Vom Schicksal entzweit
von
Niniel
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Kleine, schneeweiße Flocken wirbelten tanzend durch die nächtliche und kalte Wintersluft. Trotz der Dunkelheit der Nacht schimmerten die vielen kleinen herabfallenden Flöckchen wie Silber im Licht des Mondes. Wie ein König thronte dieser am Himmel, um zusammen mit den hell und klar leuchtenden Sternen sein Licht auf die schlafende Welt zu werfen.
Lautlos umhüllte der Schnee alles unter seiner weißen Pracht. Die kahlen Äste der Bäume trugen nun statt Blätter den glänzenden Schnee. Auch die Tannen wurden in schimmerndes Weiß getaucht. Die ganze Welt schien den Atem anzuhalten und ruhte still unter der Decke aus kaltem Schnee. Die Stille jedoch wurde sanft durchbrochen.
Eine Melodie, erfüllt von unendlicher Traurigkeit, bahnte sich ihren Weg durch die fallenden Schneeflocken hindurch. Die leisen Töne entstammten einer Panflöte, einem Instrument, welches in diesen Landen nur die Elfen zu spielen vermochten. Folgte man den zarten Klängen, so konnte man bald eine schlanke, hochgewachsene Gestalt am Rande eines zugefrorenen Sees stehen sehen.
Langes, pechschwarzes Haar stach einem jeden Betrachter als erstes ins Gesicht. Seidig schimmernd und gespickt von kleinen weißen Flocken, wie Edelsteine wirkend, hob sich die dunkle Farbe auch vom zartem Hellblau des Kleides ab. Trotz der niedrigen Temperaturen besaß dieses keine Ärmel. Es war bis zur Taille eng gehalten, um dann nach unten weit auszufallen.
Das schöne, blasse Gesicht gesenkt, die Augen geschlossen und das Instrument aus dunklem Holz an den Lippen, stand die Frau dort.
Regungslos.
Nur die schlanken Finger huschten geschickt über die hölzerne Flöte, um ihr die Melodie zu entlocken.
Seichter Wind wehte auf. Wirbelte den Schnee durch die Luft und schuf die Illusion, als wolle dieser zur Musik der Frau tanzen.
Mit einem Male jedoch, öffnete die Spielende ihre Augen. Grün blitzen sie auf.
Ein merkwürdiger Laut, wie der Klang versucht leiser Schritte im Schnee, ganz in der Nähe hatte sie aus ihrer Trance gerissen, denn die feinen Ohren waren geschult darauf jedes noch so kleine Geräusch in unmittelbarer Nähe zu vernehmen. Langsam ließ sie ihr Lied verstummen und die Hand zusammen mit der Flöte hinunter sinken.
Mit ihrem feinem Gehör war es ihr gelungen, das Geräusch jemanden zuzuordnen, von dem ganz gewiss keine Gefahr ausgehen würde. Im Gegenteil.
„Warum verstummt dein Lied, kaum, dass du mich herankommen ahnst?“, ertönte eine angenehm dunkle, männliche Stimme.
Die junge Frau senkte langsam den Blick und blinzelte. Sie traute ihren Ohren nicht. Schon, als sie erkannt hatte, wem diese leisen Schritte gehörten, waren Zweifel in ihr empor gestiegen, ob ihr Verlangen ihr nicht einen Streich spielte. Ihr dies nur als Illusion zuflüsterte. War er wirklich gekommen? Es war so unmöglich...
Langsam drehte sie sich herum. Ein zartes Lächeln huschte ihr auf die schönen Lippen. Unbewusst ohne, dass sie es zu steuern vermochte, hob sie den Blick, um sich zu vergewissern, dass die Sehnsucht ihr keinen Streich spielte. Wie es schon oft geschehen war.
„Alexiey...“, verließ ein Wispern ihre Kehle.
Ein Lächeln bildete sich auf den Lippen des jungen Mannes, dessen schwarzes, längeres Deckhaar nass im Gesicht klebte. Die ozeanblauen Augen auf sie gerichtet, stand er dort. Der Schnee wirbelte um ihn herum und heftete sich in großen Mengen an den schwarzen, bodenlangen Mantel.
