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Kategorien > Aus dem Leben > Alltäglicher Wahnsinn

Vom denkendem Anschein

von Addicted

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Vom denkendem Anschein


Ich denke viel nach. Das möchte ich hier und jetzt schon einmal festhalten- für den Fall das ich in meiner kleinen Geschichte abschweifen werde. Ich hoffe, sie werden es mir verzeihen, denn ich kann nicht anders. Schon als Kind habe ich mich durch meine Gedanken vom Wesentlichen abgelegt. Sei es von der Schule, von den Hausaufgaben, von aufregenden Diskussionen mit meinen Freunden oder gar dem Fahrradfahren, was mich oft schlimmer Schürfwunden einbrachte. Und über was denke ich nach? Über alles, was anfällt. Ich kann zum Beispiel stundenlang an meinem Schreibtisch sitzen und nachdenken. Dieser Schreibtisch würde bei mir eigentlich Nachdenktisch heißen, weil ich mit Vorliebe daran sitze und nachdenke. Doch er heißt nun einmal Schreibtisch, und auch ich will ihn so nennen- obwohl kein einziges Papier meinen Tisch schmückt oder gar ein Stift. Und sehen sie? Ich schweife schon ab. Eigentlich wollte ich Ihnen auf die Frage antworten, worüber ich denn so nachdenke, und ich kann nur sagen das ich über alles und jeden nachdenke, und möchte von da aus meine Geschichte beginnen, weil ich es mir so ausgedacht habe, doch ich bin schon wieder abgeschweift (oder abgeschwoffen? Warum nicht abgeschwoffen). Um schnell wieder auf das Thema zu kommen...doch Moment...Gibt es überhaupt ein Thema? Ich hab doch noch gar nicht damit angefangen eines zu bilden. Oder hab ich das, nur Sie wissen noch nichts davon? Alles möglich. Alles möglich? Das ist ja wie bei Schrödingers Katze. Schrödinger berichtet davon, das alles mehrere Möglichkeiten hat, wenn man nicht nachschaut und sich vergewissert, dass nur eine gilt- zumindest in dem Moment, in dem es tut, das Nachschauen. Bin ich verwirrend? Es tut mir leid. Zurück zum Thema. Doch welches Thema? Achja, das Nachdenken. Meine Geschichte.
Meine Geschichte ist schnell erzählt, wenn man sich nicht jedes Detail anhören will, doch ich appelliere an Sie, dass Sie es tun. Vielleicht mag sie für sie ein bisschen langweilig klingen, denn Ihr Leben ist bestimmt um einiges aufregender als meines. Damit meine ich, dass sie vielleicht mehr spannende Dinge erlebt haben, dass sie mehr verreißt sind und auch mehr Leute getroffen haben. Doch dabei sehe ich auch immer viele Leute. Ich sitze an meinem Nachdenk...Entschuldigung. Ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. Von dort aus kann ich viele Menschen sehen, denn vor dem Haus in dem ich wohne, zieht sich eine Allee. Wissen Sie was eine Allee ist? Ein etwas breiterer Weg, an dem sich links und rechts die Bäume in Reih und Glied entlangziehen. Ich schaue oft auf diese Allee und auf die Menschen die dort spazieren gehen. Natürlich rede ich nicht mit ihnen, denn das Reden hab ich schon vor langer Zeit abgelegt. Ich rede nicht mehr, weil meine Gedanken sonst unterbrochen werden. Und mit wem sollte ich auch reden? Ich hab niemanden. Ich bin alleine. Und irgendwie ist das auch gut so, denn ich bin selbst mein bester Freund. Ich kann mich stundenlang mit mir selbst unterhalten, und sollte es mir dann doch irgendwie langweilig werden, schalte ich den Fernseher ein. Fünf Minuten reichen meist, und ich denken wieder den ganzen Tag über etwas nach. Was ich arbeite, werden Sie sich vielleicht fragen. Was macht solch ein Mensch, der keinerlei soziale Kontakte hegt und sich nur mit sich selbst beschäftigt? Ich schreibe. Ich schreibe Fragen auf. Das hört sich sehr lustig an, kann ich mir