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Kategorien > Schmerz > Sehnsucht

Von verschüttetem Wein

von Nachtwanderer

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In meinem Freundeskreis befindet sich ein Mann, er ist etwas jünger als ich selbst, mit dem ich viele Abenteuer auf dieser Welt bestehen durfte. Wir haben gemeinsam viele Länder und Kontinente besucht und wir hatten dementsprechend einen tiefen gegenseitigen Einblick in unsere Leben, in unser Denken, in unsere Wünsche und Ziele.

Wir haben Situationen miteinander durchlebt, die uns geprägt und verbunden haben. Es waren nicht immer schöne Dinge, vielmehr waren es Dinge, die man als Ausnahmesituationen bezeichnen könnte und in denen ich sagen darf, dass viel Glück dabei half sie überhaupt halbwegs unversehrt an Leib und Seele zu überstehen.

Nun, das ist lange her und unsere Berufe haben sich verändert, wir leben nicht mehr in derselben Stadt und führen nun schon sehr lange ein sehr viel ruhigeres und weniger aufregendes Leben. Wir wissen beide warum und haben aufgehört über die Erfahrungen zu reden, die wir machen durften. Manchmal und für manchen ist es besser seine kleine private Büchse der Pandora geschlossen zu halten, um nicht von Unverstand und Missbilligung überrannt zu werden. Im Laufe der Jahre verblassen die alten Realitäten, man gewinnt ein neues Lebensgefühl und ist dankbar dafür.

Wenn wir auch im Grunde verschiedene Charaktere gewesen sind, so war die Symbiose unseres „Zwei-Mann-Teams“ eine glückliche.
Er war derjenige, den Mut und Bereitschaft zum Handeln ausgezeichnet haben. Ich hingegen war eher der „Bedächtigere“ von uns Beiden. Er zog mich mit wo ich noch zögerte und ich bremste ihn, wenn mir das Risiko zu hoch erschien. Seltsamer weise hat das gut funktioniert, was die Tatsache beweist, dass wir nicht auf dem Grund eines Ozeans oder in der Wildnis exotischer Länder begraben liegen.

Die Jahre verstrichen, das Fernweh und die Abenteuerlust wichen dem beseelten Wunsch nach Frieden, Freunden, Familie und einem wärmenden Zuhause.
Wir gingen unseren Weg und wir erreichten unsere Ziele. Es war holperig, es war nicht immer einfach, aber am Ende waren wir zufrieden. Heute muss ich sagen, wir waren glücklich in unseren kleinen Welten und sehnten keine Veränderung mehr herbei, es war mehr als Zufriedenheit. Ich denke, wenn man Demut und Dankbarkeit erfahren durfte, dann ist das doch dem Begriff „Glück“ gleichzusetzen.

Wir lebten mit unseren Partnerinnen, dem Glück Väter werden zu dürfen und dem unbeschreiblichen Gefühl wunderbare Frauen an unserer Seite zu haben nun in einer Welt, die vieles vergessen ließ, und um die uns sicher mancher beneiden mochte. Unsere beruflichen Bemühungen waren von Erfolg gekrönt und wir litten keine Not. Alles war gut und es sah so aus, als wären wir schadlos im Leben geblieben.

Nicht mehr häufig, aber hin und wieder trafen wir uns, wie Freunde das tun. Über die alten Zeiten sprachen wir nicht, wenngleich in manchen Situationen ein Blick von uns reichte, und still in uns wussten wir, dass wir gerade an dasselbe dachten. Wir sprachen es nicht aus, vielleicht aus Furcht davor, dass es Dinge gibt, die unser Umfeld befremden würde. Wir fühlten uns deswegen nicht allein oder unverstanden, denn wir hatten ja „Uns“ und das tröstet.
Wenn wir also so dasaßen, unsere freien Wochenenden dann und wann gemeinsam genossen, plauderten wir über die Dinge des Alltags, wir scherzten, wir lachten und angesichts der Gemeinsamkeit, nun in der Mitte des Lebens angelangt zu sein, erzählten wir lächelnd, vielleicht sogar bewusst übertreibend, auch schon mal über unsere gesundheitlichen Zipperlein, die wohl jeder kennt.

So kam der Tag, an dem wir wieder mal zusammen saßen und ich bemerkte, dass heute etwas anders war. Sein Gesicht war ernster als sonst und das Scherzen fiel ihm schwerer. Er erwähnte einen Arztbesuch, nachdem er etwas besorgt um seine Gesundheit sein musste. Zu dem Zeitpunkt habe ich dem noch keine große Bedeutung beigemessen, da mich dieselben Beschwerden schon länger begleiteten und irgendwie hatte man sich daran gewöhnt. Man wird halt nicht jünger.

An diesem Punkt verkürze ich meine Ausführungen, und berichte sachlicher.

Es stellte sich in der Folgezeit heraus, dass unsere Krankheitssymptome identisch waren. Dementsprechend fielen dann auch die Diagnosen unserer Ärzte gleich aus. Es folgte eine Zeit der Ursachenforschung und es dauerte bis sich bestätigte was wir ahnten. Ein konkreter Auslöser war nicht vorhanden, ich spreche nicht von Infektionskrankheiten oder unmittelbar greifbaren Krankheitsbegriffen. Es war mehr eine Aneinanderreihung unterschiedlicher psychosomatischer Symptome, die in Häufigkeit und Qualität zunahmen und ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen hatten. Wir mussten befürchten ernsthaft krank zu werden, worauf uns unsere Ärzte auch hinwiesen.

Es folgten Kuraufenthalte und eine gewisse Disziplin, die uns hier und da kleine Opfer abforderte. Wir fanden Stütze und Halt in unseren Beziehungen, denn wir wurden geliebt. Dennoch war etwas anders. Ich kann es nicht anders bezeichnen, aber in gewisser Weise lag ein Schatten auf mir, den ich anfangs nicht besser umschreiben konnte. So wie man am Ende des Winters unmittelbar, von einem auf den anderen Tag den Frühling ahnen und riechen kann, so unvorbereitet überfiel mich dieses neue unbestimmte Gefühl. Es war fremd und vertraut zu gleich, so als wäre es immer da gewesen und wer es kennt wird es nie mehr vergessen.

Diesbezüglich kann ich zwar nur für mich sprechen, denn ich weiß nicht, ob seine Beziehung aus denselben Gründen vor einiger Zeit zerbrochen ist, wie die meine, aber ich vermute es gibt Parallelen. Vielleicht lag es auch daran, dass unsere Partnerinnen diese Stufe des Lebens noch nicht erreicht hatten, auch auf Grund des Altersunterschiedes. Es ist nicht leicht Unbeschwertheit zu verlieren, sie wird als selbstverständlich erachtet, solange man sie besitzt.

Wir sind damals wie heute dieselben Menschen. Wir haben in unseren Beziehungen auf Kränkungen und ungehörige Ausfallschritte verzichtet und ich darf sagen dass wir unsere Frauen sehr geliebt haben.

In meinen Gedanken habe ich mich manchmal mit der Zukunft beschäftigt. Ich habe darüber nachgedacht wie ich damit fertig werden könnte, wenn meiner Freundin etwas zustoßen würde, sie erkranken würde, was wäre, wenn die Unbeschwertheit Vergangenheit wäre. Ich habe in meiner Seele oft überprüft, ob ich auch dann noch stark genug wäre den Weg mit ihr weiter zu gehen. Ich habe mit ihr darüber gesprochen in stillen Momenten, wenn man sich grenzenlos nah war. Ich habe ihr erst gesagt, dass ich sie Liebe, nachdem meine Seele diese Fragen mit einem entschiedenen und klaren „JA“ beantwortet hatte. Komme was will – JA!

Noch heute sage ich „Ja“, aber die Liebe ist dennoch zerbrochen. Die Unbeschwertheit ist dahin, unsere Leben haben sich verändert und werden nie wieder so sein wie sie einmal waren. Von einem Tag zum Nächsten war das Lebensgefühl wieder da, das ich damals hatte, damals als wir die Welt bereisten. Erst heute bemerke ich wie zermürbend wir viele Jahre gelebt hatten und wie

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