doch ich hörte ihn schon gar nicht mehr richtig.
„Lewis!“ Ich rannte meinem Bruder in die Arme.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte er keuchend, weil ich ihm beinahe den Brustkorb zerdrückte. „Du rennst ja, als sei ein wilder Wolf hinter dir her.“
„Gar nicht wahr!“, schimpfte ich, ließ ihn sofort wieder los und schmollte kurz. Danach fragte ich meinen Bruder höflich: „Wie war die Reise?“ „Super!“, antwortete er und fügte dann noch hinzu: „Aber sag mal: Was ist denn das für ein riesiges Haus hinter dir? Dein Sir Henry scheint ja nicht gerade ein armer Schlucker zu sein.“
Ich warf ihm einen tadelnden Blick zu. Was sollte denn dieser Spruch?! Hastig wechselte ich das Thema. „Komm erst einmal herein. Ich muss dir dieses unglaublich schöne Zimmer von mir zeigen.“ Lewis wollte zwar erst sein Gepäck hoch tragen, aber ich zog ihn einfach hinter mir her. Als ob er es nötig hätte, sein Gepäck selbst hoch zu tragen!
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