denken, doch das ist die Wahrheit. Ich schreibe Fragen auf, und sammele sie. Wenn ich einige zusammen hab, schicke ich sie an Hobbytüftler, Wissenschaftler, Zeitungen oder gar an das Fernseher. Und wenn ich meine Fragen abgeschickt habe, dann warte ich und schaue wieder aus dem Fenster, schau die Menschen an. Meist vergehen einige Tage, manchmal auch Wochen, bis ich Post bekomme. Das sind dann die Antworten von den Menschen, an die ich meine Fragen geschickt hab. Zumindest die Hobbytüftler und ab und zu auch ein paar Wissenschaftler schicken mir die Antworten zu meinen Fragen zurück. Die anderen, wie zum Beispiel die Leute vom Fernseher oder die von den Zeitungen, veröffentlichen diese und machen dann Quizshows daraus oder starten einen Wettbewerb indem der Gewinner eine Reise oder ein Auto gewinnen kann. Das macht mich glücklich. Ich bin froh diesen Beruf zu haben. Ich kann den ganzen Tag zuhause bleiben und tun und lassen was ich möchte. Dabei mach ich mir meine Gedanken und schreibe diese auf. Doch meine Geschichte hat noch mehr zu erzählen. Alles fängt an, als ich als ein kleines Baby war. Vielleicht auch noch viel früher, aber weil ich so klein war kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Gut möglich, dass ich bereits als ungeborenes Baby fragen hatte. Vielleicht schluckte ich mit Absicht diese komische Flüssigkeit um mich herum, um heraus zu finden wie sie schmeckt. Ich hätte mir das durchaus zugetraut. Doch Sie sehen, ich schweife ab.
Als kleines Kind, war mein erstes Wort nicht „Mama“ oder „Papa.“, sondern „Wie?“ und „Warum?“. So begann die Entwicklung. Oft fragte ich meine Eltern „Wie?“ und zeigte in den Himmel, wo ein Flugzeug einen weißen Balken hinter sich her zog. Das ich noch nicht richtig reden konnte, aber bereits fragen stellte, lies mich zu dem werden was ich heute bin. Denn jede Antworte meiner Eltern („Das ist die Luft, die so weiß ist“), wurde von mir bis in das kleinste Detail zerlegt. Was ist Luft? Was ist weiß? Was ist das Wörtchen Was? Was ist ein Wörtchen? Ich dachte über alles nach. Meine Fragewörter Wie und Warum reichten nicht aus, um auf alles eine Antwort zu bekommen und so musste ich selbst eben diese erreichen, indem ich sie mir herleitete. Weiß ist das Gegenteil von Schwarz. Luft ist, was uns umgibt. Viele Wörter ergeben einen Satz. Und so begann ich von klein auf bereits, offen durch die Welt zu gehen und mir wegen allem meine Gedanken zu machen. Konnte ich mir einfach keine Antwort herleiten, schlug ich sie nach, speicherte sie ab. Und hatte ich ersteinmal ein Lexikon in der Hand, konnte ich es nicht mehr los lassen. Was ist der Mond? Warum ist er, wo er ist? Was ist ist? Bin ich? Was, wenn ich nicht bin? Was ich nichts? Gibt es ein absolutes Nichts? Tagelang konnte ich mich mit einem Lexikon beschäftigen. Ich musste sogar. Fragen, die unbeantwortet bleiben, machen mich verrückt. Ein Problem wurde es allerdings, als ich mehr über diese Menschen erfahren wollte, die ich jeden Tag sah, wenn ich aus dem Fenster schaute. Ich konnte ja nicht einfach hingehen und sie fragen, denn ich rede schließlich nichts mehr. Also holte ich mir das Internet nach Hause, und es sollte die beste Anschaffung in meinem Leben werden. Von nun an musste ich nicht mehr aus dem Fenster schauen, um Menschen zu sehen und mich zu neuen Fragen inspirieren lassen. Ich musste auch nicht mehr den Fernseher anmachen, denn das Internet verband alles. Ich konnte Live nach Australien schalten, konnte Menschen anschauen die sich unbeobachtet fühlten und noch vieles mehr. Und nicht zu vergessen: Ich

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