Von Hasen und anderen Menschen
von
Tina
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Transylvanien war eine an sich sehr schöne Stadt. Dort gab es viele Geschäfte, eine Kirche und ein großes Waldstück, in dem sprechende Tiere lebten. Die Bewohner von Transylvanien wussten das.
Eines Morgens fuhr eine Frau mit ihrem Auto an einer breiten Straße entlang. Die Frau hieß Katharina de la Rosa und kam gerade von einem Arztbesuch zurück. Sie hatte von ihm eine gute Nachricht erhalten, denn der Arzt hatte ihr mitgeteilt, dass sie Nachwuchs erwartet.
Fröhlich singend fuhr sie nach Hause. Sie dachte daran, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, welchen Namen es bekommt, zum Beispiel Friedolin oder Krimhild, Ernesto jr. oder Josefine. Sie fuhr und träumte so vor sich hin, als ihr Wagen plötzlich einen Hopser machte. Sie hielt kurz an und drehte sich um. Ein kleines Fellbündel lag regungslos auf der Straße. Katharina störte sich nicht daran und setzte ihre Fahrt fort.
100m weiter standen plötzlich 10 große Feldhasen Schulter an Schulter nebeneinander aufgebaut und versperrten ihr den Weg. Katharina hielt an. Einer der Hasen trat nach vorne und sagte erbost: "Du widerliches Weib. Sag' mal, schämst du dich gar nicht? Du hast mein Kind totgefahren und hältst es nicht einmal für nötig, es von der Straße zu nehmen und zu beerdigen!" Katharina stieg aus und sah sich den Hasen näher an. An den Zitzen erkannte sie, dass es wohl die Mutter sein musste.
Sie wurde verlegen. "Es ... es tut mir Leid, ich war ... in Gedanken", stotterte sie. "Mein Baby war erst ein Jahr alt", entgegnete die Hasenmutter wütend. "Zur Strafe wird die Seele meines Kindes in den Körper deines Kindes eintreten. Und wenn es alt genug ist, um laufen zu können, wird es in den Wald zurückkehren." - "Aber ich habe doch noch keine Kinder", sagte Katharina verzweifelt. "Lüg' nicht! Oder glaubst du, ich weiß nicht, dass du ein neues Leben unter deinem Herzen trägst? Alle Tiere haben einen sechsten Sinn", antwortete die Hasenmutter.
Katharina überlegte. Dass ein Hase in der Fabelwelt Meister Lampe heißt, wusste sie aus zahlreichen Büchern, die sie als Kind gelesen hatte. 'Vielleicht hilft mir diese Anrede", dachte sie. "Frau Lampe", sagte sie höflich, "bitte geben Sie mir eine Chance, mein Unrecht wieder gutzumachen. Ich kann Ihr Baby nicht wieder lebendig machen, aber ich verspreche Ihnen, dass ich in Zukunft eigenhändig dafür sorge, dass niemals mehr einer Ihrer Artgenossen sterben muss. Bitte tun Sie meinem Kind nichts Böses. Es hat drei Jahre gedauert, bis es entstehen durfte und ich will es nicht verlieren."
Die langohrige Dame zeigte sich beeindruckt. 'Frau Lampe' hatte sie schon lange niemand mehr genannt. Und dass Menschen manchmal so lange brauchen, um sich vermehren zu können, wusste sie noch nicht. "Na gut. Wenn du bis zur Geburt deines Kindes dich erfolgreich für uns Hasen eingesetzt hast, werde ich den Fluch wieder von dir nehmen. Aber wenn du deine Pflicht versäumst, wirst du ein Hasenkind gebären." - "In Ordnung, Frau Lampe. Ich bin einverstanden", sagte Katharina. Sie nahm ihr Haarband vom Kopf und band es Frau Lampe um den Hals, um sie später wiedererkennen zu können. Frau Lampe verstand das Zeichen und ließ es zu. Dann sagte sie: "Geh jetzt den Weg zurück und begrabe mein Kind."
Katharina setzte sich in ihren Wagen, um ihn an dem Seitenstreifen zu parken. Dann ging sie zu Fuß den Weg zurück zum Hasenbaby. Sie nahm ein großes Blatt vom Wegrand, hob das Hasenbaby behutsam hoch und bettete es vorsichtig darauf. Dann trug sie es ein Stück in den Wald hinein, buddelte ein Loch, legte das Baby hinein und vergrub es. Sie sah sich um. Die Hasen hatten sich inzwischen entfernt.
Katharina ging zum Auto zurück und fuhr nach Hause. Ernesto, ihr Ehemann empfing sie mit offenen Armen. "Hallo, mein Liebling, ich warte schon sehnsüchtig auf dich. Stell' dir vor: Graf von Santen hat uns für Morgen abend zum Essen eingeladen." - "Interessant. Und was gibt es zu Essen?", fragte sie.
