Vom Himmel (Überarbeitet)
von
Lucie Li
1
2
Eines Tages, als Gott in seinem Stuhl saß und die Menschen beobachtete, sagte er zu Luzifer: "Ob wir nicht mal wieder eine riesige Überschwemmung einleiten sollten? Das Treiben auf der Erde gleicht wieder dem von Sodom und Gomorra?!"
Die Menschen entwickelten sich in die Richtung, die eigentlich ganz das Gegenteil war, als Gott es sich vorstellte. Er wollte Frieden und Liebe, dass Lebewesen sich verstehen und alle dem Weltfrieden ein Stück näher kommen. Das Gegenteil war der Fall, die Gesellschaft von jedem Teil der Erde entwickelte sich in die gegenteilige Richtung und Luzifer ging es gewaltig auf den Keks, sich um die Sünder in der Hölle zu kümmern, sie zu quälen, ihre verbliebenen Seelenreste zu komplettem Schrott zu verarbeiten. Er hatte auch keine Lust mehr auf so viel Arbeit. Die Entsorgung kam ja dann auch noch hinzu. Gott hatte noch nicht mal die Hälfte davon zu tun was Luzifer leistete, das wurde jetzt aber langsam zuviel und es war kein Ausgleich mehr vorhanden. "Meine Hölle wird langsam zu voll, es muss etwas geschehen." murrte er und zog dabei seine Augenbrauen zusammen und der Qualm pfiff leise aus seinen Ohren und Kugelformen schlüpften lautlos hinaus.
"Ich hatte letzte Nacht einen Traum, in diesem Traum gab es ein Geschöpf, was die Erde wieder etwas friedlicher und schöner gestalten konnte," erzählte er. Gott sah auf und antwortete: "So wie Jesus, mein Sohn, der den Menschen Gutes bringen sollte?"
"Naja," antwortete Luzifer, so ähnlich, nur in weiblicher Form." "Nein, nein," sagte Gott, "das würde ich nicht noch einmal verkraften. Das Projekt Jesus war völlig vergebens, die Menschen wollen keine Liebe und Verständlichkeit, Freude und ein schönes Leben, sieh sie dir doch an," immer wütender werdend schrie er schon fast, "wie jeder den anderen um seine materiellen Güter beneidet oder keinen großen Wert auf die Gesundheit legt. Viele Menschen die ein Amt bekleiden, deren Aufgabe es ist, sich anderen zu widmen, sich um sie zu kümmern oder einfach dem Wohle der Menschheit zu dienen, denken nur an den eigenen Vorteil oder wie es ihm wohl am Besten gehen könnte auf Kosten derer, die Hilfe brauchen. Und das ist nur ein kleines Beispiel. Nö nö, dein Traum mag schön gewesen sein, doch die Menschen wissen nicht zu schätzen was vom Himmel kommt, sie sehen es ja noch nicht einmal. Am Ende bringen sie es wieder um."
"Gott, wie redest du? Das kenne ich ja nicht von dir, das müssten eigentlich meine Worte sein", stellte Luzifer fest. "Doch ich sehne mich auch nach etwas Geborgenheit und Liebe und habe keinen Platz mehr in meiner Hölle, will auch keinen Platz mehr haben. Es muss etwas geschehen."
Gott sah den Teufel an und fragte: "Wollen wir nicht lieber würfeln?"
Würfeln war eins ihrer Lieblingsspiele, sie suchten sich ein paar Menschen auf der Erde aus und benutzten sie als Spielfiguren auf ihrem Spielbrett. Es war so, dass Gott eine Figur hatte und Luzifer. Bevor gewürfelt wird, muss derjenige der dran ist sagen, was er sich für seine Figur ausgedacht hat. Zum Beispiel Gott ist dran und er sagt:"Meine(r) sollte die Gabe besitzen, die Menschen zu heilen." Dann würde Luzifer sagen:" Pfff, du und deine Maltesereinfälle, denk dir mal was Pfiffigeres aus. Also, ich will, dass er sich in eine Dirne verliebt und sein Leben total aus den Fugen gerät." Dann kommt der Würfel zum Einsatz und wer die höhere oder niedrigere Zahl hat, je nachdem welche Regeln vorher vereinbart wurden, gewinnt. Das Menschlein hat dann mit dem jeweilig für ihn gewürfelten Schicksal zu leben oder zu kämpfen. Das hat beiden bisher immer eine Menge Spaß gemacht. Doch irgendwann wird alles trüb und öd, nichts hat eben auf Dauer Bestand.