Zögerlich machte die junge Frau einige Schritte auf ihn zu. Ihr Kleid war etwas zu lang für sie und hatte sich so am Saum und ein Stückchen weiter hinauf mit Wasser vollgesogen. Trotzdem hinderte dies die Frau nicht daran, anmutig einen Fuß vor den anderen zu setzen. Deutlich zeigten ihre zaghaften Bewegungen, dass sie noch immer nicht glaubte den zu sehen, der da vor ihr stand.
Als sie stehen blieb, standen sie sich so nahe gegenüber, dass er ihren warmen Atem an seinem Hals spürte. Trotz ihrer hochgewachsenen Gestalt war sie beinahe einen Kopf kleiner als er, sodass sie zu ihm aufsehen musste. Die junge Frau biss sich auf die Unterlippe und blickte in seine tiefgründigen Augen. Eine ganze Weile trafen sich ihre Blicke. Keiner sagte ein Wort. Keiner wagte es die angenehme und prickelnde Stille zu durchbrechen.
„Du bist es wirklich.“, hauchte die junge Frau ungläubig und hob ihre rechte Hand an, um mit ihren Fingern vorsichtig die Konturen seines scharfgeschnittenen Gesichtes nachzuziehen,
„Du solltest nicht hier sein... du weißt, was geschehen wird, wenn sie uns zusammen entdecken.“, entschied sie dann eilig und zog ihre Hand wieder fort von seiner Wange, als wäre sie sich mit der Berührung seiner kalten Wange mit ihren warmen Fingern der Situation vollständig bewusst geworden.
Das zärtliche Lächeln auf den Lippen des Mannes erstarb nicht. Seine Augen strahlten und jede ihrer Bewegungen nahm er gierig auf. Verfolgte jeden noch so kleinen Schlag ihrer langen, dichten Wimpern.
„Ich beneide dein Volk. Deine Finger... sie sind so warm.“, flüsterte er stattdessen und hob seine eigene Hand, um die ihre sanft zu umschließen.
Unbewusst war die junge Frau einen kleinen Schritt näher an ihn herangetreten. Sie standen nun noch dichter beieinander. Ihre Brust hob und senkte sich heftig auf und ab. Vor Aufregung klopfte ihr Herz schnell in ihrer Brust, doch sie spürte, dass auch seines nicht weniger schnell schlug.
„Alexiey...lenke nicht vom Thema ab. Es ist ernst. Warum bist du her gekommen?“, es fiel ihr nicht leicht, das herbeigesehnte und traute Beisammensein durch solch Worte zu zerstören, doch es war ihr wichtig, dass ihm nichts geschehen würde.
Alexiey sog tief die kalte Luft in seine Lungen und schloss für kurze Zeit die Augen. Als er sie wieder öffnete las sich unendlicher Schmerz und unendliche Trauer in dem schönem Blau.
„Du scheinst mir so, als freuest du dich nicht über mein Kommen. In der Erwartung, du würdest mir in die Arme fallen und mich nie wieder loslassen kam ich an diesen Ort, der so eine große Bedrohung für mein Leben darstellt. Stattdessen stehen wir hier... und du kannst nicht einmal für wenige Schläge der Zeit unser Leid vergessen!“, ein wenig anklagend klang die leise Stimme des jungen Mannes, als er ihr tief in die Augen blickte.
Erst erwiderte die junge Frau den Blick hart und als hätte sie keinerlei Gefühle, blieb auch ihr Gesichtsausdruck versteinert und emotionslos. Doch bald lockerte sich dieser Ausdruck. Selbst sie konnte sich nicht dagegen wehren. Sie vom Stamm der Meanolen, einem Elfengeschlecht, welches noch viel stolzer und geschickter als viele andere Stämme war. Nun sog auch sie die Luft in ihre Lungen und stieß sie mit einem leises Seufzer wieder hinaus. Dann senkte sie beschämt den Blick und biss sich erneut auf die Unterlippe.
„Verzeih, doch...“, begann sie ihren Satz, doch Alexiey legte ihr sanft die Finger unter das Kinn, um ihr Gesicht sachte wieder hinaufzuziehen.
Er lächelte seicht, legte ihr dabei den Finger auf den Mund: „Verziehen habe ich dir, Niniel. Mehr zählt nicht... keine
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Kommentare
Sequana schrieb am 2007-03-20 11:34:05:
Boah ......zu kurz zu kurz .....*3 tassen caffee * ich möchte weiterlesen .....ich bins prachlos man kann die augen nicht abwenden vom bildschirm sehr sehr sehr schön geschrieben wirklich...
mfg Sequana
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