Vermisst, Teil 1
von
zitrönchen.
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Ich laufe. Immer schneller. Ich renne und stolpere mehrmals über meine eigenen Füße. Doch ich bin nicht schnell genug. Meine nassen Haare klatschen mir ins Gesicht. Aber das ist mir egal. Auch der strömende Regen und das immer näher kommende Gewitter interessieren mich nicht. Mein einziger Gedanke ist, immer schneller und schneller zur rennen. Ich bin am Ende meiner Kraft, aber das ist mir egal. Meine tränen rinnen über mein Gesicht. Ich kann nichts sehen, aber das stört mich nicht. Nur nicht aufhören zu laufen. Einfach weiter rennen.
Ich falle hin. Meine Kleidung, die sowieso schon klitschnass ist, ist jetzt auch noch schmutzig. Aber auch das hält mich nicht ab, immer weiter zu rennen. Ich weiß nicht mal wo ich hin laufe. Aber das ist auch egal. Hauptsache WEG!
Kinder die begeistert Fußball spielen beobachten mich. An ihren Gesichtern kann ich erkennen was sie denken. Sie fragen sich warum ich weinend durch die Straßen renne. Sie fragen sich ob ich einen an der Klatsche hab. Aber auch das ist mir in diesem Moment völlig egal.
Warum mir das alles so egal ist?
Na warum nicht? Die ganze Welt, mein ganzes Leben, alles hat doch eh keinen Sinn mehr. Vorbei. Endgültig vorbei. Ich will nicht mehr leben.
Deswegen renne ich. Immer weiter. Egal wohin. Ich will alles vergessen. Einfach ALLES vergessen was passiert ist. Aber das geht nicht. Immer mehr neue Tränen rinnen mir über mein zerkratztes und dreckiges Gesicht. Der Schmutz in meinen Wunden brennt, aber ich ignoriere es. Mir ist kalt, ich habe nur ein T-Shirt an bei 6°C. Aber ich beachte es nicht weiter. Wenn ich durch einen Kälteschock sterbe, umso besser. Umbringen ist hier leider nicht so leicht. Aber warum versteht mich keiner? Einfach niemand. Wenn ich Hilfe brauchte, hörte keiner zu. Wenn ich einen Rat brauchte, wusste keiner einen. Wenn ich jemanden anrief, legte derjenige auf. Keiner wollte mit mir sprechen. Niemand beachtete mich. Ob das jetzt wohl anders ist? Werde ich in der Schule vermisst? Natürlich. Jetzt wo ich weg bin, kümmert sich jeder um einen. Aber zu spät. Ich werde nicht mehr zurückkehren. Dies wird mein letzter Tag sein. Wie es soweit kommen konnte? Ganz einfach. ER hat alles zerstört. Einfach alles. Wer er ist? Mein Ex-Freund Maurice. Nie der beliebteste unter den Jungs auf meiner Schule gewesen. Aber der Liebling der meisten Mädchen. Am Anfang hat mich das auch nicht gestört. Wir schrieben ab und zu, es war einfach toll. Hatte noch nie so einen netten Typen kennen gelernt. Ich war begeistert. Irgendwann hatte ich mich dann in ihn verliebt. Wie konnte es auch anders sein. Tagelang vor Liebeskummer im Zimmer eingeschlossen. Hab mit keinem geredet. Zwar alle mit mir. Aber ich nicht. Alle haben sich um mich gekümmert. Aber das war mir egal. Wollte alleine sein. Und dann… er schreibt mich an. Schlägt ein Treffen vor. Am besten gleich. Natürlich hab ich sofort zugesagt. Dann also zum vereinbarten Treffpunkt gelaufen. Er hat schon gewartet. Begrüßt mich dann mit Küsschen links, Küsschen rechts. Konnte mich kaum beruhigen. War so überglücklich. Maurice kam dann auch gleich zum Punkt. Fragte mich ob ich mit ihm zusammen sein will. Was ich gesagt habe? Ist ja wohl klar.
Habe selbstverständlich zugestimmt.
Es ar dann auch voll toll. 5 schöne Monate der Zweisamkeit. Alles schön, alles toll. Ich war völlig verliebt in ihn. Er auch in mich. Dachte ich jedenfalls. In der Schule war ich jede Pause bei ihm. Im Unterricht war ich nur selten. Wenn ich dann mal Lust hatte. Meine Klasse? Hab ich vollkommen ignoriert. Bei Referaten und Arbeiten war ich krank. Ich war einfach zu glücklich um mich zu konzentrieren.
