Versuchsobjekt 347
von
Veronica Wallner
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Er schlug die Augen auf. Ungeheure Schmerzen machten ihn fast blind. Er schluckte, schmeckte Blut und Galle. Er versuchte sich zu sammeln, aber da war dieser Schmerz, der jeden Gedanken auslöschte. Sein Atem ging rasend, als er seine Hand Millimeter für Millimeter auf den Uhrsprung seines Schmerzes zu bewegte. Seine Finger stießen an etwas hartes. Es machte ein klingendes Geräusch als er sanft dagegen stieß und ein vibrierender Schmerz ging von dem Teil aus, lief durch seine Brust und ließ gleichzeitig in seinem Kopf ein Bild erscheinen. Eine Eisenstange die sich wenige Zentimeter unter seinem Herzen in seine Brust gebohrt hatte und auch in den Boden unter ihn eingedrungen war. Erneut versuchte er die Augen zu öffnen um das Bild aus seinem Kopf mit eigenen Augen zu sehen. Aber als er die Augenlider geöffnet hatte, war da nichts. Selbst in der finstersten Dunkelheit kannst du etwas erkennen und wenn es nur die Dunkelheit selber ist, die du siehst, aber als er die Augen geöffnet hatte war da weder Dunkelheit noch Licht, weder schwarz noch weiß einfach nichts. So als würde sein Hirn einfach keine Information von dem Sehnerv bekommen. Nun nahm er noch einen zweiten Schmerz wahr, ein dumpfes Pochen unterhalb seiner Stirn, es war im Gegensatz zu dem Schmerz in seiner Brust eine Nichtigkeit, dennoch ließ er seine Hand, die zuvor den Stab in seiner Brust berührt hatte, zu seinem Gesicht hinauf wandern. Langsam strich sie über Mund Nase und dann zur Seite, dort wo sein rechtes Auge sein sollte. Aber dort war nur ein Krater, der vom Augenlid ab und zu abgedeckt wurde. Er keuchte vor Schreck und Schmerz auf, als seine Fingern frisches Narbengewebe in der Augenhöhle berührten. Das Keuchen wiederum ließ seine Brust schmerzhaft antworten. Er versuchte seine Muskeln zu entspannen und wieder möglichst ruhig da zu liegen, damit der Schmerz nachließ. Sein Atem ging keuchend und ging stoß weiße. Er versuchte seine Umgebung mit den Händen zu erkunden, kam jedoch nicht wirklich weit, denn sein Gefängnis war zu beiden von einer Wand begrenzt und die Decke war nur zwanzig oder dreißig Zentimeter über seinem Gesicht. Den Versuch zu Schreien unterließ er, da der Schmerz unerträglich zu werden schien, als er in seinen Lungen genug Luft sammelte um sprechen zu können.
Vollkommen ohnmächtig und jeglicher Bewegungsfreiheit beraubt, blieb ihm nichts anderes übrig als in der völligen Finsternis seinen eigenen Gedanken nach zu hängen und darauf zu warten, dass etwas passiert. Die erste Frage, die ihm natürlich plötzlich durch den Kopf ging, war: „Wie ist er hier her gekommen, wo war er und vor allem was ist passiert?“ Aber er hatte keine Antworten auf diese Fragen. Je länger er versuchte sich an etwas vor diesem Gefängnis zu erinnern, um so mehr wurde er sich der leere in seinem Kopf bewusst. Da war nichts keine Erinnerung, keine Namen, keine Gesichter. Er wusste zwar wie Blumen aussahen, konnte sich jedoch nicht erinnern je selbst welche gesehen zu haben. Ihm war klar wie Kuchen riechen und wie Bier schmeckt, aber er konnte nicht sagen, wo und ob er schon einmal Kuchen gerochen hatte oder Bier getrunken. Etwas machte sich neben seiner Wunde breit, es war zwar nur ein Gefühl, dass jedoch nicht weniger schmerzhaft war, als die Wunde selbst. Panik! Verzweifelt schlug er um sich, sein Körper zuckte wild, während er mit den Füßen nach etwas trat. Die Knochen seiner rechten Hand splitterten, als er sie mit voller Wucht gegen die glatte Wand stieß, sein Körper riss um den Pfahl herum weiter auf und begann erneut heftig zu bluten. Er begann heftig zu husten, als Blut in seine Lunge ran und riss dadurch nur noch stärker an der Stange. „Verdammt.“, zischte er durch zusammen gebissenen Zähnen hervor. Den Worten folgte ein Schwall Blut. Und dann plötzlich erschlaffte sein Körper, seine linke Hand zuckte noch zweimal ohne etwas zu treffen und dann wurde er ganz still.
Noch immer lief Blut aus der Wunde in seiner Brust, auch wenn das Herz nicht mehr schlug. Der Raum, in dem die zehn gläserne Kiste standen, war erleuchtet. Eine Frau mit einem blondem Pferdeschwanz und einem weißen Arztkittel, wandte sich einer der Kisten zu und öffnete den Deckel. „Versuchsobjekt 347 tot.“, diktierte sie einem älterem Mann mit langem weißen Bart. Der tippte kurz etwas auf seinen Computer und sah sie wieder an. Die Frau hob die Arme des Mannes , der in der Kiste lag an, öffnete dessen Augenlider und untersuchte kurz die Wunde, die von eine Eisenstange in seiner Brust stammte. „Arme und Beine nachgewachsen, gebrochene Finger der rechten Hand, vermutlich durch Selbstverschuldung entstanden. Augenhöhlen weiterhin leer und Wunde im Brustkorb erneut aufgerissen, sonst schon zum Teil geschlossen.“ Sie blickte den anderen Arzt an und ihre Augen schienen zu leuchten: „Noch ein paar Versuche und wir haben die Formel. Dann kann sich der Mensch sich regenerieren, egal welche Verletzungen er hat.“
Sie durchquerte mit ein paar Schritten den Raum ohne den drei offenen Kisten und den sieben geschlossenen, in jeder von ihnen lag der selbe Mann mit den selben Verletzungen – beide Arme und ein Bein abgetrennt, die Augen ausgestochen und eine Eisenstange in der Brust – noch einen Blickes zu würdigen.
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Kommentare
Wallner Veronica schrieb am 2010-02-02 09:01:00:
Thx für dein Kommentar
Ich finde schon, dass dieser Satz: "Noch ein paar Versuche und wir haben die Formel. Dann kann sich der Mensch sich regenerieren, egal welche Verletzungen er hat"
noch dazu gehört, da er die Brutalität seines Todes als Teil eines möglicherweise Welt-bewegenden Experimentes umsieht.
Lg
Veronica
HenrY schrieb am 2009-09-07 10:38:33:
Dein Schreibstil und deine Gedankengänge gefallen mir sehr gut =)
Finde auch gut das du nicht zu viel über die forscher verrätst, das
"Noch ein paar Versuche und wir haben die Formel. Dann kann sich der Mensch sich regenerieren, egal welche Verletzungen er hat"
hättest du sogar weglassen können.
Weiter so =)
HenrY
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