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Kategorien > Drama > Leben

Verzweifeltes Leben in den Tod

von sina franke

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Mit einem ruck war ich wach. Wieder stand dieser Unbekannte direkt vor mir und ich konnte ihn beim besten Willen nicht erkennen. Er versuchte seine Lippen auf meine zu pressen und er, mein Freund im Hintergrund, konnte nichts dagegen tun. Mein Vater hielt ihn fest und schrie unverständliches.
Gleich darauf fing ich an zu weinen, vor Schreck und Scham schon wieder diesen Traum gehabt zu haben.
Mein Kissen war feucht, also musste ich schon im Schlaf geweint haben. Ich griff zum Telefon und wählte seine Nummer, die ich im Schlaf hätte wählen können.
Verschlafen meldete er sich. „Hattest du schon wieder diesen Traum?“, fragte er, bevor ich mich melden konnte. Ich nickte, doch gleich darauf bejahte ich, da er das Nicken ja nicht sehen konnte.
„Bitte, wir müssen weg hier, ich kann das nicht. Du musst mir helfen.“ Stille. Ich wusste, dass das nicht ging. Er hatte hier seinen Studiumsplatz und konnte unmöglich weg, da er ein Stipendium hatte.
„Wir reden morgen, ich bin total müde.“, sagt er und Sekunden später lege ich auf. Er hatte sich von mir abgewandt. Abgewandt, weil er nicht verletzt werden wollte. Er wollte nicht leiden und distanzierte sich jetzt schon. Er gab mich auf, und ich war zu einem andern Leben verdammt, welches ich nicht führen wollte.
Mein Leben war schon vorbei, bevor ich geboren wurde, nur dass ich bis vor kurzem nichts davon ahnte.
„Du wirst es machen, wie alle andern auch. Du bist keine Deutsche. Du wirst leben, wie wir es für richtig halten. Er ist ein guter Mann. Finde dich damit ab.“
Woher wollten sie wisse, ob er ein guter Mann war? Sie hatten ihn seit seines fünften Lebensjahr nicht mehr gesehen und behaupten so etwas.
Abhauen wollte ich, weit, weit weg, wenn es sein musste auch ohne Mischa, aber das konnte ich meiner Familie nicht antun.
Mein Leben war zu Ende, bevor es überhaupt angefangen hatte. Ich war achtzehn Jahre jung und hatte einen Freund den ich liebte. Und nun sollte ich einen Mann heiraten den ich nicht einmal kannte…

Mein Kleid war bezaubernd, meine Miene glich einem Toten. Ich war eine Leiche im Körper einer Jungfrau. Und er, dieser Mann, dessen Gesicht ich nicht einmal kannte, sollte mich entweihen. Er sollte der erste und letzte sein. Mischa stand abseitz und beobachtete mich, wie ich davon ging, meinem neuen toten Leben entgegen.
Ich schloss die Augen ließ mich führen und wollte diesen Mann nicht sehen. Die ganze Zeremonie lang blickte ich nicht auf. Ich konnte seinen Blick nicht ertragen, wie er mich schon hier auszog. Vor all den Leuten.
Ich wollte schreien, doch kein Laut entfloh meinen Lippen. Dann musste ich ihn anschauen, um mein Ja-Wort zu geben. Ich schaute in die Richtung meines Vaters, der vor Stolz zu platzen schien und Tränen der Verzweiflung rannen meinen Wangen hinunter. Doch der Mann, der uns traute, ignorierte es.
Er war nicht hübsch aber auch nicht hässlich, doch ich fand ihn abstoßend, mit seinen dunklen Augen die schwarz zu seinen schienen. Und ich versuchte in ihm Mischas Züge zu entdecken, doch es gelang mir nicht, in diesem verschlossenen Gesicht. Er machte mir Angst. Er war viel
größer als ich und ich sah mich hilflos neben diesem Mann stehen, der von nun an mein Leben bestimmen sollte.

Diese Nacht werde ich wohl nie vergessen. Er packte mich im Genick und lallte. „So, jetzt bist du mir und du kannst nicht mehr fort.“ Gleich darauf riss er mir das Kleid vom Leib und ich sollte so meinen ersten Sex erleben. Mit Schmerz und Peinigung. Ich weinte, während seine großen Hände meinen Busen umklammerten und mir er wehtat. Ich weinte, als er endlich fertig war und ich daran dachte, dass das mein Leben gewesen war. Es würde sich niemals ändern. Er war aggressiv und selbstsüchtig. Er würde mich niemals glücklich machen können. Ich bereute es, nicht mit Mischa geschlafen zu haben. Dann hätte er mich heiraten müssen, auch wenn ich dann in meiner Familie der Abschaum gewesen wäre. Doch das war alles besser als das, was ich soeben erlebt hatte. Und schon in unserer Hochzeitsnacht wünschte ich ihm den baldigen Tot.
Er schlief auf mir ein und ich konnte mich kaum bewegen. Mein Körper widerte mich an und ich rannte aufs Klo und wusch mich gründlich. Wollte den Dreck und den Schmutz runter waschen, der mich wie eine unsichtbare Hülle umschlang. Doch ich wusste, er würde nichts bringen, denn er würde sich immer wieder und wieder an mir vergehen.