Wozu auch Schule? Ich hatte Maurice. Alles war geplant. Mit 18 nach Amerika. Weg von allem. Wollte vorher natürlich jede Sekunde bei ihm sein. Er hatte kaum Zeit. Schrecklich für mich. Für ihn auch? Keine Ahnung. War dauernd am Boden zerstört. Was er die ganze Zeit tat? Das wusste ich nicht. Ich rief ihn zu Hause an, Anrufbeantworter. Rief auf Handy an, Mailbox. Schrieb ihn bei MSN an, offline.
Was ich tat? Nichts. Im Zimmer sitzen. Musik hören. Meine Freunde? Ignorierten mich. Sie merkten wie sehr ich an Maurice hing. Schrieben mich erst noch an. Und dann? Existierte ich für sie nicht mehr. Kein Hallo, kein Auf Wiedersehen mehr. Warum? Naja. Haben seit Monaten nicht mehr geredet. Waren Luft für mich. Ich hatte ja Maurice. Dachte ich.
Doch wie konnte es anders kommen... natürlich lag ich falsch. Wie immer. Warum? Weil ich einfach nie Glück habe. Kommt mir so vor, als läge ein Fluch auf mir. Was soll's, denke ich mir dann. Ich lebe nicht mehr lange. Da kann es mir jetzt auch egal sein!
Wieso genau ich in Sachen Maurice falsch lag? Das ist ganz einfach.
An jenem Tag wo ich mal wieder alleine, weinend auf meinem Bett lag, „Titanic“ schaute und Trost-Schokolade aß, klingelte mein Telefon. Ich warf mein Taschentuch lächelnd in den Mülleimer neben mir und suchte mein Telefon. Irgendwann entdeckte ich es unter meinem Kopfkissen und sah lächelnd auf den Bildschirm. Hatte gedacht, dass vielleicht eine Freundin anrief. Würde grade jemand an mich denken? Obwohl ich dauernd so scheiße war? Möglich wär's. Schaute also auf den Bildschirm... Na klar. Welcher Name sollte sonst da stehen. Na? Ist doch klar. Maurice“. Enttäuscht legte ich es wieder weg. Legte mich erneut auf mein Bett, schaltete den Film wieder ein und ignoriere das nervende klingeln. Es hörte einfach nicht auf. Als es dann doch nach einer Zeit ruhe gab, wurde ich noch trauriger. Ich weiß nicht warum. Es war richtig was ich gemacht habe. Er hatte mich ignoriert. Hat sich Tage lang nicht gemeldet. Ich war sauer. Kurze Zeit später ertönte erneut ein nervtötendes Klingeln. Ich konnte nicht anders, als auf den Bildschirm zu blicken. Maurice. Schon wieder. Ohne groß nach zu denken ging ich dann doch ran. Immer wieder entschuldigte er sich bei mir. Erklärte mir, dass er momentan viel zu tun hätte und fragte ob ich das verstehen würde. Natürlich antwortete ich „ja“. Aber ob das stimmte? Nein. Ich konnte das nicht verstehen. Wir waren zusammen, da sollte man für den anderen doch mehr Zeit haben, oder etwa nicht? Im ersten Moment war ich dann aber doch einfach glücklich, dass er sich meldete. Konnte alles vergessen und verliebte mich gleich noch mehr in ihn.
Nach einer halben Stunde versöhnen, schlug er ein Treffen bei sich zu Hause vor. Er war allein und wollte, dass ich vorbei kam.Selbstverständlich sagte ich zu und legte auf.
In Rekordgeschwindigkeit musste ich mich duschen und fertig machen. Nach gut einer Stunde war ich Ausgeh- bereit und lief los zu meinem Schatz. Mit einem riesengroßen Lächeln öffnete er die Tür und bat mich herein.
Obwohl mir das alles extrem komisch vorkam, sagte ich nichts und folgte ihm in sein Zimmer. Dort war es stockdunkel und ein langsames, romantisches Lied lief im Hintergrund.
Der ganze Raum war mit kleinen, leuchtenden Kerzen geschmückt und der Duft von Rauch lag in der Luft. Ich war begeistert. Wirklich. So
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