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Kategorien > Liebe > Liebe

Verliebt in die schöne Polizistin

von Michael Reißig

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Die Sonne läuft an diesem Junitag wieder einmal zur Hochform auf, wie so oft in diesem Frühsommer. Der flimmernde Asphalt köchelt schon seit den frühen Vormittagsstunden wie dicker Brei. Zu viel für Franz, den schlanken gut aussehenden Herrn, der mittlerweile auf stolze vierzig Jahre zurückblicken kann.


Die eintönige Schufterei am Fließband hat Franz, nicht nur wegen der schweißtreibenden Hitze, schwer zu schaffen gemacht. Vor allem sein Chef - ein notorischer Choleriker - hat heute nicht gerade seinen besten Tag gehabt und ihm das Leben sehr schwer gemacht.
Franz hat nur noch ein Ziel vor Augen: Schnellstens raus aus diesem chaotischen Tollhaus und ab ins traute Heim!

Ungeduldig zückt Franz den Fahrzeugschlüssel mit dem Plib aus der Hosentasche, richtet das kleine Plastikteil in Richtung des Empfängers und drückt den Knopf. Zum Glück hört dieser den Befehl, den er sofort an den Entriegelungsstift des Schlosses weiter gibt, der in wenigen hundertstel Sekunden wie eine Rakete nach oben schießt.
Wulstige Finger klinken den Öffner und drücken die Tür wuchtig nach außen.
Müde zwängt sich Franz ans Steuer seines rubinroten VW-Passat.
Noch während er den Wagen vom Parkplatz lenkt, schaltet er das Autoradio ein. Aus den Lautsprechern dringt die sonore Stimme des Rundfunksprechers, der eine Sensationsmeldung verliest, die er humorvoll über die Lippen bringt.
Da war doch einem Autofahrer am gestrigen Nachmittag auf der A4 tatsächlich ein echter Volltreffer gelungen. Die Ursache - ein gewaltiger Schreck - verursacht von einem grellen Blitz - nicht etwa einem Sommergewitter geschuldet. Dieser war so tief in die Glieder des Unglücksraben gefahren, dass dieser die Kontrolle über den Wagen verlor, nach rechts ausscherte, und so die gierig blitzenden gläsernen Augen dieses seelenlosen Monsters - nicht gerade zur „Freude" unserer dienstbeflissenen Polizisten - unschädlich machen konnte. Auch die Mitarbeiter der Bußgeldstelle dürften garantiert nicht in Jubelarien verfallen sein, als die betrübliche Nachricht vom schrecklichen Tod dieses elektronischen Geldschefflers, in ihren Amtsstuben gelandet war.
„Die Autofahrer indes, dürften den Tränen schrecklich nahe gewesen sein, als sie das zersplitterte Ungetüm wenigstens für einen blitzkleinen Moment in Augenschein nehmen konnten. Ist auch zu verstehen - Blitzen dient ja bekanntlich der Verkehrssicherheit”, scherzt Franz heimlich. Sein Stimmungsbarometer klettert merklich nach oben und auch die Müdigkeit ist plötzlich aus seinen Knochen gewichen.
Aus den Lautsprechern des Autoradios tönen die „Prinzen” Franzens Lieblingssong. Die haben nämlich aus der simplen Feststellung „Frauen sind die Neuen Männer” einen tollen Hit gemacht. Kein Etikettenschwindel - sondern die blanke Wahrheit.
Noch heute kann Franz ein Lied davon singen.
Seine einstige Frau - leidenschaftliche Autofahrerin und stets auf der Suche nach neuen Abenteuern - liebäugelte mit einen stolzen Dreißigtonner-Diesel, mit der sie nicht nur Europas Straßen unsicher machen wollte. Kurz nach der Erweiterung ihres Führerscheines, sollte ihr Traum in Erfüllung gehen. Dass die Heldin der Landstraße bewundernde Blicke auf sich ziehen konnte, besonders dann, wenn sie aus ihrem tonnenschweren Koloss kletterte und dabei mit ihrem stolzen Lächeln triumphierte, verstand sich von selbst. Eine ganze Armada Chauffeure - nicht wenige von ihnen auf der Suche nach einem One-Night-Stand - versuchten bei der Schönen Eindruck zu schinden. Doch nicht jeden Suchenden ließ sie an sich ran. Einer jedoch hatte sich, dank seines unwiderstehlichen Charmes, aber auch dank seiner feurigen Augen, sich von zahllosen anderen Kandidaten deutlich abgehoben.
Senor Roberto - stolzer Italiener - war der glückliche Herr, der es verstanden hatte, das Herz dieser Frau im Sturm erobern zu können, während der in ferner Heimat schmorende Franz, sich zurecht Sorgen machte.
Als seine Gattin ihn vor vollendete Tatsachen stellen wollte, zeigte er ihr die Tür.
Zum unwiderruflich letzten Male hatten sich die beiden vor fünf Jahre in die Augen sehen müssen - nämlich vor vor dem Scheidungsrichter. Für Franz fast schon eine Ewigkeit her. Seitdem musste er sich mit Maik - seinem fünfzehnjährigen Sohn - sein biederes Häuschen im Grünen teilen.
Gut gelaunt rollt Franz durch die monotone karge Landschaft. Hier und da einige langweilige Dörfer, vereinzelt ducken sich junge Birken, hin und wieder ein paar Buchen und Trauerweiden, wenige stämmige Eichen, das ist es aber auch fast schon gewesen.

