Vollmondnacht - Prolog
von
Miss :)
1
Prolog
London 1887
Fast menschenleer war London um diese Uhrzeit, bei diesem Wetter und zu dieser Jahreszeit. Der Schnee fiel lautlos auf die Erde herab, um dann auf dem Pflaster sofort zu schmelzen. Pfützen sammelten sich in den kleinen Schlaglöchern und immer wieder landeten weiße Schneeflocken in ihnen, um dann sofort mit dem Wasser eins zu werden.
Die Straßenlaternen gaben nur schwaches und dämmriges Licht und die Stadt hatte beinahe etwas Unheimliches. Vor allem, da fast niemand mehr unterwegs war… fast niemand.
Torkelnd verließ James Smith seine Stammbar in der er eigentlich fast jeden Abend zum Trinken ging. Und das seit drei Jahren. Seit seinem Unfall, seit er seinen Job verloren hatte.
Stützend hielt er sich an der Hauswand fest und warf einen Blick auf seine Taschenuhr. Doch er konnte das Ziffernblatt nicht erkennen, selbst wenn er die Augen zusammenkniff.
Hilflos schüttelte er mit dem Kopf und steckte die Uhr wieder in die Tasche seines Tweed Jacketts.
Dann lief er mehr oder weniger ziellos durch die Gegend. Er bog in die nächste Seitengasse ein, als er den Schatten an der Hauswand wahr nahm. Sofort ließ es ihn, trotz seines volltrunkenen Zustandes das Blut in den Adern gefrieren und er wirbelte erschrocken herum.
Doch sehen tat er nichts.
Er drehte sich wieder um und lief weiter seinen Weg, als er sich einbildete Schritte hinter ihm zu hören. Wieder drehte er sich um.
In seinen Augen war Panik. Er hatte Angst und ihm trat der kalte Schweiß auf die Stirn. „Wer ist da?“ rief er und seine Stimme zitterte bei jedem Wort. Seine Zähne begannen aufeinander zu klappern und er musste sich anstrengen nicht verschwommen zu sehen.
Wieder hielt er sich an der feuchten Hauswand fest, um nicht umzufallen. Er keuchte und schaute sich weiter panisch um.
Dann machte er auf dem Absatz kehrt und rannte blind los. Er wusste, dass man ihn verfolgte. Auch, wenn er niemanden sehen konnte. Er spürte es. Er hatte diesen Geruch in der Nase.
Er rannte einfach weiter und hörte die sanften und fast lautlosen Schritte hinter ihm, bis sie verklungen waren und er stürzte.
Er versuchte sich mit den Händen abzufangen, doch er schaffte er nicht und schlug mit dem Gesicht auf dem Pflasterstein auf.
Er spürte sein eigenes Blut und spuckte einen Zahn aus. Das Blut lief ihm den Rachen runter und begann zu wimmern und zu husten.
Dann spürte er einen kalten Griff in seinem Haar, welcher ihm den Kopf nach oben zog. „Schade, das hätte lustig werden können“ knurrte eine frostige und raue Stimme an seinem Ohr und James spürte den kalten Atem auf seiner Haut.
Eine Gänsehaut lief ihm über den Rücken und als er die ebenso kalten Zähne an seinem Hals spürte, setzte sein Herz für einen Moment aus.
Dann durchzuckte seinen Körper ein einziger, stechender Schmerz, bevor er das Bewusstsein verlor und alles um ihn herum schwarz wurde.
1
Kommentare
Moon Dancer schrieb am 2010-03-18 17:55:12:
sehr schön. mach weiter so!! hoffe ja, dass es eine fortsetzung geben wird=)
lg
Kommentar hinzufügen