"Natürlich Hasenbraten, wie jedes Jahr", antwortete er. "Hmpf", machte Katharina und hielt sich eine Hand vor dem Mund, um ihre aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken. "Aber Liebling, was hast du denn?", fragte Ernesto besorgt. "Ich habe heute versehentlich einen kleinen Hasen überfahren", antwortete sie. "Das ist doch nichts schlimmes, Liebling", meinte Ernesto. "Doch", entgegnete seine Frau, "ich bin nämlich der Hasenmutter begegnet und die hat mich und unser Kind mit einem Fluch belegt."
"Unser Kind?", fragte Ernesto irritiert. "Ja, ich erwarte ein neues Leben. Und wenn es mir bis zur Geburt nicht gelingt, weitere Hasen erfolgreich zu schützen, werden wir ein Hasenkind bekommen." - "Du meine Güte", sagte Ernesto erschrocken. Dann griff er zu seinem Schrotgewehr. "Ich werde jetzt alle Hasen erschießen", sagte er entschlossen. "Vielleicht kann ich dich und unser Kind von dem Fluch befreien."
"Untersteh' dich, Ernesto!", rief Katharina erbost. "Damit machst du doch alles nur noch schlimmer. Du solltest mir lieber dabei helfen, die Hasen zu beschützen." - "Na gut, aber wie soll ich das anstellen?", fragte Ernesto verzweifelt. "Ganz einfach", erklärte Katharina ihm. "Als erstes wirst du in Zukunft keine Hasenjagd mehr veranstalten und zweitens werden wir ab sofort Hasenbraten vom Speiseplan streichen. Vegetarische Kost ist sowieso gesünder. Das müssen wir auch Graf von Santen beibringen."
Gesagt, getan. Am Abend telefonierte Ernesto mit Graf von Santen und erzählte im sein Anliegen. Erstaunlicherweise war der ohne Probleme bereit, auf den Hasenbraten zu verzichten. Viel mehr noch: Da er der Bürgermeister von Transylvanien ist, sorgte er dafür, dass die Straße, die zum Wald führte, für Autos gesperrt und in einen Fußgängerweg umgewandelt wurde.
Katharina entwickelte in den folgenden Monaten einen gesunden Appetit auf Karrotten und Blattsalat. Einen Monat vor der Niederkunft besuchte sie gemeinsam mit Ernesto die Hasenfamilie im Wald. Frau Lampe trug Katharinas Haarband immer noch. Sie hatte inzwischen drei neue Hasenkinder zur Welt gebracht. Ernesto war hingerissen von den kleinen Fellbündeln. "Mein Gott", sagte er gerührt, "wenn ich vorher gewusst hätte, wie niedlich kleine Hasen sein können, hätte ich nie damit angefangen, sie zu jagen." - "Ja, ich finde sie auch süß", stimmte Katharina ihm zu. "Hoffentlich geht jetzt alles gut."
Vier Wochen später war im Haus 'de la Rosa' ein gesundes Mädchen angekommen. Ernesto und der Bürgermeister von Santen waren von der kleinen Josefine sehr angetan. Auch Katharina war erleichtert, denn Josefine sah wie ein normales Menschenkind aus. Plötzlich waren draußen vor dem Haus Schüsse zu hören. Kurz danach betrat Johann, der hauseigene Buttler die Wohnstube. In der einen Hand hielt er Ernestos Schrotgewehr, in der anderen Hand einen Hasen. Als Katharina Frau Lampe erkannte, wurde sie ohnmächtig. Ernesto konnte sie im letzten Moment auffangen und auf das Sofa legen.
"Johann, ich
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Kommentare
Tina (die Autorin selber) schrieb am 2008-10-20 22:15:47:
@Gimliy: Danke! Diese Geschichte war eine vorgegebene Hausaufgabe aus dem VHS-Schreibkurs. Ich hatte auch erst nachgedacht 'Ach herrje, wie schreibe ich denn ein Märchen' (grübel ...). Dann hab ich überlegt, welche Märchen mir als Kind gefielen. Dabei fiel mir ein, dass ich Dracula-Hörspiele am Liebsten mochte. :-) Und dann hatte ich eine zündende Idee und tippte los. :-)
Gimliy schrieb am 2008-10-17 11:40:02:
Ps: Ich hab echt Respekt vor Leuten, die Märchen schreiben können, weil ichs nicht kann^^
Gimliy schrieb am 2008-10-16 10:23:19:
Ich finde dieses Märchen echt genial! Das ist total toll.
Das einzige, was mich etwas verwundert ist, dass der Bürgermeister so schnell überzeugt war, aber wahrscheinlich haben die beiden einen guten Einfluss auf ihn. Auf jeden Fall klasse gemacht!
lg: Gimliy
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