Plötzlich - wie von Geisterhand - huscht ein Uniformierter auf die Fahrbahn und hebt die gefürchtete Kelle.
Dieser macht eine lockere Handbewegung, die ihm den Weg weist.
„Wiedermal diese verdammte Abzocke! Gerade habe ich noch Tränen gelacht und jetzt noch dieser Schitt!", flucht Franz, der vor Wut kocht.
Franz kommt auf einem einsamen, mit Kopfstein gepflasterten Plätzchen, zum Stehen.
Als er die Tür seines vierrädrigen Lieblings weit aufreißt, spürt er heftigsten Druck in seinen Adern, der das Herz vollends in Wallung bringt.
Warum nur?
Denn zu seiner Überraschung empfängt ihn nicht jener Ordnungshüter, der ihm den Weg gewiesen hat, sondern einer dieser neumännlichen Schöpfungen.
Zur Begrüßung erhält Franz einen kaltherzig-harten Händedruck, der den Eindruck der „Prinzen” wieder einmal zu bestätigen scheint.
Verfängliche Reize dieses vermeintlichen Herrn, die normalerweise sofort ins Auge stechen müssten, scheinen an Franz in diesen Sekunden noch vorüber zu ziehen.
Ein heißes Lüftchen spielt sanft im naturblonden Haar des gestrengen Herrn, welches sich akkurat um zierliche Ohrläppchen windet und erst eine Handlänge unter „seinen” breit gewachsenen Schultern auskringelt.
Wahrscheinlich wollten die Erbanlagen der launigen Natur nicht nur den Befehl geben, „ihm” ein feines Gesicht zu formen und in dieses wunderschöne meerblaue Augen zu zeichnen. Auch die formschönen Rundungen eines traumhaft schönen Busens, elastische sexy Beine und ein knackiger Po, sollten nicht fehlen, um dem „Neuen Mann” noch das gewisse Etwas zu verleihen.

Sieht so etwa ein Mann aus? Natürlich nicht. Aber mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit hatten sich einige männliche Botenstoffe zu viel in den Embryo, der einst im Leib ihrer Mutter schlummerte, verirrt, und dafür gesorgt, dass aus dem einstigen Wonneproppen nicht nur eine bildhaft schöne Frau, sondern auch einer dieser begehrenswerten „Neuen Männer”, reifen konnte.

„Polizeiobermeister Nagler! Ich bitte um Führerschein und Fahrzeugschein! Ihre Stimme - rau und unpersönlich.

Nervös fingert Franz in seiner pechschwarzen Brieftasche. Schwer sich in so einer undurchsichtigen Zettelwirtschaft zurechtfinden zu müssen!
Wummernder Herzschlag kriecht hinauf bis in die Kehle.
Endlich - nach einer Minute, die ihm wie eine Ewigkeit vorkommt, findet er die Papiere und reicht diese der Bediensteten.
Ihr suchender Blick mustert Franz penibel. Mehrmals hebt und senkt sich ihr Kopf. Als

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Kommentare

Mario schrieb am 2009-12-30 16:16:42:
Eine klasse Story. Hat mir sehr gut gefallen !!!!! Das Ende ist leider etwas kurz geraten. Weiter so.

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