"Das würfeln können wir vergessen, es gibt ja keinen mehr, der wirklich etwas mit seinem Leben anfangen will und gegensätzliche Vorstellungen gibt es auch nicht mehr, sie wollen alle nur ihr Geld und Miesepetrigkeit," stellte Luzifer fest.
So kann es nicht weitergehen, Jesus war wohl dein Projekt, jetzt ist es Zeit, dass ich eins bekomme.
Und so geschah es. Der Teufel ging in sein Labor und fing an, alles was er für sein Projekt benötigte, vorzubereiten. Als er alle Utensilien beisammen hatte, bat er Gott in sein Labor, um dem kommenden Geschehen beizuwohnen, allerdings brauchte er für sein Vorhaben noch eine winzige Kleinigkeit. "Gib mir eine Zelle von dir!" befahl der Teufel.
Gott sah ihn an und mit zuckender Schulter ließ er sich eine Zelle aus seinem Finger in ein Röhrchen saugen und der Teufel ließ es in ein Reagenzglas über einer Art Bunsenbrenner hineingleiten. Dann zog er sich selbst eine Zelle aus dem Finger und tat mit dieser das gleiche wie zuvor mit der Zelle Gottes. "Jetzt wirst du Zeuge einer himmlischen Befruchtung." sagte der Teufel und spuckte vor Freude ein paar Feuerfunken, das geschieht immer, wenn er aufgeregt ist. Ein schelmisches Grinsen verbreitete sich auf seinem Gesicht und eine unheimliche Magie entstand in seinem Labor.
Der Teufel hob seine Hände und begann, leise vor sich hin zu sprechen. Endlose Beschwörungsformeln und Zaubersprüche, in allen möglichen Sprachen, manche waren sogar Gott unbekannt und etwas suspekt. Stirnrunzelnd wartete er und beobachtete, was sich da ergeben sollte. Er stand regungslos und mit keinem Funken Hoffnung in ausreichender Entfernung und harrte der Dinge die da kommen wollen.
Der Teufel wurde immer lauter und lauter und irgenwann schrie er die Beschwörungsformeln in den Raum, dass wohl die ganze Welt es hören musste. Seine Augen leuchteten schwarz wie die Nacht und tausende Lichter funkelten wie Sterne in seinen Augen. Er flehte nun leiser und ruhiger nach einem heftigen Gebrüll jetzt fast flüsternd und es ging Gott durch Mark und Bein. Gott war sehr überrascht von der Intuition und dem ganzen Gefühl was sich im ganzen Raum ausbreitete. Ein Singsang woraus mit der Zeit ein leises Flehen wurde, gefolgt von schweren Seufzern und dann wieder lauter. Einem lauten Sprachgesang aus mystischen, und poetischen Strophen eines unbekannten Liedes. Ein Lied, das durch das ganze Universum hallte, wovon man später noch hören wird.
Im Reagenzglas blubberte es unermüdlich vor sich hin, erst leichte Bläschen, dann immer heißer werdend. Rauch stieg auf und immer lauter und heftiger blubbernde Blasen, mit den schönsten verschiedensten Farben, es war eigentlich ein wunderschönes Schauspiel. Auch wenn es nichts bringen sollte, dachte Gott, es ist wirklich schön hier zuzusehen.
Er kannte den Teufel, er glaubte auch nicht, dass dieser solche Energien einsetzte für eine Sache, die sich nicht lohnen sollte. Langsam fand Gott gefallen an den Vorgängen. Ja er war jetzt schon regelrecht begeistert und beide fingen an, einen Freudentanz zu veranstalten. Es war nicht das erste Mal, dass Gott vom Teufel auf andere Gedanken gebracht wurde und zu ausgelassener Freude neigte, nein, sie hatten sich in den letzten Jahrhunderten eine Art Zweckgemeinschaft aufgebaut und lebten diese
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen