Von der Bedüftigkeit
von
Klaus Zankl
* Der Mensch ist auf der einen Seite die selbsternannte Krone der Schöpfung,
aber auf der anderen das bedürftigste Wesen des Universums. Kein Tier,
keine Mücke, kein Elefant stellt so hohe Ansprüche an das Leben wie wir. Ob
Kleidung, Nahrung oder Unterkunft, alles muß erarbeitet oder beschafft
werden. Wo sich der Wolf mit einer einfachen Höhle begnügt und dort sogar
Welpen zur Welt bringt, benötigen wir unser Haus mit der entsprechenden
Einrichtung. Wo das Rind mit einfachem Gras vorliebnimmt, benötigen wir
hochwertige Mischkost. Wo das Schwein annähernd nackt herumläuft, benötigen
wir je nach Jahreszeit verschiedentliche Kleidungsstücke. Wo sich der
Elchbulle mit einigen Quadratkilometern Revier zufriedengibt und dabei aber
trotzdem andere Tiere außer eben Elchbullen duldet, roden wir weite Flächen,
um sie der intensivierten Landwirtschaft und den Riesenstädten zuzuführen.
Wo in der Natur im Sinne eines Regulativs ein Massensterben einsetzt,
begegnen wir ihm mit verbesserter Medizintechnik und Lebensmittelimporten.
Die Befriedigung unserer Bedürfnisse, so verständlich sie zunächst auch sein
mag, haben wir nach und nach in immer größerem Umfange gegen alle
natürlichen Widerstände durchgesetzt. Am Ende werden es unsere eigenen
Bedürfnisse sein, an denen wir ersticken. *
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