Vom Räupchen
von
Sebastian Fifargo
1
Gleich unterhalb vom Apfelbaum
im Wurzelwerk, du siehst es kaum,
streift sich mit ganzer Fülle
ein Räupchen aus der Hülle.
Denkt sich nur kurz: “Was mach ich hier?“
dann packt es schon gewaltig Gier,
um ohne weiter nach zu fragen,
Grünzeug zu jagen für den Magen.
Da, am Weg strahlt doch ein Stein
bunt und froh in’s Herz hinein.
schon allein für dies’ Behagen
will ihn Räupchen bei sich tragen.
Räupchen frisst nun jeden Tag
alles, was es gerne mag:
einzeln Blatt vom Baum und Strauch,
Blüten, Stängel, Früchte auch.
Doch hält der Hunger es gefangen,
vergeblich stillt es sein Verlangen.
„Gibt’s in der Welt denn nur Begehr
nach dem Fressen- sonst nichts mehr?“
Da strahlt der bunte Wunderstein
ganz warm in Räupchens Herz hinein,
sodass es ahnt voll Zuversicht:
allein das Fressen ist es nicht.
Kaum ist klein Räupchen unbedacht
hat’s schon ein Rabe angelacht.
Nur um ein Haar vor dem Verrecken
gelingt’s im Baum sich zu verstecken.
Nun hält die Angst es fest gefangen
der Übermut ist ihm vergangen.
„Gibt’s in der Welt denn nur Begehr
nach dem Fressen- sonst nichts mehr?“
Da strahlt der bunte Wunderstein
ganz warm in Räupchens Herz hinein,
sodass es ahnt voll Zuversicht:
allein das Fressen ist es nicht.
So webt das Räupchen um sich hin
aus Fäden ein Kokon-Gespinn,
dort liegt es drin ganz ruhig und döst,
der Körper völlig aufgelöst.
Bis Räupchen wieder aufgewacht,
ein Wunder ist von selbst vollbracht.
Als Schmetterling kann es jetzt schweben
sich himmelwärts hinauf erheben.
Ihm wird von oben plötzlich klar:
Die Welt birgt Schönheit ganz und gar.
Seit Anfang war sein Tun gelenkt
zum Staunen, was das Leben schenkt.
Am End’ vermacht’s ein Flügelschüppchen
dem selbst gelegten Raupenpüppchen,
dass dies auch ahnt: nebst dem Begehr
gibt’s in der Welt unfassbar mehr.
1
Kommentare
isabella schrieb am 2010-04-26 11:47:25:
so etwas liebevolles......
NIC schrieb am 2010-03-16 14:56:57:
Totaaal süß!!!!! : )
Kommentar hinzufügen