Unser erstes Kind war ein Mädchen und ich war glücklich und stolz. Doch er schlug mir unbarmherzig ins Gesicht und schrie, dass ich keinen Jungen zustande bringen könne. Als ich ihn darauf hinwies, dass er daran schuld sein, weil die Spermien die Nachkommen kontrollieren, schlug er mich bewusstlos.
Ich wusste schon während der Trauung was auf mich zukam, doch so etwas hatte ich nicht verdient. Er unterhielt sich mit andern Familien und suchte gleich darauf einen Mann für unsere Tochter aus, die gerade eine Woche alt war.
Das konnte ich meiner Tochter nicht antun. Um keinen Preis wollte ich, dass sie das gleiche wie ich erleben muss. Sie sollte nicht so leiden. Sie war so unschuldig und hilflos, dass ich ihr einfach helfen musste. Ich musste uns beiden helfen, doch sich von ihm zu trenne, war nicht möglich. Er hätte uns eingesperrt, vielleicht sogar umgebracht.
Diesen Triumph wollte ich ihm nicht gönnen. Er gehörte ganz alleine mir!


Lieber Mischa,

sie sagten zu mir, die Zeit heilt Wunden. Das tut sie ganz gewiss nicht. Sie vergrößert den Schmerz, der unerträglich wird. Ich habe ein bezauberndes Mädchen geboren, das dir sehr gefallen hätte, Mischa.
Sie ist so unschuldig, wie ich es war, bevor meine Eltern mich in mein Unglück stürzten. Ich kann ihnen nicht persönlich schreiben, da der Schmer zu tief sitzt. Ich habe dich immer geliebt und werde es auch noch tun. Doch ich kann meinem Mädchen nicht das gleiche antun was sie mir angetan haben, das kann und darf ich nicht zu lassen.
Ich kann auch nicht einfach weg, er würde uns finden und die Herrschaft über uns wider an sich reisen. Er würde mich wieder beherrschen, wie er es all die Jahre getan hat. Doch jetzt, jetzt will ich meine Herrschaft über mein Leben zurück. Doch um die Herrschaft über mein Leben zu haben, muss ich in den Tod gehen.
Bitte sein mir nicht böse und erkläre es meinen Eltern.
In ewiger Liebe
Ich

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Kommentare

Soraya schrieb am 2008-04-25 20:22:48:
bin auch, dabei deine Geschichten zu lesen( hab schon fast alle^^) und wie meine Vorgängerin auch schon geschrieben hat ist auch diese gut.

LG
Kristin schrieb am 2007-12-15 23:22:40:
Ich bin gerade dabei alle deine Geschichten zu lesen, weil sie mir einfach so gut gefallen.
Auch diese trifft wieder voll ins Schwarze!
Deibe Geschichten wirken so realistisch. Man könnte echt denken, du hättest das alles selber erlebt.
Gut, dass es nciht so ist ;)
Liebe Grüße
Freedom schrieb am 2007-08-28 00:16:56:
hi du
ich les jeztt einfach alle deine geschichten ^^
du schreibst verdammt traurige geschcihten......aber sie beinhalten alle soviel wahres....das bewundere ich echt. man könnte meinen, dass du von deinem eigenen leben berichtest. was ich natürlich auf keinen fall hoffe!!! ich wünsche so etwas auch keinem anderen. niemand hat so etwas verdient....auch wenn es geschieht....verdammt traurig deine geschichte....
Lothar schrieb am 2007-08-18 08:55:02:
Hallo Sina,
vor vielen Jahren hatte ich eine Bekannte, der ist genau das passiert, wie du es in deiner Geschichte beschriebst. Sie hat Gott sei dank für sich einen besseren Weg gefunden, der aber auch nicht ganz rosig war. Aber zurück zu deiner Geschichte. Geschrieben hast du sie mit viel Gefühl, einer starken Realität und eine Menge Herzschmerz um die "verschenkten" Frauen auf dieser Welt. Leider geschieht sies viel zu oft.
Liebe Grüße
Lothar
P.S. Lies doch mein 1.Kapitel von Tod nach dem Leben - Würde mich über deine meinung freuen.
Wurm schrieb am 2007-07-28 21:30:53:
Wenn man bedenkt, dass sich irgendwo auf der Welt genau aus diesen Gründen viele Frauen umbringen, dann wird einem erst klar, dass das ganze der Realität entspricht.
Ich finde es toll, dass du außgerechnet über solche Themen schreibst, ich meine wenn keiner darauf aufmerksam macht, dann merkt ja auch keiner was los ist.
Und irgendjemand muss es ja schreiben.
Ein großes Lob für diese Geschichte
Wurm
Alucard schrieb am 2007-06-18 19:19:56:
Vielen dank für dein Kommentar bei meiner letzten geschichte. Du bist aber auch eine verdammt gute schreiberin, mach weiter so.
Liebe libe grüße Raphael

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