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Kategorien > Abschied > Abschied

Vogelwart

von Luna

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Vogelwart


Ich weiß nicht, wie lange ich schon tot bin und hier verweile. Aber ich kann nicht dort hingehen, wo ich hingehen müsste, denn ich warte auf meine kleine große Liebe.
Meinen Namen, spricht man nur noch selten aus und dann auch nur mit Schmerz.
Aber ich will nicht, dass sie noch mehr Leiden, denn ihr Leid wird von Tag zu Tag größer.

Dabei, waren wir alle einmal sehr glücklich. Mein Mann, meine Tochter und ich.
Wunderschöne Jahre haben wir zusammen verbracht. Und das größte Glück, was wir erfahren durften war unsere Tochter heranwachsen zu sehen. Sie war ein Baby, ein Vorschulkind, ein Schulmädchen und ein Teenager. Zum Leidwesen meines Mannes, auch oft verliebt. Und eines Tages, trat die große Liebe in ihr Leben, mit dem auch sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.
Wie wunderschön sie war am Traualtar. Ihre blonden Haare, kringelten sich unter dem Schleier und in ihrem weißen Kleid, sah sie aus wie ein Engel, der vom Himmel herabgestiegen war. Bei ihrer Geburt, gaben wir ihr den Namen Maria und ich stellte zufrieden fest, dass er zu ihr passte.
Die Jahre vergingen und unser Kind, wurde auch Mutter eines kleinen Mädchens, das den Namen Sophie bekam. Aber Sophie schaffte es nur ein Schulmädchen zu werden, denn das Schicksal hatte etwas anderes mit ihr vor.
Jetzt stehe ich hier an ihrem Bett, halte ihre Hand und ich weiß dass sie mich spürt.
Trauer? Nein, die empfinde ich nicht mehr da wo ich jetzt bin, aber auch kein Glück.
Wenn ich frage warum so früh, höre ich eine Stimme hinter mir die flüstert „Was ist früh und was ist spät?“ Doch auf diese Frage, kann ich der Stimme keine Antwort geben. Ich weiß es nicht.
Wenn ich nur wüsste, was Zeit ist. Als ich noch lebte, da wusste ich was Zeit bedeutet aber hier, in der Unendlichkeit hat sie keine Bedeutung mehr für mich.
Vor mir, öffnet sich ein Fenster und ich sehe mich auf einem Stuhl sitzend weinen und den Arzt, der mir zuvor gesagt hatte, dass der Krebs mich nun bald besiegen würde. Denn jede Chemo, und jedes Medikament hatten mir nicht helfen können.
Ein weiteres Fenster öffnet sich und ich sehe Sophie, wie sie das erste Mal in meinen Armen einschläft. Sehe, wie sie ihre ersten Schritte macht, eine Aufführung in ihrem Kindergarten zu Weihnachten und sehe mich, wie ich ihr eine Geschichte vorlese.
Oh ja, an die Geschichte erinnere ich mich noch gut, denn es war Sophies Lieblingsgeschichte.
Sie handelte von Kindern, die sich aufmachten den blauen Vogel zu suchen. Viele Abenteuer, hatten sie dabei zu bestehen und wenn sie jede Aufgabe lösen würden, wartete der blaue Vogel in einem wunderschönen Schloss auf sie, mit einer großen Belohnung.
Sophies Kommentar zu der Geschichte war. Vogel wart? Was so viel heißen sollte wie, der Vogel wartet? So bekam der blaue Vogel den Namen Vogelwart.
Die Fenster schließen sich wieder und ich halte immer noch Sophies Hand. Unsere Gedanken verbinden sich, verschmelzen zu einem. Mein Ich, fließt in sie und wir stehen uns in ihrer Welt gegenüber, jeder auf seiner Hälfte. Meine Seite scheint ein luftleerer Raum zu sein, in dem ich einfach nur schwebe. Aber Sophies Seite, ist bunt hell und schön. Da steht sie nun und lacht mich an, so wie früher.
„Hallo Sophie,“ rufe ich ihr zu.
„Hallo Omi, schön das du wieder da bist. Wo warst du denn so lange?“
„Weißt du es nicht mehr, Sophie? Weißt du nicht mehr, dass ich eine lange Reise antreten musste?“
„Doch Omi das weiß ich. Wartest du auf mich?“
„Ja Sophie, ich warte auf dich. Ich habe so viel Zeit, ich kann noch lange warten.Willst du denn mit mir kommen?“
Sophie, schaut traurig hinter sich und ich sehe meine Tochter, meinen Mann uns Sophies Vater die an ihrem Krankenbett sitzen. Meine Tochter, weint und hält dabei Sophies Hand. Sie streichelt sie und fleht immer wieder, bitte Gott nur das nicht. Das kannst du doch nicht wollen. Meine Lippen flüstern ihren Namen, aber sie hört mich nicht.
„Siehst du Omi, deshalb kann ich nicht mit dir kommen. Die Mami ist so traurig.“
„Der Papa und der Opa auch. Und schau mal.“ Sophie dreht sich ein wenig zur Seite, da sehe ich die Silberschnur, die sie noch hält auf dieser Welt. „Ich, kann ja gar nicht mit dir kommen. Siehst du?“
„Sophie, sage ich. Ich muss dich etwas fragen. Wer kann denn die Schnur durchtrennen?“
„Nur die Mama, Omi. Nur sie kann das.“
„Woher, weißt du dass Sophie?“ frage ich sie.
„Na ja, Vogelwart hat mir das gesagt.“
„Vogelwart? Der kleine blaue Vogel aus der Geschichte?“
„Ja. Aber weißt du, sehen konnte ich ihn nicht. Doch ich habe seine Stimme gehört.“
Ich möchte noch etwas sagen, aber unsere Gedanken, trennen sich und stehe wieder an Sophies Bettchen.
Maria denke ich, wenn du mich nur sehen könntest, oder mich spüren.Spüre mich doch noch einmal, so wie damals bei unserem Abschied.
Ich, liege in meinem Krankenbett und merke dass mein Leben von mir weicht, aber ich habe keine Angst. Das, was mir immer das Liebste war, ist bei mir in meiner letzten Stunde und ein Engel. Es kann nur ein Engel sein, denke ich, denn die Ruhe und den Frieden den ich verspüre, der kommt von ihm. Ich sehe ihn nur als helles Licht, aber ich weiß was ich weiß.
Maria, kleine Maria weine nicht. So hebe ich, noch einmal meine rechte Hand und streichele ihr über das blonde Haar. Auch meinem Mann, sage ich mit einem langen Blick, danke für deine Liebe und um zu zeigen, dass er mich verstanden hat, berühren seine Lippen noch einmal die meinen.
Etwas, zieht mich sanft aus meinem Körper. Wie eine Feder, schwebe ich durch einen langen hellen Tunnel, um wieder dort zu sein, von wo aus ich gegangen bin.
Noch empfinde ich den Schmerz der Anderen, aber das will ich nicht. Also schließe ich mich dem Lichtwesen an und gehe hinüber, in das Nirgendwo.
Eine Stimme fragt, mich ob ich bereit bin in das Licht zu gehen. Ich will schon ja sagen aber, da fällt mir ein, dass ich noch nicht kann. Nicht, ohne noch einmal Sophie gesehen zu haben.
Das Lichtwesen, akzeptiert sofort meinen Wunsch. Es sagt mir, das ich durch die Kraft der
Gedanken, dort sein kann, wo ich sein möchte, dann ist es verschwunden.
Immer wieder, gehe ich von einem zum anderen und auch, zu Sophie.
Sehe sie mit ihren Puppen spielen, mit ihren Freundinnen toben.
Wie sie, in ihrem Bettchen liegt und schläft und tauche sogar in ihre Träume ein.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist. Denn Maria, kann wieder lachen und ein Baby bekommt sie auch. So schnell tickten die Uhren, hier in meiner Welt?
Wieder öffnet sich ein Fenster. In einer kleinen Kapelle, sehe ich einen weißen Sarg, geschmückt mit roten Rosen stehen und ich weiß, das es mein Körper ist der da ruht.
Wie voll die Kirche ist. In der ersten Reihe sitzen mein Mann, Maria und mein Schwiegersohn. Sie sind stumm vor Trauer und ich möchte ihnen sagen, seht her mir geht es so gut. Aber es geht nicht.
Einen letzten Versuch, will ich noch wagen und so gehe ich zu Maria und berühre sanft ihre Schulter.Nichts, nichts passiert. Also,

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Kommentare

sabrina schrieb am 2010-04-01 04:50:16:
wirklich eine ganze wundervolle geschichte die mich an den tod meiner grossmutter erinnert und an das leiden meiner mutter, deren mutter sie war.. bei ihrem vater machte sie es dann aehnlich.. sie sagte: vati wenn du gehen willst, dann geh.. und er seuftze noch ein paar mal tief.. und ging...

wunderbare geschichte..
hat mir viel gegeben beim lesen
das_alva@yahoo.de schrieb am 2008-11-02 15:58:36:
Hallo Gimliy...Ich danke die für deinen wirklich netten Kommentar zu meiner Geschichte. Diese liegt mir auch wirklich sehr am Herzen. Sie ist ein Stück meines eigenen Lebens. Meine kleine große Liebe lebt Gott sei Dank noch, ist aber sehr weit von mir entfernt. So, habe ich ihr erst unbewusst Lebe wohl gesagt. Aber deine Geschichten sind auch sehr, sehr gut. Habe einige gelesen. Ein Stern für dich, ist wunderschön. Liebe Grüße Luna
Gimliy schrieb am 2008-11-01 20:33:28:
Hi. Diese Geschichte ist echt ultra super! Du hast dich wirklich sehr tiefsinnig mit diesem Thema beschäftigt. Die Verknüpfungen zwischen den Schicksalen, die Beschreibungen aus allen Perspektiven und einfach die Grundidee an sich haben mich sehr beeindruckt. Ich beschäftige mich auch mit diesem Thema, doch auf so eine Idee wäre ich nie gekommen! Ich bewundere dich für dieses Werk und kann wirklich nichts kritisieren!
Liebe Grüße: Gimliy

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